Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Müssen Lokomotiven hässlich sein? Englische ganz bestimmt.

17.09.09 (Diesellok, Großbritannien, Güterverkehr, Innovationen, Nordamerika)

Powerhaul-Lok von GE für Freightliner (Foto: Freightliner)

Powerhaul-Lok von GE für Freightliner (Foto: Freightliner)

Es muss in Großbritannien nach dem 2. Weltkrieg ein ungeschriebenes Gesetz gegeben haben, dass Lokomotiven hässlich sein müssen. Waren die Dampfloks der vielen englischen Privatbahnen noch elegant und glatt, begann mit den Dieselloks von British Rail das Anti-Design.

Während die Deutsche Bundesbahn die V 200 mit dem noch heute klassisch wirkenden Äußeren von Krauss-Maffei einführte, leistete sich British Rail (BR) die ähnlich aufgebaute Class 43 (Warship Class) im Trauerkloß-Design. Und sie ist nicht einmal die scheußlichste BR-Diesellok. Zu den hässlichsten Lokomotivkonstruktionen der letzten 60 Jahre gehört sicher die Class 37, und auch die Class 55 war nicht eben eine Schönheit. Offenbar haben sich die Konstrukteure am Äußeren von Raupen, traurigen Käfern und fiesen Fabeltieren orientiert. Das kleinere Lichtraumprofil unterstrich die Plumpheit zusätzlich.

Auch in den USA ging seit Mitte der 50er-Jahre nicht mehr viel, nachdem die klassischen Schnauzenloks der F- und PA-Serien von Alco und EMD ausgeliefert waren. Nur die Genesis von GE, bei der auch Krupp die Hand im Spiel hatte, weist in aller Kantigkeit ein eigenständiges futuristisches Design auf, das an Raumschiffe erinnert.

Amerikanische Diesellokomotiven sind im Grunde nach Gesichtspunkten wie Wartung und Funktionalität konstruierte Fahrmaschinen für Güterzüge, bei denen sich niemand Gedanken über windschnittige Formen oder gar den Imagewert einer coolen Lok zu machen scheint. Auch die Class 66 von EMD, die viele Privatbahnen in Europa nutzen, ist keine Schönheit.

Die englische Freightliner hat sich mit GE zusammengetan und wird ab November 2009 diese in den USA gebauten Powerhaul-Dieselloks mit Güterzügen durch das Land schicken. Die Pressemitteilung ist sehenswert, ebenso das Factsheet. Fast sieht es so aus, als ob Nick Park („Wallace & Gromit“) ein Knetgummimodell als Vorlage liefern durfte.

Die Loks sind an Hässlichkeit nicht zu überbieten.

Ein Kommentar

  • 1
    Thomas:

    Das sieht nicht nach „Wallace&Gromit“ aus. Das ist eine Lok, die dem Lego-Baukasten nachempfunden ist.
    Andererseits, irgendwie ist das auch wieder innovativ: Früher hat Lego die Spielzeug-Loks den Originalen nachempfunden.
    Jetzt ist’s umgekehrt. (o:
    Gruß
    Thomas

 
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