Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Super – Märklin schafft den Neuanfang mit LGB

19.01.10 (Gartenbahn, Marginalien, Modellbahn)

Endlich — die Zeit des Wartens hat ein Ende. LGB-Freunde erfuhren schon vor der Spielwarenmesse, worauf sie sich dieses Jahr freuen können. Mit 23 Neuheiten schafft die Gartenbahnmarke in Märklin-Hand einen gelungenen Neuanfang. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Doch auch die noch nicht bekannten Neuheiten haben es in sich. Ich untertreibe nicht.

Amerika steht wieder im Fokus, und die LGB-Freunde werden sich über eine – man kann es nicht anders sagen – kleine Sensation freuen: Zum ersten Mal kommt die berühmte Güterzug-Diesellok der Santa Fe mit dem blue-bonnet-Wappen! Zusammen kosten A- und B-Unit nur rund 1200 €. Ein Super-Angebot, weil in der B-Unit ein kräftiger Soundbaustein eingebaut ist, von dem auch Ihre Nachbarn sicherlich beeindruckt sein werden. Nimmt man die knuddelige zweite Einheit vom Gleis, sagt der Sounddekoder bei Schrägstellung „daddy, I love you!“. Das ist besonders wichtig für die Kundenbindung in Nordamerika – einem nun mehrere Jahre vernachlässigten Markt. Kippt die Lok bei einer Entgleisung auf die Seite, ruft sie „help!“ und betätigt 21 Mal das Horn (abstellbar). Innovativ! Leider war kein Platz mehr für Motoren, aber auf die kann der platzbeschränkte LGB-Freund bestimmt gut verzichten, denn die Zugkraft der Vorderlok ist mehr als ausreichend. Wer dazu die neu aufgelegten Streamliner-Hänger für günstige 350 € pro Stück erwirbt, erhält schon für wenige tausend Euro einen wunderschönen Zug. Das Blaue Band der Schiene für den Garten, wenn man so will.

Für die vielen Fans der Rhätischen Bahn haben LGB und Märklin ganz tief in die Trickkiste gegriffen. Erstmals unlimitiert gibt es das berühmte Krokodil in grüner Lackierung. Das ist zwar nicht ganz vorbildgerecht, eröffnet Bastlern aber ganz neue Dimensionen bei der Verfeinerung und Umgestaltung. Fügt man zwei Vorlaufachsen hinzu, wird daraus eine Ce 6/8 der SBB, was ganz besonders Gartenbahner in der Schweiz erfreuen wird. Das LGB-Krokodil steht nun endlich ebenbürtig in der langen Tradition von Märklin, wo das beliebte Schweizer Krokodil in unzähligen Varianten immer neue Kaufimpulse ausgelöst hat. Gelegentlich zu hörende Klagen, Märklin hätte an Biss verloren und sei sprunghaft und leicht wie eine Heuschrecke geworden, entbehren jeder Grundlage und können nur von neidischen Konkurrenten stammen.

Qualität ist teuer, und deshalb hat sich LGB für die Harzdampflok mit der Nummer 99 7245, die dank eines kostbaren Soundbausteins den mehrstufigen Auspuffschlag gewohnt souverän nachbildet, ein neues Finanzierungskonzept ausgedacht. Im vorab geführten exklusiven Hintergrundgespräch mit den kreativen Marketingfachleuten von Märklin wurde zwar verstohlen zugegeben, sich ein wenig in der Mobilfunkbranche umgeschaut zu haben. Doch das Konzept überzeugt auf der ganzen Linie. In der Prepaid-Variante wird die Lok klassisch vorausbezahlt und kostet 1732 €. Geld, das gut angelegt ist, denn wie alle LGB-Loks ist dieser Harz-Dampfer nicht kaputt zu kriegen.

Die Vertragsvariante wäre gerade für LGB-Freunde mit kleinerem Geldbeutel ideal, könnten sie sich doch auf diese Art einen Traum erfüllen. Für eine Rate von nur 99 Euro im Monat gehört die Lok schon nach 24 Monaten Ihnen! Das ist nur durch die enge Zusammenarbeit mit der Hypo Alpe Adria in Klagenfurt möglich, die für ihre ausgeklügelten Finanzierungskonzepte bekannt ist. Nun warten wir gespannt auf die Bekanntgabe dieser Pläne auf der Spielwarenmesse – falls sie in letzter Minute nicht verschoben werden.

Insider haben mir ein Papier zugespielt. Möglicherweise ist noch eine dritte Variante im Gespräch, die LGB in der Modellbahnbranche zum ersten Mal erproben könnte. Das wäre nicht nur eine Sensation, eher eine Revolution! Digitale Hochleistungsdekoder und ein Kartenlesegerät an der Unterseite der Lok arbeiten in derart raffinierter Weise zusammen, dass LGB mit Recht und Stolz von einer Weltneuheit sprechen könnte. Denn erstmals würde dann auf Gartenbahnen, ja Modellbahnen überhaupt, „pay per drive“ realisiert, das Bezahlen pro Runde!

Das könnte so gehen: Eine mit mindestens 200 € aufgeladene LGB-Pay&Drive-Card (Aufladen soll an jedem Geldautomaten gehen) wird einfach zwischen den Schienen befestigt, ein Gleisstück mit Kartenhalter (ca. 24,95 €) soll in Vorbereitung sein. Die Lok misst dank des Dekoders die zurückgelegte Strecke und bucht die Fahrtkosten beim Überfahren der Karte berührungslos ab. An die Handhabung von Pendelzügen, die Schwaben sicher kurz vor der Karte wenden lassen, wurde aber wohl noch nicht gedacht.

Die genauen Preise müssen bis zur Spielwarenmesse noch diskutiert werden. Analog zur Mobilfunkindustrie wird aber wohl daran gedacht, pro Meter günstige 49 Cent abzubuchen, wobei angefangene Meter wie ganze Meter zählen. Weichen werden extra berechnet. R1-Weichen sind wegen des hohen Verschleiß mit 99 Cent recht teuer, R3-Weichen kosten 39 Cent, andere Weichen, auch von anderen Herstellern, werden wegen des geringeren Abnutzungseffekts mit 19 Cent berechnet. Im Rangiermodus wären pro Stunde 8,99 € fällig, darin sollen gerüchteweise aber 10 Weichen enthalten sein. Jede weitere Weichenüberfahrt soll leider 1,29 € kosten. Kein Nachteil, denn LGB achtet im Sinne der Gartenbahner gewissermaßen darauf, dass beim Rangieren nicht übertrieben wird.

Um Mißbrauch zu vermeiden, kann die Lok nur gestartet werden, wenn eine Tagespauschale von 9,99 € von der Karte abgebucht wurde. Etwas unpraktisch dürfte sein, dass man die Lok dazu wohl umdrehen muss, um die Karte über das Lesegerät zu halten. Karte und Lok (SIM-Lock) sind eine Einheit. Die Lok, und das ist ein Wermutstropfen, wird erst für andere Nutzer freigeschaltet, wenn sie insgesamt 2199 € von der Karte abgebucht hat. Wer nicht so viel fährt, kann die Lok aber auch für 999 € teilkaufen und den Restbetrag gewissermaßen „erfahren“. Für viele Harzbahnfreunde sicher die bessere Lösung – wenn sie denn wirklich angeboten wird.

Gegenüber diesen revolutionären Entwicklungen, mit denen keiner mehr gerechnet hat, fallen die anderen LGB-Neuheiten naturgemäß etwas ab. Details finden Sie direkt bei LGB.

2 Kommentare

  • 1
    Rainer Eichhorn:

    Hallo Friedhelm,

    Dir ist ein Feature der Harzbahnlok 99 7245 entfallen. Unter dem Highlight „Kohle für Pluta“ wird die jeweils im Tender vorhandene Kohlemenge „besteuert“. Die volle Tenderfüllung schlägt mit 19% Märchensteuer zu buche. Bei Betrieb auf Hotelanlagen wird der ermäßigte Kohlesatz von 7% / Füllung fällig. Du findest die Idee bescheuert ? Könnte aus Göppingen/Ulm sein !
    HelaHivoHire
    Rainer

  • 2
    Joachim Labudde:

    Hallo Herr Weidelich,

    Ihre Realsatire habe ich – passend zur Fastnachtszeit – in der Februarsitzung unseres Modellbahnerstammtischs verlesen. Lachen konnten wir begreiflicherweise nur über die Form, nicht beim Inhalt, da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Recht haben Sie mit Ihren Ausführungen und vielen anderen ihrer Beiträge in Ihrem Blog, den ich zunehmend weiterempfehle.
    Btw: Bin Modellbahner (Sammlung H0, Einsatz Clubanlage) und Gartenbahner, Abonnent des von Ihnen mitbegründeten GBP.

    Freundliche Grüße
    Joachim Labudde

 
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