Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Schienenverkehr historisch: Die Akku-Straßenbahn in Berlin-Charlottenburg

30.11.09 (Akkulok, Deutschland, Technologien)

Meine alten Prometheus-Bände sind immer wieder eine Quelle technischer Entwicklungen, die noch heute von Bedeutung sind. Was in der alten Fachzeitschrift am 6. Oktober 1897 veröffentlicht wurde, also vor 112 Jahren, bewegt heute die Autobranche, die mit unzulänglichen Akkus kämpft. Die ohne „überirdische Drähte“, sprich Oberleitungen (der Fachbegriff war damals noch nicht erfunden), fahrende Straßenbahn gibt es heute in Perfektion, etwa in Frankreich. „Vagabundierende Ströme“, also elektromagnetische Felder, sind auch in Heidelberg ein Thema, wo Bombardier-Straßenbahnen einen Streckenabschnitt ohne Oberleitung fahren werden. Ich werde berichten, wenn dort der Betrieb beginnt.

Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass die Längsanordnung der Sitzbänke einzig und allein eine Folge der Akkuplatzierung ist. Die unangenehme Situation, an seinem Gegenüber vorbei auf die Straße schauen zu müssen, nahm man in Kauf. Denn fahrgastfreundlich ist diese Sitzanordnung nicht. Die Charlottenburger Straßenbahn stammte von Siemens & Halske, die damals viele Bahnen elektrifizierte, dann meist mit Oberleitungen.

Nun aber der Beitrag aus dem Prometheus:

Accumulatorenbetrieb von Strassenbahnen. Noch vor wenigen Jahren war man allgemein der Ansicht, dass die bis dahin bekannten Accumulatoren für den Betrieb der Strassenbahnwagen and anderen Fahrzeuge sich nicht bewährt hätten. In der That konne man damals in den Strassen von Berlin sehr häufig beobachten, wie versuchsweise mit Accumulatorenbatterien betriebene Strassenbahnwagen plötzlich den Dienst versagten und dadurch, dass sie selbst nicht mehr vorwärts konnten, den Verkehr auf der Strasse überhaupt zum Stillstand brachten.

Obgleich nun die letzten Jahre irgend welche Neuerungen im Princip der Accumulatoren nicht gezeitigt haben, so ist man doch in der Anwendung des alten Princips so viel weiter gekommen, dass das Bild jetzt wesentlich verändert erscheint. In Berlin ist dafür der Beweis erbracht worden durch den seit mehr als einem Jahre versuchsweise und seit wenig Wochen endgültig eingeführten elektrischen Betrieb der Charlottenburger Strassenbahn.

Die Wagen derselben zeichnen sich durch ungewöhnliche Länge, elegante Bauart und bei Nacht durch glänzende Beleuchtung aus. Die Sitzbänke, auf welchen 30 Personen bequem Platz haben, sind zu beiden Seiten in der Längsrichtung des Wagens angeordnet und unter ihnen sind die Accumulatorenbatterien angebracht. Auf demjenigen Teil der Streckem wo verhältnismässig wenige Fahrgäste ein- und aussteigen, ist die Geschwindigkeit eine recht grosse, und jedenfalls sehr viel bedeutender, als bei der Verwendung von Pferden.

Bekanntlich beabsichtigte die Gesellschaft zunächst die Einführung des gewöhnlichen elektrischen Betriebes mit überirdischen Drähten. Das Unternehmen scheiterte jedoch an dem Widerstand der physikalischen Reichsanstalt, welche eine Schädigung ihres Betriebes durch vagabundirende Ströme befürchtete. Die dadurch veranlasste Einführung des Accumulatorenbetriebes ist insofern mit Freuden zu begrüssen, als sie ein nachahmenswerthes Beispiel auch für andere Strassenbahnen darstellt.

 
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