Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Technische Fundstücke in Kärnten

18.08.09 (Eisenbahn, Geschichte, Museen, Museumsbahnen, Nostalgie, Österreich)

Rosentaler Dampfbummelzug

Rosentaler Dampfbummelzug am Haltepunkt Carnica (Foto: Weidelich)

Die Museumseisenbahn Weizelsdorf-Ferlach in Kärnten ist nicht sehr spektulär, weil die Strecke kurz ist und man sich schnell an die Hochgebirgs-Umgebung gewöhnt. Immerhin zuckelt der Zug mit seinen Spantenwagen hinter einer Dampflok durch das Rosental, vorbei an perfekt gemähten Rasenflächen um die schmucken Einfamilienhäuser. Wer die zweiachsige ehemalige Werkslok 88.103 vor dem Zug hat, wird sich an der kuriosen Bauart kaum sattsehen können. „Wiener Lokomotivfabrik AG, Wien-Floridsdorf, No. 9102, 1941“ zeigen die Lettern des Fabrikschilds. Für einen kleinen Obulus darf man in Ferlach ein paar hundert Meter auf dem Führerstand mitfahren. Auch die alten Formsignale an der Strecke geben etwas her für Nostalgiker.

Spantenwagen-Lager W. Peyinghaus Volmarstein 1924

Spantenwagen-Lager W. Peyinghaus Volmarstein 1924

Doch am erstaunlichsten ist für deutsche Touristen, dass die Rollenlager der Spantenwagen aus längst verschwundenen deutschen Eisenbahnwerken stammen: W. Peyinghaus Volmarstein 1924 und Friedrich-Wilhelms-Hütte Mülheim/Ruhr 1941. Auch die Diesellok, die in Weizelsdorf den Zug ans Bahnsteiggleis zieht, um der Dampflok das Umsetzen zu ersparen, ist made in Germany. Gmeinder & Co., Mosbach, Baden, hat sie 1969 gebaut. Sie ist explosionsgeschützt und rangierte früher in der Raffinerie Schwechat am Wiener Flughafen. In Weizelsdorf wartet auch eine prächtig gepflegte 93er der ÖBB auf ihren Wochenend-Einsatz. Sie trägt einen ovalen Schornstein des leistungssteigernden Giesl-Ejektors, der in Österreich und bei der Deutschen Reichsbahn der DDR eine gewisse Verbreitung fand.

Elektroauto der Österr. Post- u. Tel.-Verwaltung  (Foto: Weidelich)

Elektroauto der Österr. Post- u. Tel.-Verwaltung (Foto: Weidelich)

Nicht versäumen sollte man eine Tour im rot-weißen Saurer-Bus vom Bahnhof Ferlach zum Technikmuseum Historama. Während die zügige Fahrt mit Zwischengas und ohrenbetäubendem Lärm dokumentiert, dass Busse in den letzten 50 Jahren deutlich an Qualität gewonnen haben, zeigt das Museum Straßenbahnen, Kutschen, ein Post-Elektroauto aus den Fünfzigern, eine Wolf-Dampfmaschine von 1923 aus Magdeburg-Buckau, ein paar Eisenbahnutensilien, einen frühen Flugversuch und eine große Sammlung von Autos und Lkw aus österreichischer und deutscher Produktion. Busfahrt und Eintritt in das Museum sind im Fahrpreis des Rosentaler Dampfbummelzugs enthalten. Eine glückliche Kombination.

4 Kommentare

  • 1
    Ronald Chodász:

    An alle Freunde des öffentlichen Verkehrs und technikgeschichtlich Interessierte!

    Ich hatte mit Herrn Weidelich auf unserem Messestand der österreichischen Bahnindustrie am UITP-Weltkongress in Wien ein interessantes Gespräch.
    Da ich diesmal in Kärnten Familienurlaub machte und auch das dortige und in diesem Blog beschriebene Technikmuseum samt Nostalgiebahnen besucht habe, kann ich einen Besuch dort allgemein empfehlen.

    Wir sollten aber nicht nur zurückblicken, der Schienenverkehr hat sein volles Potenzial noch nicht ganz entfaltet.
    Arbeiten wir alle gemeinsam daran, dass dem Schienenverkehr die ihm zukommende Rolle ermöglicht wird.

    Stichwort „Elektromobilität“: Das ist seit 100 Jahren Kernkompetenz des Schienenverkehrs!

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Das ist ja eine schöne Rückkopplung! Ich starte mit einem Thema aus Österreich an und der Geschäftsführer der österreichischen Bahnindustrie kommentiert. Vielen Dank, Herr Chodász. Der Blick zurück wird in diesem Blog die Ausnahme sein. Aber wie Sie sehr richtig bemerken: Elektromobilität kennt der Schienenverkehr schon seit einem Jahrhundert. Das Entwicklungspotenzial auf der Schiene ist immer noch sehr groß. Das möchte ich in diesem Blog gern demonstrieren.

  • 3
    Patrick Guillemet:

    Allem Anschein nach, das Elektro-Auto der Österreichischen Post ist ein ÖAF (Österreichische Automobil Fabrik). Ich habe nichts darüber gefunden in Internet. Haben Sie einige Informationen über diesen Wagen (Z.B. Baujahr, Modell usw.) ?

    Danke,

    Patrick

  • 4
    Friedhelm Weidelich:

    Ich habe leider auch nicht viel gefunden. Aber vielleicht hilft dieser Kontakt zu Frau Metz, der Pressesprecherin des Vereins Elektrotrieb-Plattform, weiter. Sie besitzt mit ihrem Mann ein ÖAF-Postpaketauto E2 und gibt bestimmt gern Auskunft.

 
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