Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Potemkinsche Züge: Der weißköpfige RRX löst den Metrorapid ab

10.11.09 (Deutschland, Marketing, Nahverkehr, Personenverkehr, Verkehrspolitik)

Das schicke Design verspricht viel Arbeit für Wagenwaschanlagen (Fotos: Weidelich)

Das schicke Design mit viel Weiß ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Wagenwaschanlagen (Fotos: Weidelich)

Wer, wie ich gestern Abend, in den ständig überfüllten und mit fünf Wagen unverschämt kurzen RE-Zügen durchs Ruhrgebiet fährt und der Zug von Dortmund bis Düsseldorf 12 Minuten Verspätung bekommt, weil das Ein- und Aussteigen der Menschenmassen viel zu lange dauert, freut sich über jede Initiative, den Regionalverkehr zu verbessern.

Vor etlichen Jahren verfocht Ministerpräsident Clement, ein aus meiner Sicht beratungsresistenter Industrielobbyist, die Idee eines Transrapid durchs Ruhrgebiet – den Metrorapid. Viele Steuer-Millionen wurden für die Vorplanung sinnlos verpulvert. Gesunder Menschenverstand und nur ein Hauch von Technologieverständnis hätten genügt, diese Schnapsidee erst gar nicht ernsthaft zu erwägen.

NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) in Dortmund

Immer gut aufgelegt: NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) in Dortmund

Schlauer geht Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Lutz Lienenkämper vor, der gestern auf der Werbefahrt von Köln nach Dortmund die „Designstudie“ des RRX (Rhein-Ruhr-Express) vorstellte, von dem nicht nur ich bis dahin noch nichts gehört hatte. Es ist, analog zu den Attrappen der potemkinschen Dörfer, nicht viel mehr als eine Idee – ein potemkinscher Zug also.

Ich wusste auch nicht, dass Werbeagenturen qualifiziert sind, einen Zug zu designen. Sie sind es auch nicht, und so erschöpfte sich die Arbeit der Düsseldorfer Agentur darin, Hochglanzbroschüren mit teurer Drucklackierung, Logos und Farbfolien zu designen und auf zwei Stadler-Flirt-Züge von Eurobahn/Keolis zu kleben.

So könnten die RRX-Züge aussehen, müssen aber nicht. Denn es gibt weder eine Ausschreibung noch eine neue Innenraumgestaltung, obwohl der moderne Zug im Prinzip keine schlechte Figur machen würde.

Dass Weiß keine Farbe für Schienenfahrzeuge ist, konnte die Werbeagentur natürlich nicht wissen. Die DB wusste es ja auch nicht. Und wer kann schon ahnen, dass Flugrost, Staub, tote Insekten und das übliche Sparen (bei der Wagenwäsche) diese Farbe an der Frontpartie eigentlich ausschließen?

Für das erhebliche Verkehrsaufkommen, das die doppelstöckigen Regionalexpress-Züge schon heute zu bewältigen haben, wäre so ein fünfteiliger Triebzug viel zu kurz, auch wenn er im 15-Minuten-Takt fahren soll. Außerdem fehlen immer noch separate Gleise auf einigen Streckenabschnitten im Rhein-Ruhr-Gebiet, damit sich Fern- und Regionalverkehr nicht ins Gehege kommen.

Die verspätete Ankunft des Sonderzugs am Dortmunder Messegelände wurde auf den Gleisen spielenden Kindern zugeschrieben, und verständlicherweise wurde auch mal ein ICE vorgelassen. Die Verspätung bei meiner Rückfahrt entstand jedenfalls durch einen immer zu kurzen Regionalexpress-Doppelstock-Zug und zu viele Fahrgäste. Aber das ist im Ruhrgebiet seit vielen Jahren normal und scheint den VRR und das Land als Besteller nicht wirklich zu interessieren.

Vielleicht wird es mit dem RRX einmal besser. Etwa ab 2015, denn erst ab 2011 laufen die Planfeststellungsverfahren. Die Prospekte mit den geplanten Linien und eine Videoanimation des Zuges ohne Stromabnehmer sind immerhin schon fertig.

Dazu ein Leserkommentar zum RRX-Beitrag im WAZ-Portal „Der Westen„: Das Rad wird neu erfunden. 1936 fuhr der „Ruhr-Schnell-Verkehr“ von Dortmund nach Köln mit der Dampflok BR 38 (pr. P8), und von Dortmund nach Düsseldorf mit BR 78 (pr. T18) mit fast identischem Fahrplan. Man muss sich nur ein altes Kursbuch zur Hand nehmen und vergleichen.

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