Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Wie die Italiener einen Großauftrag in Los Angeles verloren

06.11.09 (Europa, Fernverkehr, Nordamerika)

AnsaldoBreda ist in vielen Ländern bekannt für mindestens drei Jahre verspätete Lieferungen. Der „Fyra“ sollte bereits ab April 2007 zwischen Shiphol und Antwerpen fahren. Der Start des holländisch-belgischen Hochgeschwindigkeitsverkehrs vor ein paar Wochen erfolgte nun mit lokbespannten Zügen, weil der erste und einzige Zug von AnsaldoBreda noch getestet werden muss und die Serie vermutlich noch lange nicht fertig ist. Offiziell wird als Lieferdatum 2010 angepeilt.

Auch in Dänemark hat die italienische Firma versagt. Wie nicht nur in diesem amerikanischen Blog zu lesen ist, wurden 83 Dieseltriebzüge, die 2003 zur Lieferung 2006 bestellt wurden, immer noch nicht komplett geliefert. Nur acht kamen mit Verspätung nach Dänemark, von denen aber nur drei betriebsfähig waren. Ein Ultimatum der Dänen 2008 drohte eine Stornierung an, wenn bis Mai 2009 nicht wenigstens 14 der IC4-Züge geliefert würden. Das hat geklappt, aber so richtig betriebsfähig sind sie wohl immer noch nicht. AnsaldoBredo musste nun Vertragsstrafen bezahlen.

Die Los Angeles County Metropolitan Transportation Authority (LAMTA) machte ähnliche Erfahrungen und zog nun einen Schlussstrich. AnsaldoBreda bekommt den Auftrag über 100 Straßenbahnzüge nicht, die Amerikaner lassen sich nicht länger auf der Nase herumtanzen. Den 300 Millionen Dollar schweren Auftrag hatten die Italiener schon in der Tasche, unter anderem, weil sie die Verlagerung der US-Zentrale nach L.A. und vor Ort eine Produktionsstätte mit 535 bis 650 Arbeitsplätzen zu bauen versprachen – wie zwei anderen amerikanischen Städten auch. Die Fabrik in Pittsburg soll laut amerikanischen Verkehrsfach-Bloggern nie die geplante Größe erreicht haben.

Das wäre aber nicht der Grund für den Rücktritt gewesen. Fünf Wochen nach der Absichtserklärung des Verkehrsbetriebs, den Auftrag erteilen zu wollen, verlangte AnsaldoBreda Vertragsänderungen, und zwar laut Railway Gazette unter anderem bei den Vertragsstrafen, die bei verspäteter Lieferung vorgesehen waren.

Der Auftrag wäre der Anschlussauftrag zu einem älteren Auftrag von 2003 gewesen. Damals wurden 50 Straßenbahnen des Typs P2550 bestellt. Der Lieferverzug beträgt bereits drei Jahre und die ersten Fahrzeuge sind wegen 2,7 Tonnen Übergewicht nicht auf allen Strecken einsetzbar.

Nun will die LAMTA den Auftrag im Frühjahr 2010 neu ausschreiben.

Auch in Washington fielen die italienischen Züge durch besonders viele Ausfälle auf. Und der Boston Globe berichtete 2007 über eine Klage der Massachusetts Bay Transportation Authority, die eine gelieferte Serie wegen vieler Ausfälle stoppte und erst nach einem Prozess mit den Italienern fortsetzten: Ihr 1995 an AnsaldoBreda erteilter Auftrag sei der schlechteste Kauf aller Zeiten gewesen.

 
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