Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Marketing mit attraktiven PR-Fotos – eine Marktlücke

30.09.09 (Marketing)

Selten lässt sich ein Logo so wirksam platzieren wie auf der Railjet-Lok  (Foto: Weidelich)

Selten lässt sich ein Logo so prominent platzieren wie auf der Pufferbohle der Railjet-Lok (Foto: Weidelich)

Bei der Bahnindustrie fehlen leider häufig gute Fotos zur Illustration von Magazin- und Onlinebeiträgen, wie ich aus der Zusammenarbeit mit der Wirtschaftswoche weiß. Dynamisch sind oft nur die CAD-Illustrationen noch nicht gebauter Fahrzeuge. Doch wenn die Züge ausgeliefert sind, fehlen oft aktuelle Fotos oder wirken wie Amateurbilder, die mal eben auf dem Werksgelände bei zufällig grauem Wetter abgelichtet wurden. Langweilig!

Dynamische, werbliche Eisenbahnfotos, etwa mit nachgestellten Szenen mit Fahrgästen, gut ausgeleuchtet und aus der Froschperspektive oder mit extremem Weitwinkel aufgenommen, gibt es selten. Doch genau solche Fotos finden schnell den Weg in Magazine und die Online-Auftritte der Medien, und das nicht nur ein paar Tage lang. Denn die Medien sparen und nehmen am liebsten das, was nichts kostet. Eine Riesenchance für die Industrie, die sie noch zu wenig nutzt (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Ich weiß, Fotos kosten Geld und es fehlt oft die Zeit, weil der Liefertermin drückt. Eine echte Entschuldigung ist das bei Aufträgen, die dreistellige Millionenbeträge Umsatz gebracht haben, nicht. Denn es sollte auch bei der Auslieferung auf das positive Image und die Wiedererkennbarkeit des Herstellers und seines Kunden geachtet werden. Der Kunde muss allerdings zustimmen, er handelte kurzsichtig, wenn er es nicht täte. Doch wenn es sich nicht gerade um die Einführung einer neuen Zugtype handelt, wird die PR-Fotografie leicht dem Tagesgeschäft geopfert.

Kaum jemand außer Eisenbahnfreaks und ein paar Insidern wissen, wer welche Züge hergestellt hat, wenn nicht gerade ein großer Schriftzug auf der Pufferbohle prangt. Aus meiner Sicht tun die Bahnindustrie und viele Eisenbahnbetreiber zu wenig und sparen bei der Fotografie am falschen Ende.

Züge sind Hightech, so muss man sie den Medien verkaufen und damit sein Markenimage stärken. Ein eben mal auf dem Rangierbahnhof oder im Depot bei Regenwetter aufgenommenes Foto vermittelt nicht gerade Hightech, Schönheit und Faszination.

News aktuell, eine dpa-Tochter, verbreitete zur Eröffnung der Dubai Metro ein (für Fotoredaktionen offenbar leicht) futuristisch anmutendes Pressebild des Department of Tourism and Commerce der Regierung von Dubai an die Redaktionen in Deutschland. Das PR-Bild wurde in zahlreichen Medien veröffentlicht und hat damit unmittelbar zur Imagebildung des Standortes Dubai beigetragen, wie der Produktmanager des Originalbildservice von News aktuell feststellt. Auch wenn es hier primär um Standortmarketing ging: Für Dubai hat es sich gelohnt.

2 Kommentare

  • 1
    konrad_de:

    Mann, du gehst aber ran! Natürlich hast du recht: Visuelle Kommunikation steckt immer noch in den Kinderschuhen, trotz Youtube & Co. Oder sogar wegen dieser so genannten social media. Die geht viel zu sehr in Richtung Monetarisierung der Masse statt der ursprünglichen „wisdom of the crowd“.

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Es gibt schon ein paar Videos der Bahnindustrie, auch auf Youtube. Doch bei den Fotos hapert es. Wenn ich nach USA schaue, ist es sogar ziemlich erschreckend, wie dort hochinnovative neue Loks „verkauft“ werden: Fotos gibt es oft erst auf Nachfrage und nicht in den Medienarchiven der Bahnen und Hersteller. Abgeschnittene Fronten und schlichte Amateurfotos sind eher die Regel als die Ausnahme. Dabei könnte die visuelle Kommunikation über das immer junge Medium Fotografie so viel bewirken. Denn die Redaktionen gieren nach guten Fotos zum Nulltarif.

 
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