Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

150 Jahre Märklin im SWR

06.12.09 (Deutschland, Modellbahn)

Einen sehenswerten Film zum 150-jährigen Märklin-Jubiläum zeigt der SWR heute um 16 Uhr. Schon vorab ist er hier auf der SWR-Website zu sehen. Den grauenhaft altbackenen Modellbahn-Romantik-Vorspann mit der „Sentimental Journey“ (als ob Eisenbahn nur Nostalgiethemen kennen würde) kann man online zum Glück überspringen.

Der Film vermittelt ziemlich gut, wofür Märklin einmal gestanden hat: für modernste Technologien, Schnelligkeit bei der Umsetzung neuer Vorbilder und Spielfunktionen, die andere Modellbahnfirmen nicht bieten konnten – wie die fernsteuerbare Telex-Rangierkupplung, der Lokpfiff auf Knopfdruck oder der Drehkran mit Elektromagnet zum Verladen von Schrott.

Modellbahnhändler Ulrich Schweickhardt schildert seine Sicht der Vertriebspolitik von Märklin und hält die Aufgabe der Kaufhaus-Billigmarke Primex „ohne Not“ in den neunziger Jahren für einen Kardinalfehler. Und beklagt, was Märklin seitdem verlorengegangen ist: Ideen, Qualität und pünktliche Lieferfähigkeit.

Ex-Betriebsrat Jordan muss ich leider zustimmen. Er beklagt, dass heutige Manager keine Bindung mehr ans Produkt und die Marke haben. Die Heerschar von fachfremden Geschäftsführern und sogenannten Marketingfachleuten bei Märklin, die in den letzten 15 Jahren kaum etwas richtig gemacht und Handel und Kunden gleichermaßen vor den Kopf gestoßen haben, ist groß.

Typisch dafür ist Mathias Hink, der Märklin im üblichen Unternehmensberater-Neusprech als „eine fantastische brand“ (er meint „Marke“) bezeichnet und die Schuld am massiven Versagen der letzten Jahre allein den (vielleicht wirklich) veralteten Produktionsstrukturen gibt – und nicht sich. Wenn man eine Marke nur als Geldvermehrungsmöglichkeit sieht, beratungsresistent ist (weil die eigene sogenannte Beratung ja für 2000 bis 3000 Euro täglich abgerechnet werden kann und das Investment noch lohnenswerter macht) und Markenpflege und brand leadership (das weiß ich sogar ohne BWL-Studium) nicht einmal im eigenen Haus praktiziert, weil man den Markt nicht verstanden hat, dann ist das Ergebnis eben so wie bei diesem traurigen 150-jährigen Jubiläum einer ehemals bedeutenden deutschen Marke. Die Marken-Reputation von Märklin ist am Boden. Da tröstet es auch nicht, dass Fleischmann und LGB ebenso auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit und die Spielzeugmuseen sind. Kennt noch jemand Rokal?

Ich glaube nicht, dass die Marke Märklin noch einmal den alten Glanz zurückerobern kann.

Vielleicht haben sich aber auch die Zeiten zu sehr geändert…

 
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