Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Züge fotografieren? Nur mit schriftlicher Genehmigung!

20.08.09 (Nordamerika, Personenverkehr)

Es gab eine Zeit, als das Fotografieren von Eisenbahnen verboten war, da man ihnen militärische Bedeutung zumaß. Europäische Bilder aus der Zeit um 1870 bis 1920 sind wohl auch deshalb selten, ganz im Gegensatz zu Fotos der amerikanischen Bahnen, die reisende Fotografen von der fortschrittlichen Verkehrstechnologie machten. Heute kann man Bahnanlagen bei Google und Bing (der neuen Microsoft-Suchmaschine) betrachten, Fotoverbote haben in zivilisierten Ländern keine Bedeutung mehr. Nicht einmal bei der Deutschen Bahn, die zumindest in der Theorie jede „kommerzielle Verwertung“, also auch die 20 Euro für das Amateurfoto in der Fanpostille, verfolgt und von ihrem Hausrecht Gebrauch machen darf, wenn jemand im Bahnhof und auf Bahnsteigen fotografiert. Das ist eigentlich genehmigungspflichtig, wie bei Museen oder anderen öffentlichen Gebäuden auch und erst recht auf Privatgelände. Nur von außen dürfen Sie fotografieren, es gilt die Panoramafreiheit. Doch schon eine Aufnahme vom Hochhaus nebenan oder eine am Stativ über die Mauer gehaltene Kamera verletzt geltendes Recht, so wie es der Datenkrake Google mit hoch installierten Streetview-Kameras täglich praktiziert.

Eisenbahn-Fotografen haben es in Übersee seit den Anschlägen in New York schwer. Die Fotogenehmigung für die Metro dort mag mit viel gutem Willen akzeptabel erscheinen, doch das de-facto-Fotoverbot von Amtrak ist grotesk. Die amerikanische Personenverkehrsgesellschaft verbietet Fotos von ihren Zügen sogar vom Bahnsteig aus, sofern man keine Fahrkarte hat. Nur mit schriftlicher Genehmigung darf man andere Fotos der Amtrak-Züge machen.

Als Spielball der Politik hat es diese Bahn schon lange schwer. Doch fotografierende und filmende Eisenbahnfreunde zu vergraulen, gehört zu den größeren Ungeschicklichkeiten, die man in der Kommunikation machen kann. Mit Schutz vor Terror hat das Verbot nichts zu tun, denn die Fans bringen im Gegenteil zusätzliche Sicherheit, weil sie Unregelmäßigkeiten an der Strecke „ihrer“ Bahn erkennen und melden. Die BNSF nutzt diesen Effekt und fordert Bürger auf, ihre Eisenbahnstrecken im Blick zu haben: Citizens for Rail Security.

Amtrak stößt Menschen vor den Kopf, die ihre Züge lieben und jederzeit für sie werben. Amerikanische Eisenbahnfreunde wehren sich deshalb gegen diese Einschränkung ihrer verfassungsmäßig garantierten Rechte. Wer erwischt wird, rät die Zeitschrift „Trains“, muss nur seinen Namen angeben und keine Papiere vorzeigen.

 
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