Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Leise Lok dank Brennstoffzellen

19.08.09 (Diesellok, Hybridlok, Innovationen, Nordamerika, Technologien)

Seit 2006 beobachte ich das Vorhaben. Mit großer Verzögerung, wie bei solchen Projekten nicht ungewöhnlich, ging die erste Großlokomotive, die ihre Energie nur aus Wasserstoff-Brennstoffzellen bezieht, in den Praxistest im Transportation Test Center in Pueblo, Colorado. Das Projektbüro Vehicle Projects in Denver schickte mir zwei Fotos, die nun auch in deutschen Medien veröffentlicht wurden.

Die weltweit erste Regelspurlok mit Brennstoffzellen  (Foto: BNSF)

Die weltweit erste Regelspurlok mit Brennstoffzellen (Foto: BNSF)

Was ist das Besondere? Die Lok bezieht ihren Strom aus Wasserstoff-Brennstoffzellen von Ballard in einer Bauweise, die zuvor jahrelang in den Citaro-Bussen von Mercedes-Benz im Nahverkehr erprobt wurde. Als sogenannte Hybrid-Lok hat sie Akkus an Bord, die nicht verbrauchten Strom zwischenspeichert und den vier elektrischen Fahrmotoren bei Bedarf bis zu 1,1 Megawatt bereitstellt. Das ist jeden Tag nur wenige Male nötig, fand Vehicle Projects heraus. Die meiste Zeit benötigt die Lok weniger als 100 kW der 300 kW Dauerleistung aus den Brennstoffzellen.

Auch das US-Militär steckte Geld in das 4,4 Millionen Dollar teure Projekt. Das Verteidigungsministerium hatte die Idee, dass die Lok auch als mobiles Kraftwerk Militärbasen oder lebenswichtige Einrichtungen in Katastrophengebieten versorgen könnte, auch wenn die Leistung noch etwas mager ist.

Über die Energiebilanz lässt sich streiten, denn die 70 kg Wasserstoff, die in den Brennstoffzellen verbraucht und in Strom umgewandelt werden, müssen auch erst einmal erzeugt werden – mit Strom. Die Effizienz soll aber doppelt so hoch sein wie bei einer Diesellok. Doch entscheidend ist, was hinten rauskommt: ein wenig Wasserdampf und sonst nichts. So ist die Lok, die bei der BNSF mit der Nummer 1205 eingestellt ist, prädestiniert für den emissionsfreien Rangierbetrieb in Kalifornien. Denn gewöhnliche dieselelektrische Loks qualmen und röhren in den USA meist rund um die Uhr vor sich hin. Bei Los Angeles soll die Vorserienlok später in Dienst gehen.

Bis zu deutschen Medien drang die Nachricht nicht durch. Ich habe in den VDI-Nachrichten und in der Wirtschaftswoche darüber berichtet, ein weiterer Beitrag folgt.

Dass auch die DB ein Eco Rail Center in Brandenburg-Kirchmöser plant, das emissionsfreie Schienenfahrzeuge mit Brennstoffzellen entwickeln soll, wurde vor wenigen Tagen nicht allzu intensiv publiziert. Zufall muss sein, dass dort der Wahlkreis von Frank Walter Steinmeier ist, der auch als Schirmherr fungiert. Ob den Absichtserklärungen von Bahn und Industrie Taten folgen werden, könnte vom Ergebnis der Bundestagswahl abhängen. Insider empfehlen, das Thema vorerst ganz tief zu hängen.

Ein Kommentar

 
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