Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Werbung und Kundenbindung, live

20.08.09 (Bahnhöfe, Dampflok, Deutschland, Museumsbahnen, Nostalgie, Schweiz, Strecken)

Die HSB-Brockenkamera liefert ein neues Bild, sobald sich ein Zug bewegt  (Copyright: HSB)

Die HSB-Brockenkamera liefert ein neues Bild, sobald sich ein Zug bewegt (Copyright: HSB)

An Tagen, in denen die Arbeit nicht so leicht von der Hand geht oder mich das Fernweh quält, werfe ich schon mal einen Blick auf den Brocken. Die Harzer Schmalspurbahnen haben dort bereits die zweite Generation einer Webcam installiert, die so gut ist, dass man die Loknummern lesen kann – wenn nicht der Schnee das Objektiv zugeweht hat. Ich war schon 1992 bei der (Wieder-)Eröffnungsfahrt dabei, der 1142 m hohe Berg in Sachsen-Anhalt mit seinem launischen Wetter ist mir ans Herz gewachsen. Und weil ich nur selten dort sein kann, tröstet die Webcam und sendet Bilder mit den beiden, über 100 Jahre alten Mallets vor dem Nostalgiezug oder von den nicht weniger beeindruckenden Regelzügen. Wenn man das Foto anklickt, lassen sich auch ältere Momentaufnahmen betrachten.

Ein Genuss sind auch die Bilder aus Drei Annen Hohne, wenn drei dampfende Züge an den Bahnsteigen stehen, umringt von Eisenbahnfreaks und Urlaubern.

Es gibt noch viele andere Webcams rund um die Eisenbahn, etwa die auf dem Bahnhof Zürich, mit der man unverschämt nah an Straßenbahnen und Passanten heranzoomen konnte und die jetzt woanders steht. Sie zeigt keine Standbilder, sondern einen nahezu flüssigen Live-stream. Etwas gemächlicher geht es, der Schmalspurbahn angemessen, beim Rasenden Roland in Binz auf Rügen zu. Die Bahnhofs-Webcam zeigt Bilder im 2-Sekunden-Takt. Romantisch, aber viel zu klein, präsentiert sich die Fichtelbergbahn im Erzgebirge. Vorbildlich, von der nicht mehr ganz zeitgemäßen Bildschärfe abgesehen, gibt sich die Rhätische Bahn (RhB) mit ihrer Webcam in Filisur. Als besonderen Service zeigt die RhB sogar einen grafischen Fahrplan. Auch die Kreiskehre von Brusio lässt sich beobachten. Die Bahn weiß eben, dass sie Fans in aller Welt hat, die hier ihre Sehnsüchte stillen – und wiederkommen.

Es ist schade: Viel zu wenige Eisenbahnen, ob nostalgisch oder modern, nutzen Webcams als Marketinginstrument. Warum wollen sie nicht zeigen, was sie haben und was gerade vorgeht? Denn jeder Anknüpfungspunkt, und dazu gehören eine aktuell gehaltene Website und auch die Webcam, stärkt den Kontakt zu Kunden und Fans und verstärkt die Kundenbindung.

Wer die dampfende Lok oder den schicken Hochgeschwindigkeitszug sieht und den Betrieb im Bahnhofsvorfeld verfolgen kann, dem beweist die Internet-Kamera: Ja, die fahren wirklich und sind einen Besuch oder eine Reise wert. Simpler und billiger kann man Werbung nicht machen – und das mit weltweiter Reichweite.

 
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