Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Veolia Verkehr will Fernbuslinien starten

21.01.10 (Deutschland, Personenverkehr)

Bahnfahrkarten sind unangemessen teuer. Selbst mit der BahnCard 50 sind die Preise noch höher als wenn man – ich weiß, eine Milchmädchenrechnung – die Benzinkosten dagegensetzt. Aber auch Flüge sind häufig billiger als die Bahn. Das alles sind die Folgen einer jahrzehntelang wirren, planlosen Verkehrspolitik, die im Zweifel der Straßenverkehrslobby dient und im Zuge der Privatisierungsziele der DB auf Gewinnmaximierung, nicht die beste Dienstleistung, angelegt ist.

Die Schienenverkehrslobby, die sogar mit hoher Umweltfreundlichkeit winken könnte, ist schwach und lernt erst langsam, dass sie den Bürger als Verbündeten braucht und aktiv für ihre Angebote werben muss. Mehr denn je ist Politik lobbygesteuert und nicht langfristig oder an einem wie auch immer definierten Gemeinwohl orientiert.

Die Deutsche Bahn, durch Privatisierungswahn und fachfremde Manager schon arg gebeutelt, bekommt nun – politisch ist das so gewollt – noch weitere Konkurrenz durch Fernbuslinien. Studenten und andere Menschen mit kleinem Geldbeutel werden sich vielleicht darüber freuen: Endlich bekommen sie Alternative zu endlosen Fahrten im überfüllten Regionalexpress, weil der ICE-Fernverkehr für sie unerschwinglich ist. Doch wer die Staus auf unseren überlasteten Autobahnen kennt und weiß, dass Busse offiziell nur 80 km/h fahren dürfen, dass Busfahrer oft übermüdet fahren müssen und Busse in letzter Zeit oft gebrannt haben, sollte sich nicht vorschnell über diese Pressemitteilung freuen:

Veolia Verkehr hat den Antrag auf Genehmigung von drei Fernbuslinien beim Regierungspräsidium Düsseldorf eingereicht. Die Linien sollen zwischen Essen und Kiel, zwischen Mönchengladbach und München sowie zwischen Essen und München verkehren. Veolia Verkehr will mit diesen Fernbuslinien das öffentliche Personenverkehrsangebot zwischen mehr als zwanzig Städten erweitern.

Zwischenbemerkung: Kennt jemand die überlastete A2 im Ruhrgebiet, den Autobahn-Horror auf dem Weg nach Hamburg, die Autobahnen bei München und Frankfurt? Linienverkehr? Da tun mir nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Fahrer leid.

Die Landesbehörde prüft nun, ob sie dem Antrag auf Genehmigung der Fernbuslinien stattgeben kann. Ausschlaggebend ist dabei, ob die Anträge dem Personenbeförderungsgesetz entsprechen. Das Gesetz regelt die entgeltliche oder geschäftsmäßige Beförderung von Personen mit Straßenbahnen, mit Oberleitungsbussen und mit Kraftfahrzeugen. Laut Paragraf 13 Absatz 2 des Personenbeförderungsgesetzes unterliegt der Fernbusverkehr starken Beschränkungen. Das Gesetz bezieht sich dabei auf eine Regelung aus den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Bundesregierung plant, das Personenbeförderungsgesetz zu ändern und den Fernbuslinienverkehr zuzulassen. Das ist auch im Koalitionsvertrag fixiert. Zudem lässt die jüngste Rechtsprechung erkennen, dass Fernbusse auch in Deutschland ein sinnvolles Ergänzungsangebot zu bestehenden Verkehren sein können.

„Wir verstehen es als unseren Auftrag, möglichst vielen Menschen ein hohes Maß an bezahlbarer Mobilität auf umweltschonende Weise zu ermöglichen“, so Dr. Axel Sondermann, zuständiger Geschäftsführer der Veolia Verkehr. Mit der Einrichtung der Fernbuslinien schaffe das Unternehmen ein Angebot für Menschen, die nicht über große finanzielle Ressourcen verfügen – also z.B. Schülern, Studenten und Senioren. Zudem hätten Fernbusse eine sehr gute Ökobilanz. „Fernbuslinien stellen eine wesentliche Verbesserung des Verkehrsangebots dar“, so der Geschäftsführer weiter. „Wir planen ein einfaches, attraktives Tarifsystem für umsteigefreie Städteverbindungen in modernen Fahrzeugen“, führt Heinz Gilmer, Projektleiter Fernbus bei Veolia Verkehr, aus. Veolia Verkehr ist das führende private Nahverkehrsunternehmen in Deutschland, das mit dem InterConnex eigenwirtschaftlich auch überregionalen Bahnverkehr betreibt.

Sobald die Genehmigung vorliegt, wird Veolia Verkehr weitere Informationen zu den neuen Fernbuslinien veröffentlichen. Auch die Buchung von Fahrkarten soll dann einfach über das Internet möglich sein.

Die Aussagen über die positive Ökobilanz sind zweifelhaft, die Konkurrenz von Bus und Bahn tödlich für die Bahn, wie ein hochinteressanter Expertenbeitrag herleitet. Wer sich die Themen Pünktlichkeit, Sicherheit und Bewegungsfreiheit im Bus vor Augen führt, braucht sich nicht allzu großen Illusionen hinzugeben, dass da ein tolles Angebot entsteht. Die Verkehrspolitik will es aber so. Es geht nicht um preiswerte Mobilität für den Bürger, es geht um Klientelpolitik. Busse bezahlen nicht einmal Mautgebühren und schon gar nicht Trassengebühren. So verdienen die Busunternehmer ihr Geld mit den kostenlosen Nutzung der Straßen, die der Steuerzahler finanziert hat. Die nicht eben üppig bezahlten Busfahrer kosten nicht viel.

Billig-Busse statt DB, Greyhound statt Amtrak. Die Amerikanisierung unseres Verkehrs hat begonnen – just zu dem Zeitpunkt, da die Amerikaner den Sinn eines funktionierenden Schienenverkehrssystems erkannt haben. Amerika steckt 8 Mrd. Dollar in ein Schnellverkehrsnetz und baut in vielen Städten Stadt- und Regionalbahnen.

 
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