Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Märklin-Raritäten aus Privatsammlungen im Donzdorfer Schloss

05.12.09 (Modellbahn)

Märklin-Fabriknr. 6113: Der mit dem sonoren Brummen (Foto: Weidelich)

Märklin-Fabriknr. 6113: Der mit dem sonoren Brummen (Foto: Weidelich)

In einem Modelleisenbahnladen in Mettmann sah ich vor einer Woche eine Märklin-Anlage, auf der nach der Berührung eines Sensors an der Schaufensterscheibe Züge gefahren wären – wenn welche da gewesen wären. Vielleicht sind heute welche fahrbereit, doch angesichts der Preise der Märklin-Loks (Dampflok 359 Euro) habe ich mich schon gefragt, wer denn für 100 Euro mehr, als eine Playstation 3 mit Blue-Ray-Player kostet, in das Hobby einsteigen soll. Gleise, Steuerung und Wagen sind ja da noch nicht einmal dabei. Eine Weihnachtsanlage für 700 bis 1000 Euro?

Okay, es gibt für 250 Euro eine Digitalstartpackung mit einer Dampflok und zweiachsigen Wagen. Ob Kinder, die nie eine Dampflok und kurze Güterwagen gesehen haben, das interessant finden? Digital schaltbar ist nur das Licht, die Weichen nicht. Warum nicht ein moderner Güterzug? (Zu teuer, weil man nicht mit uralten und dutzend Mal abgeschriebenen Formen arbeiten kann.)

Die Faszination der Modelleisenbahn aber bleibt. Ein paar tausend Besucher werden heute zum Tag der offenen Tür bei Märklin pilgern. Wer den „Mythos Märklin“ aber noch einmal in ursprünglicher Form erleben will, hat bis heute Abend Zeit, denn erst um 17 Uhr öffnet die Ausstellung Vom Blechspielzeug zur Modelleisenbahn im Donzdorfer Schloss ihre Pforten bis 21 Uhr und morgen noch einmal von 11 bis 19 Uhr.

Veranstalter ist das 1. Märklin Modellbahn-Team e.V. um den ehemaligen Marketing- und Pressemann bei Märklin, Roland Gaugele. Die Exponate stammen von privaten Leihgebern. Darunter sind einige noch nie gezeigten Stücke aus dem Besitz der Familie Märklin, die Alexandra Märklin, eine Nachfahrin des Firmengründers, zur Verfügung gestellt hat.

Gaugele schrieb in der Einladung: Der „moderne“ Werkstoff für Spielsachen in der Mitte des 19. Jahrhunderts war Blech. Blech war verformbar, stabil, leicht und bezahlbar. Die Entdeckung dieses Werkstoffs für Spielzeug ließ neue Firmen entstehen: außer den Firmen in und um Nürnberg auch die Firma Märklin im schwäbischen Göppingen. Deren Erzeugnisse führen durch 150 Jahre Spielzeuggeschichte.In den ersten 3 Jahrzehnten stand der Name Märklin für Mädchenspielzeug. Erst ab 1891 kamen technische Spielwaren hinzu. Dabei war die erste „Modelleisenbahn“ zuerst nur ein Randsortiment, aber in der Folgezeit so stark wachsend, dass sie zum dominierenden Programmteil wurde. Heute steht der Name Märklin für die elektrische Eisenbahn schlechthin.

Eine reine Männer-Veranstaltung ist die Ausstellung nicht: Die Ausstellung spannt den Bogen vom Mädchenspielzeug zur heutigen Modelleisenbahn und zeigt einen Puppenherd, Badezimmerartikel, ein Schiff, Dampfmaschinen, eine Waage, historische Eisenbahnen und moderne, detailliert gestaltete H0-Anlagen. Und „für das leibliche Wohl“, wie Lokalredakteure seit 150 Jahren schreiben, gibt’s in Donzdorf natürlich auch einen Weihnachtsmarkt.  😉

 
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