Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Give me a T for Texas

16.11.09 (Nahverkehr, Nordamerika)

Triebwagen für Texas – zur Sicherheit mit Puffern

Triebwagen für Texas – zur Sicherheit mit Puffern. Diese sind ungewöhnlich in Nordamerika (Foto: Stadler)

Der alte Lynyrd-Skynyrd-Song, aus dem die Überschrift stammt, meint mit dem „T“ sicher keinen Triebwagen, doch Jahrzehnte später halten diese Einzug in Austin, Texas. Ende 2005 bestellte Capital Metro sechs Gelenktriebwagen GTW DMU-2 2/6 bei Stadler zur Lieferung 2008. Die Diesel Multiple Units (DMU), die auch als Straßenbahnen (Light Rail) eingestuft werden sollten, sind längst da, doch erst im März 2010 soll nun der Betrieb auf der 32 Meilen langen Strecke Austin Zentrum – Leander aufgenommen werden. Wer oder was für die große Verzögerung verantwortlich ist, lässt sich hier nachlesen: Unter anderem Sicherheitsaspekte, fehlender Nachweis der Befähigung der Triebfahrzeugführer und verrückt spielende Schranken. Auch die USA haben ihre Bürokratie.

Betreiber der Strecke wird Veolia sein. Die dieselelektrischen Züge, die nur von den beiden Achsen der in der Mitte angeordneten doppelten Dieselmotor-Generator-Einheit angetrieben werden, haben 200 Steh- und Sitzplätze, Platz für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle. Selbstverständlich ist WiFi (WLAN) an Bord – eine klare Ansage an Berufspendler.

Nicht so langweilig wie deutsche sind amerikanische Bahnhöfe

Nicht so langweilig wie deutsche Haltestellen sind amerikanische Bahnhöfe (Foto: MetroRail)

Die nach amerikanischem Muster nur in den Morgen- und Abendstunden fahrenden Züge sollen 57 Minuten für die knapp 52 km lange Strecke mit acht Bahnhöfen brauchen. Benutzt wird eine Güterbahntrasse, die während der heute startenden abendlichen Testfahrten freigehalten werden muss. Bei den morgendlichen Tests gab es Schwierigkeiten, den Fahrplan einzuhalten. An unzähligen Bahnübergängen wurden Warnkreuze und vierarmige Schranken eingebaut. Letztere sollen Autofahrer daran hindern, die Schrankenbäume zu umfahren und auch die üblichen vier Hornsignale pro Bahnübergang überflüssig machen. Die Züge werden den Anliegern als „nicht einmal halb so laut wie Güterzüge“ nahegebracht.

Schon vor dem Start im kommenden März wurde der für deutsche Verhältnisse geplante lächerliche Fahrpreis von 1,50 Dollar für die ganze Strecke verdoppelt. Das dürfte in der staugeplagten Metropole Austin kaum ein Hindernis für einen erfolgreichen Vortortzug-Betrieb sein.

2 Kommentare

  • 1
    Peter:

    zum Thema „nur in den Morgen- und Abendstunden fahrenden Züge“ und „Güterbahntrasse, die freigehalten werden muss“:
    Die Stadler-GTW erfüllen die amerikanischen Crashnormen für Vollbahnfahrzeuge nicht und gelten deshalb in Amerika als Strassenbahnen (LRVs). Nach FRA-Regelung dürfen auf der Strecke nur entweder Güterzüge oder LRVs verkehren, aber nie beides gleichzeitig. Die Güterzüge können also die Strecke nur noch benutzen, wenn keine GTWs draussen sind, das heisst entweder über den Mittag oder nachts. Die Teilung der Strecke zwischen den beiden Fahrzeuggattungen wird bereits erfolgreich bei der River Line von South New Jersey Transit erfolgreich angewandt.

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Hier noch eine Information von Peter vom Zug- und Eisenbahn-Blog (danke!):

    Im CFR 49 Teil 238 „Sicherheitsnormen für Fahrzeuge im Reisezugverkehr“ Abschnitt C sind die heute gültigen strukturellen Anforderungen für Fahrzeuge festgelegt, die mit weniger als 200 km/h verkehren.

    Die Anforderungen gelten für alle Fahrzeuge, die nach dem 8. September 2000 bestellt wurden und nicht ausschliesslich auf einer Strecke benutzt werden, …
    1) die keine öffentliche schienengleiche Bahnübergänge aufweist
    2) die zu keiner Zeit von Güterzügen benutzt wird
    3) auf der nur Fahrzeuge im Reisezugverkehr von geeigneter Ausführung verwendet werden
    4) auf der nur Züge mit Geschwindigkeiten unter 130 km/h verkehren

    In der Praxis erfüllt eine Strecke die obigen Kriterien, wenn Güterzüge zu den Tageszeiten ausgeschlossen werden, wo die Reisezüge verkehren. In Amerika gibt es für Schienenfahrzeuge nur ein einziges Gesetz, das keinen Unterschied zwischen LRV (Light Rail Vehicle) und Vollbahnfahrzeugen macht. Der obige Paragraph definiert die vereinfachten Anforderungen für LRVs.

 
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