Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Portland: Neue Strecke, neue Siemens-Züge und kulturelle Unterschiede

16.09.09 (Nordamerika, Personenverkehr)

Der neue Siemens-Zug im Test auf der Transit Mall von Portland

Der neue Siemens-Zug im Test auf der Transit Mall von Portland (Foto: courtesy of TriMet, Portland, OR)

Ein „glatteres“ (sleeker) Design, mehr Sitze, weniger Energieverbrauch, verbesserte Sicherheit und eine ruhigere Fahrt – so stellt TriMet, der Nahverkehrsbetreiber im Raum Portland, Oregon, die 22 neuen Straßenbahnwagen vor. Die von Siemens in Sacramento gebauten Modelle S70 sind in vielen Städten unterwegs und beflügeln auch in Portland den amerikanischen Straßen- und Stadtbahn-Boom.

Verzierte Säulen an der MAX Yellow Line. Mosaik erinnert an afrikanische Stoffmuster (Foto: TriMet)

Verzierte Säulen an der MAX Yellow Line. Das Mosaik erinnert an afrikanische Stoffmuster (Foto: TriMet)

Verkehr an Portlands Transit Mall

Friedliches Nebeneinander an Portlands Transit Mall (Foto: TriMet)

Interessant sind die kulturellen Unterschiede: Die neue 13,4 km lange grüne MAX-Linie verkehrt werktags nur von 6 Uhr bis 19 Uhr, an Wochenenden von 10.30 Uhr bis 18 Uhr. Lange Abende und intensives Nachtleben in der City sind in amerikanischen Großstädten, wo man ab 22 Uhr aus den Restaurants hinauskomplimentiert wird, weitgehend unbekannt. So scheinen sich Fahrpläne bis Mitternacht nicht zu lohnen, weil sich nach Arbeit und Einkauf die meisten Amerikaner in ihre Vorstadthäuschen zurückziehen. Den Restverkehr erledigen Taxis.

Die vielfach neu gebauten Straßenbahnstrecken, wie auch die Green Line der TriMet, werden aufwendig beworben und sind bestens ausgestattet: kostenlose Park&Ride-Parkplätze, Fahrradboxen, Echtzeitanzeigen der Züge und sogar ein Transit Tracker, mit dem man den nächsten Zug oder Bus per Telefonansage, Smartphone oder Internet abfragen kann. Kunstwerke an wichtigen Stationen und Bahnsteigüberdachungen im Retro-Look huldigen Zeitgeist und Geschichte und machen das Bahnfahren zum „Lifestyle“ – ein Aspekt, den ich bei den praktischen, aber häufig fantasielosen deutschen Nahverkehrsbetrieben oft vermisse. Da fehlt einfach die Liebe zum Fahrgast und der Wille (und vielleicht auch das Geld), dem Kunden ein gutes Gefühl und einen Hauch Unterhaltung zu vermitteln. Ein PDF zur Geschichte der Landschaft und Siedlungen neben der neuen Bahnstrecke vermittelt dem Fahrgast den Eindruck, auf einer ganz besonderen Linie unterwegs zu sein. Ein Video stellt die neue Strecke, Züge, Bahnhöfe und Parkmöglichkeiten vor.

Man kann von den amerikanischen Nahverkehrsunternehmen, die aktiv für ein positives Image des ÖPNV werben, noch eine Menge lernen. Denn sie wissen sehr genau, dass sie im Wettbewerb mit dem Individualverkehr stehen.

 
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