Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Neue Bahnen brauchen Sympathie und Akzeptanz – die Hamburger Hochbahn kommuniziert vorbildlich

15.10.09 (Deutschland, Marginalien, Marketing)

Bevor Jahrzehnte nach der Stilllegung der letzten Straßenbahnen (1978) wieder eine Stadtbahn nach Hamburg zurückkehrt, ist es notwendig, die Bevölkerung und die Anlieger von der neuen Bahn zu begeistern. Auch wenn manche Verkehrsbetriebe Öffentlichkeitsarbeit eher nebenbei und primär unter Insidern betreiben, gilt: In der Öffentlichkeit muss ein positives Image aufgebaut werden, denn der ÖPNV ist  kein „Transportangebot für Arme“, die sich kein Auto leisten können, sondern ein Beitrag zur Entlastung der Umwelt und ein schickes, sympathisches Verkehrs- und Mobilitätssystem. Wer das nicht vermittelt und sich in der Routine ausruht oder imagebildende Maßnahmen aus scheinbarem Zeit- und Geldmangel immer wieder verschiebt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Denn es wächst in breiten Kreisen der Bevölkerung die Einsicht, dass Mobilität dem Individualverkehr Grenzen setzen muss und neuartige Mobilitäts- und Servicekonzepte gebraucht werden. Ein Paradigmenwechsel.

Daimler erprobt den Mobilitätsansatz erfolgreich mit seinen Smarts in Ulm, der Fahrradverleiher Nextbike ist in zehn deutschen Städten und im Ausland präsent. Beide sind der Deutschen Bahn (auch bei der Usability –  also mit geringen Einstiegshürden und einfacher Nutzungsmöglichkeit) voraus, auch wenn deren Chefstratege Christian Schreyer die Mobilität der Zukunft als die Verknüpfung der Verkehrsmittel richtig erkannt hat. Schmunzeln muss ich aber über dieses auf der IAA geäußerte Statement: “Wir haben heute schon eine nahtlose, bequeme Fortbewegung für den Kunden geschaffen. In Zukunft werden wir unsere Mobilitätsdienstleistungen perfekt an die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten haben und ihm alle verfügbaren Fortbewegungsmittel über eine Rechnung anbieten können.” Visionen sind das Eine, die Realität der DB eine andere: ein Haufen von Profit Centern mit ausgeprägtem Eigenleben, technischen Flops wie Touch & Travel und einer BahnCard, die schon heute mögliche Synergie- und Kundenbindungseffekte aus purer Fantasielosigkeit und vordergründiger Profitmaximierungsabsicht ignoriert. Erschwerend hinzu kommen unzählige Verkehrsverbünde mit ihren undurchsichtigen Tarifen, die etwa das Lösen eines Automatentickets für zwei benachbarte Verkehrsverbünde selbst für zwei hocherfahrene Bahnfahrer zum Ding der Unmöglichkeit machen. Aber das nur am Rande.

Als positives Beispiel nun fast die ganze Pressemitteilung der Hochbahn, die es richtig macht bei der Öffentlichkeitsarbeit und der Sympathiegewinnung:

Seit einem knappen Jahr arbeiten die Planer der Hamburger Hochbahn AG an der Vorentwurfsplanung für den ersten Abschnitt der neuen Stadtbahnlinie von Bramfeld nach Altona. Die Ergebnisse gehen den Trägern Öffentlicher Belange (TÖB) zu, die nun bis Ende November ihre Stellungnahme abgeben können. Die Hochbahn präsentierte die Ergebnisse der Trassenplanung nun anhand von computeranimierten Visualisierungen erstmals der Öffentlichkeit.

Eine Streckenführung, welche die Stadtbahn vorteilhaft in das Stadtbild integriert, eine Vorrangschaltung an Ampeln und gesonderte Bahnkörper für ein zügiges Fahrtempo und hohen Fahrgastkomfort, Rasengleise und in die Straßenraumbeleuchtung integrierte Masten für die Oberleitungen sind wesentliche Charakteristika für die neue Hamburger Stadtbahn. Die Hochbahn ist davon überzeugt, dass dieses moderne Verkehrsmittel noch mehr Menschen von den Vorzügen öffentlicher Verkehrsmittel überzeugt und zum Umsteigen motivieren wird.

Günter Elste, Vorstandsvorsitzender der Hochbahn: “Mit der Stadtbahn werden wir das Leistungsangebot auf wichtigen Strecken deutlich ausbauen. Diese Weichenstellung ist sowohl verkehrlich als auch aus Gründen des Klima- und Ressourcenschutzes notwendig. Nicht zuletzt die intelligente Verkehrsführung mit Vorrangschaltungen an den Kreuzungen wird die Hamburgerinnen und Hamburger überzeugen, denn wir halten mit der Stadtbahn nur an den Haltestellen – und nicht an Ampeln.“

Die erste Stadtbahnlinie des insgesamt 52 Kilometer langen Zielnetzes wird rund 14 Kilometer lang sein und von Bramfeld über Steilshoop, Winterhude, Eppendorf und Eimsbüttel bis nach Altona führen. In diesen zum Teil hoch verdichteten Stadtteilen leben rund 100.000 Menschen im Einzugsbereich der Stadtbahntrasse. Während die Schnellbahnverbindung in die Hamburger Innenstadt gut ausgebaut ist, fehlt es bislang an einer leistungsfähigen Querverbindung zwischen den Stadtteilen. An der ersten Linie liegen neben bisher unzureichend angebundenen Großwohnsiedlungen auch hochfrequentierte Punkte wie z.B. die City Nord oder das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).

Der erste Bauabschnitt wird rund 7,7 Kilometer lang sein und von Bramfeld bis zur U-Bahn-Haltestelle Kellinghusenstraße in Eppendorf führen. Der Spatenstich für diese Strecke ist bei optimalem Verlauf des Planfeststellungsverfahrens für das Frühjahr 2012, die Inbetriebnahme für das Jahr 2014 vorgesehen. Mit Beginn des Planfeststellungsverfahrens im Sommer 2010 startet unmittelbar die Planung für die weitere Streckenführung nach Altona.

Hohen Wert legt die Hochbahn auf die Akzeptanz der Stadtbahn nicht nur bei den Fahrgästen, sondern auch bei den Anliegern. Hier spielen die städtebauliche Integration der Stadtbahn und die frühzeitige Information eine wichtige Rolle. Günter Elste: „Mit der Inbetriebnahme der Stadtbahn wollen wir das Stadtbild deutlich aufwerten. Dies ist ein hoher Anspruch, aber auch eine lohnenswerte Aufgabe. Zahlreiche andere Metropolen haben dies bereits bewiesen. Die Visualisierungen zeigen schon sehr eindrucksvoll, wohin wir wollen. Schon im November werden wir beginnen, im Einzugsbereich des ersten Bauabschnitts die Pläne mit allen Anliegern intensiv zu erörtern.“

Hier noch ein Link zu einer interessanten privaten Website über die Hamburger Stadtbahn: Straßenbahn Hamburg.

 
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