Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Hauptsache Hype: Elektromobilität – damit die Zukunft noch lange vor der Tür steht

20.08.09 (Marginalien)

Noch immer hält sich das Märchen, dass jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland von der Automobilindustrie abhängt. Wie die FTD herleitete, liegt das daran, dass großzügig auch Straßen- und Brückenbauer, Straßenreiniger, Stahlhersteller und Parkhauspförtner eingerechnet werden – so, als ob es ohne die Autoindustrie keine Straßen und keine Industrie gäbe. Tatsächlich hängt nur jeder 20. Arbeitsplatz von der Autoindustrie ab. Aber 5 % macht sich nicht so gut, wenn Politiker und Lobbyisten eine Branche subventionieren wollen, die an Überkapazitäten und dem Druck leidet, heute schon wissen zu müssen, was für Autos in fünf bis sechs Jahren gefragt sein werden. Denn so lange dauert die Entwicklung eines neuen Fahrzeugs. Vielleicht hätten die Auto-Trendscouts weniger nach USA als nach Japan schauen sollen, denn kein Mensch, der über ein entwickeltes Selbstbewusstsein verfügt, braucht 2-Tonner und Geländerennwagen.

Hochmütig belächelte man hierzulande Hybridfahrzeuge, um nun panisch den jahrelangen Rückstand einholen zu müssen. Obwohl Bosch ja schon vor Jahrzehnten mit diesem Vorschlag gekommen sein soll. Weil der Strom bekanntlich aus der Steckdose kommt, wird jetzt von der Politik – Stichwort Elektromobilität – so getan, als ob wir bereits in zwei Jahren alle in Elektroautos fahren würden. Leider spielen auch viele technisch unbeleckte Journalisten bei diesem durchsichtigen Hype mit, der auch den Energieriesen nützt. Hellsichtiger ist da mein Kollege Franz Rother von der Wirtschaftswoche, der die Automobilindustrie seit vielen Jahren journalistisch begleitet. Dass niemand 50.000 Ladezyklen braucht und sich Herr Rother wohl vertippt hat (2.000 bis 3.000 wären mehr als genug), spricht nicht gegen seine Argumentation.

Dass noch unzählige Probleme, von der Akkutechnik über die Steuerung bis zum Aufbau von Ladestationen und der Verfügbarkeit von Solarstrom, gelöst werden müssen und noch nicht einmal klar ist, ob wir überhaupt genug Rohstoffe für die Batterien haben, wird von den lieben Kollegen allzu leicht übersehen. Hauptsache, wir können wieder eine deutsche „Zukunftstechnik“ hypen – so wie 30 Jahre lang den Transrapid. Der „Erfolg“ solch einer mit Steuerngeldern hochsubventionierten, am Markt vorbei entwickelten Technologie ist bekannt. Das Beharrungsvermögen war aber ähnlich wie bei der deutschen Automobilindustrie, die zweifellos gute Autos baut, aber eben nur sehr wenige, die in Zeiten verknappter privater Budgets und künstlich verteuerter Spritpreise gebraucht würden.

Unter diesen Umständen ist es erfreulich, dass die Übergangstechnik Hybridauto, die uns noch lange begleiten wird, vom Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) im jährlichen Öko-Ranking für Pkw gewürdigt wird. Sieger ist der neue Toyota Prius Hybrid, der als erster mit Benzin betriebener Pkw einen Verbrauch von unter vier Litern erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr senkte Toyota den CO2-Ausstoß von 104 auf 89 Gramm pro Kilometer. Auch den zweiten Platz sicherte sich mit dem iQ 1.0 VVT-i ein Toyota. Die Bronze-Medaille der Top-Ten holte sich der Honda Insight Hybrid, der in der Kompaktklasse zudem Platz eins belegt. Immerhin: Klimabester ist der deutsche Smart Fortwo Coupé cdi, der 88 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt.

 
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