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Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Die Bahnhöfe des Jahres stehen in Erfurt und Uelzen, die übelsten in NRW

02.09.09 (Bahnhöfe, Deutschland)

Eine wunderbar geschriebene Pressemitteilung erreichte mich:

Die Jury hat entschieden, die Sieger stehen fest: Erfurt und Uelzen bekommen den Titel „Bahnhof des Jahres 2009“. Zum sechsten Mal in Folge prämiert die Allianz pro Schiene in diesem Wettbewerb die kundenfreundlichsten Bahnhöfe in Deutschland. In der Kategorie „Großstadtbahnhof“ fiel die Wahl auf den gerade rundum erneuerten Erfurter Hauptbahnhof, der – so die Jury – von den Erfurtern sofort als lebendiger Treffpunkt im Herzen der Stadt angenommen worden sei.

Der Bahnhof Erfurt vereinigt historische und moderne Architektur-Elemente  (Foto: Gerd Kittel für Allianz pro Schiene)

Der Bahnhof Erfurt vereinigt historische und moderne Architektur-Elemente (Foto: Gerd Kittel für Allianz pro Schiene)

In der Kategorie „Kleinstadtbahnhof“ siegte der Uelzener Hundertwasserbahnhof, der seit seiner Erneuerung „Kultstatus“ genießt und sich zu einem Magneten für Touristen entwickelt hat. „Wenn ein Bahnhof nicht mehr ein Ort ist, von dem man möglichst schnell weg will, dann ist das ein starkes Indiz für Preiswürdigkeit“, sagte Allianz-pro-Schiene Geschäftsführer Dirk Flege. „Ein schickes Gebäude allein reicht nicht aus: Die Menschen entscheiden jeden Tag mit den Füßen, wo sie sich gerne aufhalten.“

Foto: Gerd Kittel für Allianz pro Schiene

Foto: Gerd Kittel für Allianz pro Schiene

Freundlicher als früher: Bahnsteige in Erfurt  (Foto: Kittel)

Freundlicher als früher: Bahnsteige in Erfurt (Foto: Kittel)

In Erfurt überzeugte vor allem der große Wurf: Nach jahrelanger Modernisierung, die den Erfurtern von 2002 bis 2008 einiges abverlangt hat, zeigt der uralt-neue Bahnhof jetzt ein historisch modernes Doppelgesicht: Eine wilhelminische Fassade, überwölbt von einer meisterlichen Glaskonstruktion, durch die helles Tageslicht in den Bahnhof einflutet, begeisterte die 5-köpfige Jury aus Vertretern von Pro Bahn, dem Deutschen Bahnkunden-Verband (DBV), dem Verkehrsclub Deutschland (VCD), dem Autoclub Europa (ACE) und der Allianz pro Schiene. „Es hängt vom Wohlfühlfaktor ab, ob ein Bahnhof lebt“, sagte Karl-Peter Naumann von Pro Bahn und lobte vor allem, dass im Erfurter Hauptbahnhof nicht nur die üblichen Ladenketten, sondern auch thüringische Kulinarik von herausragender Qualität angeboten wird. Den Verkehrsexperten gefiel vor allem die Straßenbahnhaltestelle unter den Fernverkehrsgleisen, die Stadt- und Fernverkehr wunderbar vernetzt. „Ein neues überdachtes Fahrradparkhaus beweist, dass man in Erfurt die Zeichen der Zeit erkannt hat und keinen Verkehrsträger im Regen stehen lässt“, sagte Monika Ganseforth vom VCD. Der Umbau des Bahnhofs hat insgesamt rund 94 Millionen Euro gekostet.

Der Bahnhof Uelzen von innen (Foto: Kittel)

Der Bahnhof Uelzen von innen (Foto: Kittel)

Dass die niedersächsische Heidestadt Uelzen heute voller Selbstgewissheit verkündet, sie hätte den „schönsten Bahnhof der Welt“, hat die Jury erst einmal kalt gelassen. Doch bei einem der incognito durchgeführten Bahnhofstests sprang der Funke über. „Kunst und Kundenfreundlichkeit geht in Uelzen Hand in Hand“, lobte die Jury und ließ sich von der steingewordenen Lebensfreude des Wiener Architekten Friedensreich Hundertwasser anstecken. Schon drei Millionen Besucher hat der Hundertwasser-Bahnhof nach Uelzen gelockt und sogar beim berüchtigten Checklistenpunkt „Bahnhofstoilette“ konnte er die Jury für sich einnehmen: Die mosaikverzierten Kunstklos mit herrlich runden Waschbecken waren ebenso schön wie sauber. „Ein echter Bahnhof des Jahres“, schwärmten die Bahnhofstester. Die Umgestaltung des Uelzener Bahnhofs im Zuge eines Expo-Projektes hat zwischen 2000 und 2004 insgesamt 10,1 Millionen Euro gekostet.

Einen Sonderpreis für das ansprechende Gesamtbild all ihrer Stationen und Bahnhöfe bekommt die Usedomer Bäderbahn der DB für die 11 Bahnhöfe und 17 Haltepunkte ihres Streckennetzes. In Usedom überzeugten die einheitliche Ästhetik und der hohe Standard, den alle Bahnhöfe und Haltepunkte der UBB inzwischen erreicht haben. Jury-Mitglied Karl-Peter Naumann lobte vor allem die Barrierefreiheit, mit der die UBB auf ihre Kunden zugeht: „Keine teuren technischen Mätzchen, dafür Rampen und schienengleiche Überwege für Rollstuhlfahrer und Fahrradfahrer.“ Auch dass der Kunde nicht mit dem Automaten abgefertigt werde, sondern seine Fahrkarten am Schalter und im Zug kaufen könne, stieß auf die Gegenliebe der Jury. Bei den erneuerten Bahnhöfen in Zinnowitz, Heringsdorf oder Ahlbeck sei auch die Schönheit nicht zu kurz gekommen. „Da grüßt die Ostsee schon am Bahnhof.“ Während die UBB ihre Bahnhofsgebäude weitgehend ohne öffentliche Mittel finanziert hat, flossen in die Gestaltung der Vorplätze rund 7 Millionen Euro an Landesmitteln.

Mit dem Wettbewerb „Bahnhof des Jahres“ prämiert die Allianz pro Schiene seit 2004 jährlich den besten deutschen Großstadt- und Kleinstadtbahnhof. Ausgezeichnet wird nur, wer nach einer festen Kriterienliste am besten auf die Bedürfnisse der Bürger eingeht: Objektive Erfordernisse wie Kundeninformation, Sauberkeit, Integration in die Stadt und Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln sind dabei ebenso entscheidend wie ein eher subjektiver Wohlfühlfaktor. Die Siegerbahnhöfe waren 2008: Karlsruhe und Schwerin, 2007: Berlin Hauptbahnhof und Landsberg am Lech, 2006: Hamburg-Dammtor und Oberstdorf, 2005: Mannheim und Weimar und 2004: Hannover und Lübben.

Nachtrag 3.9.2009: Die Rheinische Post hat die Preisvergabe zum Anlass genommen, einmal nordrhein-westfälische Bahnhöfe zu begutachten. Vom Düsseldorfer Hauptbahnhof abgesehen sind diese weitgehend von Personal befreiten Großstadtbahnhöfe und Haltepunkte auch aus meiner Sicht zum großen Teil eine Zumutung für Fahrgäste, von Duisburg bis Dortmund, Wuppertal, Solingen, Mönchengladbach. Die Kommentare der Leser sprechen Bände.

 
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