Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Regionalbahnen gewinnen Fahrgäste – wenn sie nah am Kunden sind

14.09.09 (Deutschland, Nahverkehr, Personenverkehr, Verkehrspolitik)

Seine Bahn hat am meisten zugelegt

Seine Bahn hat am meisten zugelegt

Ausgerechnet meine Lieblingsbahn, die Regiobahn Kaarst – Düsseldorf – Mettmann, ist Deutschlands Bahn mit dem höchsten Fahrgastzuwachs, vermittelte die Allianz pro Schiene auf einer sehr gut besuchten Veranstaltung in Berlin, die 15 besonders erfolgreiche Regionalbahnen ins Licht rückte.

Von 500 auf fast 20.000 Fahrgäste pro Tag, um 3790 %, hat sich die Regiobahn seit 1998 gesteigert. Das überrascht nicht und hat seine Gründe: Diese besondere Art der S-Bahn hat moderne, klimatisierte (!) Fahrzeuge, die schon durch die Art der Ausstattung und Beleuchtung ein Wohlfühlklima erzeugen. Genügend Platz für Gepäck und Fahrräder, ein Fahrkartenautomat, oft ein freundlicher Zugbegleiter als Personal und hin und wieder mal eine Aktion wie die Frisurberatung im fahrenden Zug, dazu eine enge Taktung und große Pünktlichkeit gehören zu den Erfolgsfaktoren – auch wenn es zwischen den S-Bahn-Zügen der DB schon einmal zu Verspätungen kommt, wie Geschäftsführer Joachim Korn beklagte.

Noch 14 andere erfolgreiche Bahnen stellte die Allianz pro Schiene vor, und es sind sogar (entgegen der landläufigen Meinung, die DB bekomme kaum etwas richtig hin), etliche DB-Regio-Unternehmen oder andere DB-Töchter dabei, die von der Stilllegung bedrohte Strecken wieder attraktiv gemacht haben. Manchmal, wie bei der Nordwestbahn Osnabrück – Bremen, haben auch hartnäckige Bürgerinitiativen ehemalige DB-Strecken vor dem gezielten Ausbluten und der Stilllegung bewahrt. Und auch die Bayerische Oberlandbahn (BOB), die mit ihren futuristischen, aber erbärmlich unzuverlässigen Triebwagen zunächst große Probleme hatte, reüssierte letztlich durch gute Taktungen, umsteigefreie Verbindungen nach München und kundennahe Aktionen: + 233 % von 1997 bis 2007. „Die Bahn muss ein Gesicht haben!“, sagte BOB-Geschäftsführer Heino Seeger bei der Podiumsdiskussion in Berlin. Dann zieht sie auch Kunden an.

Gut gelaunt mit leeren Händen: Bundesverkehrsminister Tiefensee (Foto: Weidelich)

Gut gelaunt mit leeren Händen: Bundesverkehrsminister Tiefensee (Foto: Weidelich)

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee wollte auf der Veranstaltung den Schienenverkehr ebenfalls wachsen sehen. „Wir werden in Zukunft dem Verkehr in den Städten, zwischen den Städten und zwischen Stadt und Region mehr Aufmerksamkeit widmen, weil wir vom Individualverkehr wegkommen wollen.“ Dafür soll erst einmal ein Masterplan Mobilität entwickelt werden. Politische Zeitgewinnung also. Denn wie man den ÖPNV erfolgreich macht, ist längst bekannt.

Doch ohne Geld geht es eben nicht. In dieser Hinsicht blieb Tiefensee sehr allgemein. „Mindestens 1,5 %“ jährlich sollen die Regionalisierungsmittel aufgestockt werden. Allianz pro Schiene-Vorsitzender Klaus-Dieter Hommel hatte die Bundesregierung zuvor aufgefordert, die Regionalisierungsmittel um jährlich 2,5 Prozent aufzustocken.

Aber wer weiß schon, wie der nächste Bundesverkehrsminister heißen wird?

Mehr über die 15 erfolgreichsten Regionalbahnen hier.

 
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