Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

China, Russland, Japan, Großbritannien und Frankreich investieren 180 Mrd. Euro in Eisenbahnen

01.09.09 (Asien, Deutschland, Europa, Großbritannien, Japan, Nordamerika, Verkehrspolitik)

In der neuen Studie „Weltweite Finanz- und Investitionsbudgets der Eisenbahnen 2009“ analysiert SCI Verkehr die Budgets der öffentlichen Hand für den Schienenverkehr und die verfügbaren Finanzvolumina der Bahnbetreiber, um quantifizierbare Aussagen zu den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die Bahnwirtschaft zu erhalten. Fazit: Die Bahnbetreiber, insbesondere die Güterbahnen, leiden unter erheblichen Umsatzeinbrüchen und können daher weit weniger als in der Vergangenheit aus eigenen Budgets investieren.

Demgegenüber unterstützen staatliche Konjunkturprogramme die Investitionen in die Infrastruktur und in den schienengebundenen Personenverkehr im historisch einmaligen Umfang. Ein zentraler Treiber für Investments ins Bahngeschäft sind real verfügbare Budgets der öffentlichen Haushalte für Schienenverkehre und die Budgets der Bahnen selbst. Die weltweiten Finanzbudgets der öffentlichen Hand für die Eisenbahnen haben sich zwischen 2004 und 2008 mehr als verdoppelt. Bis 2008 sind sie auf insgesamt 126 Mrd. Euro gestiegen. Die Einnahmen der Verkehrsunternehmen aus Betriebsleistungen sind im selben Zeitraum über 40 % gestiegen, so dass  2008 der Eisenbahn weltweit rund 400 Mrd. Euro für Betrieb und Investitionen zur Verfügung standen. Die Ressourcen sind klar konzentriert. Die USA mit einem verfügbaren Finanzbudget von insgesamt 48 Mrd. Euro in 2008 sowie China, Russland, Japan und Frankreich teilen sich rund 46% der weltweiten Finanzmittel untereinander auf.

Dies macht die Teilung der weltweiten Eisenbahnlandschaft und deren Finanzierungsbasis deutlich. Eine starke Abhängigkeit von öffentlicher Finanzierung haben heute Eisenbahnen in China, Frankreich oder überraschender Weise Großbritannien. Die Finanzkraft der Bahn in anderen Ländern ist dagegen eher von der konjunkturellen Lage als von politischen Entscheidungen getrieben. Dazu gehören insbesondere USA und Japan.

Investiert werden die verfügbaren Mittel zu mehr als zwei Drittel in die Infrastruktur. Für Infrastruktur und Fahrzeuge zusammen gaben die Bahnen 2008 weltweit insgesamt 115 Mrd. Euro aus – eine Steigerung von 150 % seit 2004. Auch hier ist das Investitionsverhalten regional verschieden: Über 60 % der insgesamt verfügbaren Mittel aus Betrieb und öffentlicher Hand werden in China in Investitionen in Infrastruktur und Flotte gesteckt. In den USA dagegen belief sich dieser Anteil 2008 nur auf rund 14 %.

Die Bedeutung der öffentlichen Konjunkturprogramme für die Eisenbahnen ist derzeit besonders hoch: In den kommenden fünf Jahren sollen weltweit über 180 Mrd. Euro zusätzlich in die Schiene investiert werden. Allein 130 Mrd. Euro davon will China bis 2010 in die Hand nehmen. Aber auch Großbritannien und USA legen in ihren Konjunkturpaketen besonderen Wert auf den Ausbau ihres Bahnsystems. Ziel der Programme ist es vor allem, derzeitige Einbrüche in den Transporteinnahmen auszugleichen sowie den nationalen Bahnmarkt über Krisenzeiten hinaus nachhaltig zu stärken und wettbewerbsfähig zu machen.

In Deutschland arbeiten DB und Politik dagegen prozyklisch und nicht vorausschauend: Aufträge der Deutschen Bahn über neue Diesellokomotiven und IC- und ICE-Triebzüge wurden laut dem Handelsblatt zurückgestellt, obwohl sie dringend das überalterte Lok- und Rollmaterial ersetzen müssten.

 
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