Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Railteam, das unbekannte Wesen

07.09.09 (Deutschland, Europa, Personenverkehr)

Hochgeschwindigkeitszüge konkurrieren mit dem Flugzeug, das stimmt teilweise. Ich frage mich allerdings immer wieder, ob manche Bahnmanager nicht doch lieber den Flugverkehr managen wollten und sich mit dem Schienenverkehr und seinen spezifischen Vorteilen nicht so recht anfreunden konnten. Bei der DB hatte man lange Jahre den Eindruck, dass der bodenständige Schienenverkehr ein luftigeres Image haben sollte. Nun haben wir wenigstens das gleiche undurchsichtige Preissystem wie bei der Lufthansa. Man kann das Fortschritt nennen, muss aber nicht.

logo_railteamNur durch die Beschäftigung mit Fyra stieß ich zufällig auf die Schienenverkehrsallianz Railteam, die sich die europäischen Eisenbahnbetreiber wohl bei der Star Alliance von Lufthansa & Co. abgeguckt haben. Auszug aus der Website: Railteam steht als Zusammenschluss von Europas führenden Hochgeschwindigkeitsbahnen für noch einfacheres und angenehmeres Reisen auf dem gemeinsamen Bahnnetz. Gründungsmitglieder sind – DB (Deutschland), SNCF (Frankreich), Eurostar (Großbritannien), NS Hispeed (Niederlande), ÖBB (Österreich), SBB (Schweiz) und SNCB (Belgien) sowie die assoziierten Töchter Thalys, Lyria und eine weitere DB/SNCF Vertriebspartnerschaft.

Aha. Leider hat das Railteam vergessen, seit der Gründung 2007 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und etwas für’s Image zu tun. Was mich nicht überrascht, denn effektive Pressearbeit ist eher selten bei den Bahnbetreibern. Die erste und einzige Pressemitteilung aus zweieinviertel Jahren will ich Ihnen nicht vorenthalten.

Brüssel, 2. Juli 2007 – Europas führende Bahnen Deutsche Bahn, SNCF, SNCB, NS Hispeed, ÖBB, SBB, Eurostar UK sowie ihre Tochtergesellschaften Thalys und Lyria haben heute die Gründungsurkunde von Railteam unterzeichnet. Der Verbund hat das Ziel, die Bahnangebote besser zu vernetzen und Reisen in Hochgeschwindigkeitszügen für die Kunden noch einfacher und komfortabler zu machen. Die ersten Railteam-Serviceleistungen sind für die Fahrgäste ab sofort spürbar.

Bereits heute verbindet ein Hochgeschwindigkeitsnetz von über 5.000 km alle wichtigen europäischen Destinationen (wow, was für eine coole Luftverkehrssprache!). Für die kommenden Jahre sind neue große europäische Infrastrukturinvestitionen geplant. So wird das Netz bis 2010 auf 6.000 km erweitert und bis 2020 verdreifacht. Reisen in europäischen Hochgeschwindigkeitszügen ist somit eine echte Alternative zum Flugzeug und dem Auto.

Die Hochgeschwindigkeitszüge ICE, TGV, Eurostar, Thalys und TGV Lyria sind bereits heute für ihren hohen Komfort- und Servicestandard und Zuverlässigkeit bekannt. Ab 2008 wird auch der österreichische Hochgeschwindigkeitszug railjet auf dem europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz unterwegs sein. Mit Railteam werden diese Kräfte gebündelt und das Reisen für Geschäfts- und Privatkunden innerhalb Europas weiter vereinfacht – von der Buchung bis zur Ankunft am Zielort.

So wird den Reisenden in Zukunft das Umsteigen durch mehrsprachige Informationen an Bord der Züge und in den Bahnhöfen erleichtert. Darüber hinaus werden im ersten Schritt an den fünf Drehkreuzen Brüssel, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Lille Railteam-Infopoints eingerichtet. Weitere folgen in den kommenden Monaten an großen Bahnhöfen, wie z.B. London, Straßburg, Amsterdam und Paris. Auch die Fahrpläne werden in Zukunft besser aufeinander abgestimmt. Verpasst ein Fahrgast seinen Anschluss aufgrund einer Verspätung, kann er, unabhängig von der gelösten Fahrkarte, den nächsten verfügbaren Zug nutzen.

Um den Kunden den Erwerb von internationalen Fahrscheinen zu erleichtern, investieren die beteiligten Bahnen 30 Millionen Euro in eine gemeinsame Vertriebsplattform. Ab 2009 ist es internationalen Reisenden möglich, europaweit attraktive Preisangebote zu buchen, sowie Reservierung und Zahlung über jede Partnerbahn in einer einzigen Transaktion vorzunehmen.

Vielfahrer genießen zusätzliche Vorteile. Sie können künftig europaweit über 30 Lounges nutzen. Die Ausweitung der Bonusprogramme auf das gesamte Railteam-Netz ist in Planung. Wenn sich das Reisen mit dem Hochgeschwindigkeitszug einfacher und problemloser gestaltet, werden sich in Zukunft noch mehr Reisende für die umweltfreundliche Bahnreise in Europa entscheiden. So setzt eine Fahrt in einem Hochgeschwindigkeitszug weit weniger Kohlendioxid frei als eine Flugreise zum selben Zielort.

Umfangreiche Untersuchungen haben ergeben, dass Geschäftsreisende aufgrund der höheren Produktivität im Vergleich zu den Fluglinien bereit sind, bis zu vier Stunden mit der Bahn zu reisen, während Urlaubsreisende bereit sind, bis zu ca. 6 Stunden unterwegs zu sein.

Bis 2010 erwarten die Mitglieder von Railteam 25 Millionen internationale Reisende in ihren Hochgeschwindigkeitszügen.

Sind das nicht spannende, wenn auch bereits veraltete Informationen? Schade, dass sie keiner kennt: Wirtschaftsjournalisten, Vielflieger, Bahnkunden.

 
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