Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Multimodal reisen: Auch in Österreich verliert das Autofahren an Bedeutung

26.08.09 (Österreich, Personenverkehr, Verkehrspolitik)

Vor wenigen Tagen verbreitete die Allianz pro Schiene die Ergebnisse einer Studie „Mobilität in Deutschland“, die zumindest bei jüngeren und älteren Leuten (nicht bei den Autonarren im mittleren Alter) einen Imageverlust des Autos feststellte. Man ist multimobil und nutzt das Verkehrsmittel, das sinnvoll und kostengünstig ist.

Nun stellt sich heraus, dass die Entwicklung in Österreich nicht anders verläuft. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) kam in der Studie „Multimodale Mobilität als Chance“ zu folgenden Ergebnissen: „Die ‚monokulturell’ am Auto orientierte Mobilität gibt es nicht mehr. Die Menschen wollen zunehmend anders mobil sein und nutzen Mobilitätsangebote, die sicherer, günstiger und klimafreundlicher sind“, fasst VCÖ-Experte Blum zusammen.

Auch der Kostenaspekt wird angesprochen: Multimodale Mobilität ist zudem günstiger als eine vom Pkw bestimmte Mobilität: Durchschnittlich werden pro Haushalt im Jahr 4.900 Euro für Mobilität ausgegeben, 4.680 Euro davon fließen in Kauf und Betrieb von privaten Kraftfahrzeugen. „Durch einen optimalen Mix aus öffentlichem Verkehr, Fahrrad, Gehen, der Nutzung von Taxi und Carsharing können Haushalte ihre Verkehrsausgaben deutlich reduzieren“, betont VCÖ-Experte Blum.

Nahverkehrskunden scheitern oft an unverständlich programmierten Fahrkartenautomaten und hochkomplizierten Tarifsystemen. In Österreich setzt sich der VCÖ deshalb für die Einführung einer Mobility Card ein: Diese Fahrkarte im Scheckkarten-Format gilt in allen öffentlichen Verkehrsmitteln, der Fahrpreis wird jeweils automatisch berechnet und abgebucht. Die Mobility Card kann auch für das Bezahlen von Carsharing, Parkgebühren oder für Leihräder genutzt werden. „Mit einer Mobility Card wird der Wechsel zwischen einzelnen Mobilitätsangeboten erleichtert. Die Einführung in Österreich wäre ein wichtiger Schritt in Richtung multimodale Mobilität“, so VCÖ-Experte Blum.

Die ausführliche, mit interessanten Zahlen garnierte Pressemitteilung des VCÖ steht hier.

2 Kommentare

  • 1
    Stefan Kirsch:

    Felix Austria! Die Landeshauptstadt Wien gilt unter Verkehrsexperten ja sogar als „Modellstadt für moderne Mobilität“. Das wurde bei der Nahverkehrsmesse UITP, die im Juni in Wien stattgefunden hat, auch deutlich unterstrichen, wie unter anderem ORF.at berichtet hat, siehe: http://oesterreich.orf.at/wien/stories/367846/ Allerdings haben Touristen und Migranten ohne Deutschkenntnisse häufig Probleme, sich im Tarif- und Schilder-Dschungel der Donau-Metropole zurechtzufinden, so eine Studie. Entsprechende Übersetzungen fehlen oft. Vielleicht macht eine „Mobility Card“ für Österreich den Weg nicht nur frei für eine multimodale, sondern auch für eine multilinguale Mobilität?

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Willkommen, Herr Kirsch von Siemens Mobility. Das ist ein interessanter Ansatz, der auch in vielen anderen mehrsprachigen Metropolen (und überhaupt den europäischen Ländern) eine Bedeutung hätte. Ich fand das Marketing der Wiener Linien trotzdem sehr beeindruckend, die steigenden Fahrgastzahlen und der hohe ÖPNV-Anteil überzeugen. Hier wird ÖPNV wirklich trendy gemacht und was für’s Image getan. Ich werde bald berichten, denn von Wien können andere Verkehrsbetriebe noch einiges lernen.

 
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