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Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Bilfinger Berger pfuschte wohl auch bei NBS Nürnberg – Ingolstadt

24.02.10 (Deutschland, Eisenbahn, Strecken)

Zugluft auf dem engen Bahnsteig: ICE 1 und ICE T begegnen sich in Ingolstadt West (Foto: Weidelich)

Wie der Focus berichtet, sollen nicht nur in Köln und Düsseldorf, sondern auch an der Neubaustrecke Nürnberg – Ingolstadt Messprotokolle zu Mauerankern von Bauleitern von Bilfinger Berger gefälscht worden sein.

Die Deutsche Bahn versandte noch am 20.2.2010 folgende Pressemitteilung:

(Berlin, 20. Februar 2010) Nach Medienberichten vom Freitag, nach denen es beim Bau der Bahnstrecke Nürnberg-Ingolstadt-München zu Unregelmäßigkeiten an Baustellen mit Beteiligung der Firma Bilfinger und Berger gekommen sein soll, hat die Deutsche Bahn sofort eine erste interne Prüfung veranlasst. Danach gibt es bislang keinerlei Erkenntnisse über Unregelmäßigkeiten an Bauwerken, die durch die Firma Bilfinger und Berger errichtet wurden.

Ein Bahnsprecher: „Sollte Bilfinger und Berger über Indizien oder gar Erkenntnisse verfügen, dass es zu baulichen Mängeln gekommen sein könnte, fordern wir Bilfinger und Berger auf, uns diese Erkenntnisse unverzüglich zur Verfügung zu stellen. Beim geringsten Verdacht ist das ein Fall für die Staatsanwaltschaft.“

„Es liegt im ureigensten Interesse unseres Unternehmens, hier schnellstmöglich Klarheit zu bekommen. Deshalb werden wir jeden Beitrag für eine schnelle und transparente Aufklärung leisten“, so der Bahnsprecher.

„Bilfinger und Berger“ heißt übrigens in Wirklichkeit Bilfinger Berger AG. Die Namen solch kleiner Auftragnehmer kann die Bahn-Pressestelle natürlich nicht so genau kennen. Ist ja auch wirklich schwierig, bei so einem großen Konzern mit unzähligen GmbH und Geschäftsbereichen den Überblick zu behalten.

Wenn ich die Informationspolitik der letzten Jahre bei der DB verfolge, habe ich immer öfter den schrecklichen Verdacht: Wenn die DB etwas angeblich nicht weiß oder gar bestreitet, muss davon ausgegangen werden, dass die Information wahr ist oder an der Sache zumindest ziemlich viel dran ist.

Traurig.

4 Kommentare

  • 1
    Frank:

    Die ICE-Trasse ist seit Ende 2006 in Betrieb und es gibt keine signifikanten Mängel entlang der Trasse, dies wurde mir auch durch das zuständige Eisenbahnbundesamt bestätigt. Insofern ist davon auszugehen dass die Ausführung nicht bewußt manipuliert und damit grob fehlerhaft ausgeführt wurde.
    Im Rahmen der Bauausführung kam es zu etlichen Widrigkeiten aufgrund der geologischen und hydrologischen Verhältnisse. In Hinblick auf die geplanten Zuggeschwindigkeiten von 300 km/h wurden etliche Antrengungen unternommen die Trasse so sicher wie möglich zu gestalten. Von einem Wegsehen und Ignorieren der Verhältnisse wie in Köln geschehen kann keine Rede sein. Dementsprechend wurden auch für die fachgutachterliche und bauüberwachende Begleitung keine Kosten gescheut. Auch heute wird die Trasse noch ständig kontrolliert um keine Gefährdungen für Leib und Leben zu riskieren.

    Weiterhin ist anzumerken, dass bei DB-Baustellen die Regularien für Abnahmen deutlich schärfer sind als dies bei der U-Bahn Köln der Fall war. Die Bauteile wurden alle im Beisein einer Fachbauüberwachung abgenommen, die Betonage der Bauteile zudem noch kontrolliert.

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Vielen Dank für den Hinweis. Bei dem Focus-Bericht ging es um Stützwände, die natürlich nur mittelbar mit der Strecke zu tun haben.
    Ich frage mich aber, was es mit den Schienenklammern auf sich hat, die eine angeordnete erhebliche Geschwindigkeitsreduzierung zur Folge hatten.

  • 3
    Frank:

    Das Versagen einer Böschungssicherung würde leider zu einem unmittelbaren Schaden führen.

    Bezüglich der Schienenklammern kann ich keine Aussage treffen, da ich mit dem Betrieb der Strecke nicht zu tun habe.

  • 4
    Frank:

    Es ist auf jeden Fall der richtige Weg, dass den Hinweisen nachgegangen wird. Allerdings sollte man mit einer gewissen Objektivität herangehen.

    Das die Bahn adhoc keine Aussagen macht ist kein Indiz dafür, dass etwas vertuscht werden soll oder mehr dahinter steckt. Momentan beschäftigt sich der Anlagenbetreiber mit der Angelegenheit, weil er anlagenverantwortlich ist. Dieser hat vor mittlerweile Jahrzehnten die Strecke als Baumaßnahme an die Konzernschwester übergeben und letztlich in fertigem Zustand übernommen. Mit der Bauleistung wurden Bauunternehmen beauftragt, mit der Überwachung, Planung und Begutachtung Ingenieurdienstleister. Die Überprüfung der Angelegenheit läuft also bei mehreren Beteiligten, wobei der Anlagenverantwortliche am wenigsten mit dem Bau zu tun hat. Außerdem ist momentan nicht öffentlich bekannt bei welchen Bauwerken der „Pfusch“ hergestellt wurde. Seitens DB, Bilfinger Berger und Staatsanwaltschaft wird das genau untersucht, bis dahin gehen eh keine Infos raus. Man unterstellt dem Staatsanwalt ja auch keine Mitwirkung, nur weil er momentan nichts sagt.

    Bin gespannt wie sich die Prüfung entwickelt und welche Ergebnisse tatsächlich zu Tage kommen.

 
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