Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Die Qual (nach) der Wahl: Schattenminister Ramsauer

24.10.09 (Verkehrspolitik)

Bundesverkehrsminister scheinen auch bei Journalisten keine große Bedeutung zu haben. Wer sich in der Medienlandschaft umschaut, findet kaum Kommentare zum Bundesverkehrsminister im neuen Kabinett des Grauens der Mühseligen und Beladenen, Grauen, Farblosen und fachlich Unbelasteten. Positive schon gar nicht.

CSU-Stratege Peter Ramsauer ist Müllermeister, ein ehrsamer Beruf, der jedoch kaum Berührungspunkte mit dem Bau von Schienen- und Straßennetzen, Telematik, Maut und Flughäfen hat. Außerdem ist er Betriebswirt. Überfordern wir ihn also besser nicht mit Fachfragen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat eine klare Meinung: Für die nächsten vier Jahre unter schwarz-gelber Führung befürchtet der VCD eine nahtlose Fortsetzung der autofixierten Verkehrspolitik von Matthias Wissmann (CDU), der zwischen 1993 und 1998 Verkehrsminister war und heute Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) ist. Die CSU habe sich in der Vergangenheit im Bereich Verkehr sehr industriefreundlich gezeigt und im Gegenzug wenig Verständnis für nötige Klimaschutzmaßnahmen an den Tag gelegt.

„Wir hätten uns einen echten Verkehrspolitiker als Minister gewünscht, der zukunftsfähige, nachhaltige Mobilität voranbringen will und dem es nicht nur um ein Pöstchen geht”, so der VCD-Bundesvorsitzende Michael Gehrmann. „Peter Ramsauer und seine Partei, die CSU, sind bisher auf Bundesebene nicht positiv in Erscheinung getreten, wenn es um umwelt- und sozialverträglichen Verkehr ging. Ganz im Gegenteil: Sie war eine vehemente Gegnerin von CO2-Grenzwerten bei Pkw, befürwortete die unökologische Abwrackprämie, plädierte für eine Senkung der Lkw-Maut und lehnt nach wie vor vehement ein Tempolimit auf Autobahnen ab. Auf der Homepage der CSU findet man Verkehr noch nicht einmal als eigenen Politikbereich, sondern der Wirtschaft untergliedert. Das lässt wenig Gutes für die Zukunft erahnen.”

Der aktuellen Ernüchterung der hoffnungsfrohen, naiven Wähler und mancher Journalisten dürften noch viele Enttäuschungen folgen, wenn erst einmal besser sichtbar wird, dass hier die Wasserträger der Lobbyisten der Gesundheitsindustrie, der Versicherungen, Autoindustrie und Banken ins Kabinett einziehen und die Grausamkeiten wie schon bei Rot-Grün wieder die Normal- und Kleinverdiener treffen werden. Denn die haben keine hörbare Stimme in diesem Staat. Die angeblich sozialdemokratisierte Frau Merkel hat wie ihr Vorbild Kohl immer nur an sich selbst gedacht, sich aber sehr geschickt als Sachwalterin der kleinen Leute profiliert. Die Mainstream-Presse hat dieses kunstvoll von PR-Strategen aufgebaute Image willig verbreitet. So gewinnt (naja) man Wahlen.

Die deutsche Twitter-Gemeinde ist von einem Bundesverkehrsminister Ramsauer nicht eben überzeugt. Ein paar Statements:

  • Aha. Ramsauer & Niebel. Fehlt eigentlich nur noch Hägar, der Schreckliche als Regierungssprecher.
  • Kaffee trinken und lecka Kuchen essen!Das reicht bei Angela schon um Verkehrsminister zu werden?Help!
  • Ramsauer in den Verkehr. Bei der Zusammensetzung bekommen die Karikaturisten Arbeit.
  • Ramsauer als Verkehrsminister ist die eine, Niebel als Entwicklungshilfeminister die andere Katastrophe…
  • DJanecek frägt sich, warum das Verkehrsministerium traditionell mit ignoranten Persönlichkeiten besetzt wird
  • Hinter der Personalie Ramsauer steckt weniger die Überlegung, ob einer geeignet ist oder was man erreichen will ..
  • Der Ramsauer soll Minister werden. Der hat einen noch böseren Blick als der Beckstein!
  • Ramsauer in den Verkehr. Bei der Zusammensetzung bekommen die Karikaturisten Arbeit.
  • Ich bin mir nicht sicher, ob Jung eine ideale Besetzung für das Arbeitsministerium ist und Ramsauer überzeugt mich auch nicht.
  • Verkehrsminister Ramsauer – klingt nach jemandem, der so rasant unterwegs ist wie damals unser Herr Wittke.
  • Nach Stolpe und Tiefensee soll jetzt Ramsauer zum Herrn der DE Schlaglochpisten aufsteigen. Ohweia
  • Da das Mautsystem inzwischen halbwegs funktioniert, schafft es CSU- Ramsauer bestimmt, es auf Pkw auszudehnen.
  • L. findet einen Verkehrs- und Bauminister Ramsauer (CSU), der seit mindestens 20 Jahren auf keinem Rad gesessen hat, schlicht unerträglich.

Ein Twitterer versendete gerade folgenden Satz von Gerhard Hauptmann: „Sobald jemand in einer Sache Meister geworden ist, sollte er in einer neuen Sache Schüler werden.“ Freuen Sie sich auf das neue Schüler-Kabinett!  😉

Allen RAILoMOTIVE-Lesern trotzdem ein schönes Wochenende!

 
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