Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Deutsche Bahn bekommt im Fernverkehr Konkurrenz aus Frankreich

30.10.09 (Marketing, Personenverkehr, Schweiz, Strecken)

Die Deutsche Bahn muss mit Konkurrenz im Fernverkehr rechnen. Vor allem französische Unternehmen drängen auf den deutschen Markt. Wie die FTD meldete, hat der französische Eisenbahn-und Nahverkehrskonzern Keolis, an dem die französische Bahngesellschaft SNCF aber nur mit 45,5 Prozent beteiligt ist, Trassen in Deutschland beantragt. Ab 2011 sollen dann laut FTD „gebrauchte Züge als günstige Konkurrenz zu den Intercitys der DB“ von Straßburg über Frankfurt/M. und Nordrhein-Westfalen nach Hamburg befahren. Als zweite Verbindung ist Frankfurt/M. – Berlin – Hamburg geplant.

Keolis ist in Frankreich hochkreativer Marktführer im Nahverkehr, der auch Autos, Fahrräder und Segways vermietet. Keolis gehört zu 52 % der Versicherungsgruppe Axa und betreibt die regionale Eurobahn mit Sitz in Bielefeld. In Großbritannien ist Keolis an der Southeastern beteiligt, die demnächst mit neuen Hochgeschwindigkeitszügen startet, wie ich berichtet habe.

Die DB, die sich ebenso um Fernverkehrsverbindungen nach Südfrankreich bemüht, gilt der Antrag der Franzosen als feindlicher Akt und beklagt sich über Diskriminierungen beim Einstieg in den französischen Markt. Das dürfte nicht aus der Luft gegriffen sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Deutsche Bahn auch im Fernverkehr in zwei Jahren mit schärferem Wettbewerb rechnen muss.

Deutschen Bahnkunden kann das nur nutzen, denn die Fahrpreise sind in Deutschland viel zu hoch. Fehlende Ersatzzüge bei den zahlreichen Fahrzeugstörungen, deutlich sichtbarer Verschleiß bei älteren ICE-Zügen, laufende Fahrpreiserhöhungen, fast schon obligatorische teure Platzkarten in notorisch überfüllten ICE-Zügen und völlig überhöhte BahnCard-Preise strapazieren die Sympathie und Geduld vieler Bahnreisender.

Doch die DB muss mit noch mehr Wettbewerb rechnen. Prof. Dr.-Ing. Markus Hecht von der TU Berlin, Fachgebiet Schienenfahrzeuge, sagte mir vor einigen Tagen: „Die SBB hat Doppelstockzüge ausgeschrieben, die deutschlandfähig sind. Es ist der größte Auftrag, der je in der Geschichte der SBB erteilt wurde. Wenn die DB nicht aufpasst, kommt da ein starker Konkurrent. Auch Veolia sitzt in den Startlöchern.“ Der französische Mischkonzern Veolia betreibt den Interconnex zwischen Leipzig, Berlin und Warnemünde und ist sonst nur sehr aktiv im Nahverkehr. Die britische Arriva fährt Fernzüge („Alex“) in Bayern, macht Regionalverkehr in Niedersachsen (Metronom) und ist mit der Prignitzer Eisenbahn in einigen Bundesländern erfolgreich.

Wenn die kommenden Mitbewerber nicht zu viel falsch machen, könnte hier der gleiche Effekt einsetzen, den am Anfang Mannesmann Mobilfunk, heute D2 Vodafone, für den Einstieg ins Telekommunikationsgeschäft genutzt hat. Mit „D2 privat“ baute das Unternehmen ein Gegenimage zur „staatlichen“, nicht besonders beliebten Telekom auf. Von diesem Image zehrt Vodafone bis heute.

Nachtrag: Ich hätte diesen Beitrag gern mit Fotos von Zügen von Keolis, Interconnex und Arriva geschmückt. Keolis hat auf seiner französischen Homepage fast nur Bus-Fotos und andere Fotos minderer Qualität. Bei Veolia gibt es nichts, bei Arriva nur ein Amateurfoto, aus dem Zug geknipst. Das branchenübliche Trauerspiel eben. Peinlich für Unternehmen dieser Größe und leider ein Zeichen, dass die Kommunikationsarbeit als Nebensache betrachtet wird, der man wenig Beachtung schenkt. Das rächt sich spätestens beim größeren Einstieg ins Fernverkehrsgeschäft.

 
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