Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Hochgeschwindigkeitszüge aus Japan – in Europa!

31.08.09 (Fernverkehr, Großbritannien, Japan, Personenverkehr)

Weil die Briten auch in einem mehr oder weniger vereinigten Europa weiterhin ihr Inseldasein pflegen und sich wirtschaftlich eher der USA verbunden fühlen, von denen sie sich nur durch einen anderen Akzent und vordergründig bessere Umgangsformen abheben, dringen wenige Nachrichten nach „Europe“, also den Kontinent. Bekannt ist nur das Chaos und der miserable Service, den die Bahnprivatisierung dort angerichtet hat, auch wenn so langsam wieder etwas Grund in das Eisenbahnsystem kommt, nachdem die staatliche Network Rail das marode Schienennetz übernommen hat. Unsere Regierung möchte diese Art der Bahnprivatisierung liebend gern importieren, denn Privatisierung ist immer gut und braucht keine Begründung. Auch nicht bei der staatlichen Daseinsvorsorge. Leider lernen unsere Eliten vom Ausland grundsätzlich nur das, was ihnen persönlich nützt. Die Allgemeinheit soll ruhig alle im Ausland schon einmal gemachten schlechten Erfahrungen erneut machen. Koste es, was es wolle. Der Steuerzahler ist immer der Dumme. Denn die Verantwortlichen büßen nur sehr selten für die Langzeitschäden, die sie in wenigen Jahren als Minister oder Vorstand angerichtet haben. Und sei es nur ein kaputtes Image.

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Die britischen Inseln sind in mancher Hinsicht weit weg. So ist hierzulande kaum bekannt, dass die japanische Bahnindustrie längst einen Fuß in das Land gesetzt hat, das jetzt nicht mehr Großbritannien, sondern bei vielen Journalisten auch im Deutschen „UK“ wie United Kingdom heißt. Was wohl dem traurigen Einfluss der Song Contests und Eurovisions-Spektakeln zuzuschreiben ist, in denen Deutschland verdient, zuletzt auch „UK“ unverdient  gescheitert sind.

Hitachi ist seit etwa zehn Jahren in der englischen Bahnbranche präsent. 2004 wurde bekanntgegeben, dass Hitachi der bevorzugte Anbieter für die Channel Tunnel Rail Link-Züge (CTRL) ist. Der Vertrag wurde 2005 geschlossen. Die ersten Züge der Class 395 wurden im März 2009 ausgeliefert, so dass sich der Zugbetreiber Southeastern Railways entschloss, ab Ende June einen sogenannten „preview service“ einzurichten, um Reisenden von Ashford und Ebbsfleet nach London schon ein halbes Jahr vor dem Start des regulären Hochgeschwindigkeitsverkehrs im Dezember 2009 die Möglichkeit zu geben, in den 225 km/h schnellen Zügen zu reisen.

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Die Logistikspezialisten Wallenius Wilhelmsen Logistics, DB Schenker Rail (UK) und Hitachi Transport Systems arbeiteten zusammen, um die 29 Züge nach Großbritanninen ins Depot Ashford zu bringen. Alle Class-395-Züge wurden in Hitachis japanischer Lokomotivfabrik in Kasado gebaut und von Kobe über 20.600 km verschifft. Die Pressefotos zeigen die Ankunft des letzten Zugs Mitte Juli.

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Ein weiterer Meilenstein war der Vertrag von 2006, die Class 465-Züge von Southeastern mit neuen Drehstromantriebssteuerungen auszustatten. Weiter wachsende Bedeutung für den britischen Eisenbahnmarkt gewann Hitachi durch die Bekanntgabe des britischen Verkehrsministeriums im Februar 2009, Hitachi sei bevorzugter Anbieter für das bis zu 7,5 Milliarden Pfund schwere Intercity-Express-Programm. Für die Bahnindustrie scheint „UK“ die Insel der Glückseligen zu sein.

 
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