Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Multimobilität – das Auto verliert an Bedeutung, Bus und Bahn legen zu

20.08.09 (Deutschland, Personenverkehr, Straßenverkehr)

Mobilität bedeutet mehr als Autofahren. Diese leicht redigierte Pressemitteilung der Allianz pro Schiene, heute veröffentlicht, braucht keine Kommentierung. Außer vielleicht die, dass die Bürger flexibler sind, als die Politiker denken.

Deutschland verabschiedet sich vom Klischee, das Vorzeigeland der Autofahrer zu sein. Die Studie „Mobilität in Deutschland“ belegt für die Jahre 2002 bis 2008 eine bemerkenswerte Trendwende im Verkehrsverhalten der Deutschen hin zu umweltfreundlichen Verkehrsträgern: Gemessen an der Zahl der Wege stiegen die Deutschen vor allem auf das Fahrrad (+ 17 %) oder auf Bahn und Bus (+ 14 %) um. Auch als Fußgänger waren die Deutschen mehr unterwegs: Zwischen 2002 und 2008 wuchs die Zahl der zu Fuß zurückgelegten Wege um 6 %.

Der Weg zum Bahnsteig ist nicht weit (Foto: Weidelich)

Der Weg zum Bahnsteig ist nicht weit (Foto: Weidelich)

„Beim Pkw-Verkehr ist in Zukunft kein großes Wachstum mehr zu erwarten“, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, und verwies auf ein weiteres Ergebnis der 2008er Studie, wonach der Anteil der Personen, die niemals Bus oder Bahn fahren, von 45 % in 2002 auf 42 % in 2008 gesunken sei. „Die Hardcore-Autofahrer sterben langsam aus“, sagte Flege. „Die jüngere Generation ist multimobil und viel flexibler in der Wahl des Verkehrsträgers.“

Die größten Sympathiezuwächse gegenüber 2002 bekommt der öffentliche Verkehr bei Menschen bis einschließlich 44 Jahre. Lediglich die eigentliche Autoboomer-Generation bevorzugt der Studie zufolge deutlich das Auto. Erst ab einem Alter von 75 und aufwärts steige die Nachfrage nach ÖPV-Angeboten wieder. Ganz anders das Verhalten der Jüngeren: Bei den 18- bis 24-Jährigen ist die Zahl der täglichen Autonutzer seit 2002 um 12 % gesunken. Dieselbe Altersgruppe benutzt dafür zunehmend den öffentlichen Verkehr (+ 5 %). Bei keiner anderen Altersgruppe seien die Ausschläge so deutlich zu sehen gewesen, betonte Robert Follmer von Infas: „Der Fetisch Auto steht bei den Jüngeren nicht mehr im Vordergrund.“

Dem öffentlichen Verkehr insgesamt bescheinigten die Forscher ein enormes Wachstumspotenzial: 20 % der Gesamtbevölkerung stünden Bus und Bahn als Neukunden aufgeschlossen gegenüber. Für die Allianz pro Schiene beweist der Trend zu Verkehrsträgern des Umweltverbundes, dass die Mobilitätsbedürfnisse der Bürger von der bisherigen straßenfixierten Verkehrspolitik nicht befriedigt werden. „Eine breite Debatte um einen Masterplan Personenverkehr wird uns nach der Bundestagswahl helfen, den realen Investitionsbedarf für alle Verkehrsträger zu ermitteln“, sagte Flege.

 
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