Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Das Image der Deutschen Bahn ist sehr schlecht

14.12.09 (Deutschland, Eisenbahn, Marketing)

Take the last train to Kleve - heute fährt hier die Nordwestbahn  (Foto: Weidelich)

Take the last train to Kleve - letzten Samstag. Heute fährt hier die Nordwestbahn (Foto: Weidelich)

Ich beschäftige mich seit über 40 Jahren mit Eisenbahn-Themen und Bahnunternehmen, mochte folglich die Deutsche (Bundes-)Bahn einmal sehr und habe sie über Jahrzehnte als recht umgänglich und offen erlebt. Doch seit der Gründung der Deutschen Bahn AG habe ich das traurige Gefühl, dass die Offenheit und das Interesse an Medien und Kunden schwindet. Das Image der DB wurde immer schlechter, es scheint ihr aber ziemlich egal zu sein.

Mehdorn hat sehr viel dazu beigetragen, aber auch die schlechte Kommunikation mit Journalisten (lästig!) und den Kunden. Denn das Ziel der Privatisierung stand über allem. Es wurden Mitarbeiter pauschal verdächtigt, gelogen, Belegbares bestritten und hinter den Kulissen die öffentliche Meinung mit unlauteren Mitteln manipuliert. Und der Fahrgast auf dem Bahnsteig über Monate und Jahre mit unerträglichen Verspätungen, schlechter Information und immer schlechterem Service alleingelassen. Die Bahnhöfe verkamen, die Gleise entwickelten sich zu wuchernden Biotopen, die Fahrzeuge teilweise schmutzig und besprüht mit abgenutzten Sitzen.

Dann kam Dr. Grube und auch ich hoffte, dass sich etwas ändern würde. Auch im Umgang mit Journalisten. Ich bin enttäuscht. Es hat sich nicht viel getan, so wenig wie die Banken hat auch die Bahn nichts dazugelernt. Durch Bescheidenheit, wenigstens ein Prise Asche auf den hoch erhobenen Häuptern und eine gewisse Demut der Öffentlichkeit gegenüber ist die Deutsche Bahn AG seitdem nicht aufgefallen. Der DB-Turm in Berlin scheint auch ein Elfenbeinturm zu sein.

Nun bekam die Deutsche Bahn die Quittung. Wie der Brandindex des Marktforschungsunternehmens YouGovPsychonomics ermittelte und in der Wirtschaftswoche beschreibt, ist das Image der DB am Boden: „Mit derzeit minus 41 BrandIndex-Punkten schneidet die Marke so schlecht ab wie nur wenige andere in Deutschland.“

Mich wundert es nicht. Denn die Welt-AG Deutsche Bahn mit ihren unzähligen Töchtern, GmbHs und Profitcentern, die eher ausländische Märkte im Auge zu haben scheinen als ihre wichtigsten Kunden in Deutschland, dreht lieber ein großes Rad als sich im Kleinklein des zentraleuropäischen Personen- und Güterverkehrs abzumühen. Dabei weiß schon ein Marketing-ABC-Schütze, dass Stammkunden zu halten und sie gut zu bedienen weniger kostet als neue Märkte zu erschließen. Die DB eifert aber lieber Schrempps DaimlerChrysler AG nach. Die Folgen sind bekannt.

Und so verliert auch die Deutsche Bahn in ihrem Stammland immer mehr Fahrgäste und Güterverkehr an die Wettbewerber. Auch die Deutsche Telekom kämpfte ziemlich erfolglos und mit teilweise ähnlichen Mitteln gegen den Wettbewerb und die Journalisten. Ich kenne die drei Kollegen, die abgehört wurden, gut.

Nur DHL, also die Paket-Tochter der Deutschen Post, konnte sich als einziger der alten Staatsbetriebe recht gut halten. Beim Paketdienst stimmt eben der Service – Ausnahmen bestätigen die Regel.

 
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