Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Hagen von Ortloff kämpft gegen Stuttgart 21

26.02.10 (Bahnhöfe, Deutschland, Eisenbahn, Strecken, Verkehrspolitik)

Er möchte nicht von seinem Enkel hören: Warum hast du damals nichts gegen Stuttgart 21 getan? Deshalb so tritt der beliebte Fernsehmoderator (Eisenbahn-Romantik) als Privatmann bei der Montagsdemo gegen S 21 auf, auch wenn die Medien darüber nicht berichten. Leider schwenkt irgendein Schafskopf („Noi, was hender mir isch, isch mir grad egal.“) ständig eine Fahne vor seinem Gesicht, was den Wert der bei Youtube eingestellten Videos etwas schmälert.

Was von Ortloff dagegen sagt, hat Hand und Fuß. Zum Beispiel, dass ihn ein Tunnelbauer gesagt habe, dass bei Tunneln erst einmal nur minimale Kosten kalkuliert werden und es dann hinterher eben laufend teurer werde. Bei S 21 sei man von 2,9 Mrd. € inzwischen bei 4,9 Mrd € angekommen. (Weitere Beispiele sind bekannt: Leipzig, Köln, sicher bald auch Düsseldorf). Wer sich die Karte zu S 21 anschaut, fragt sich ohnehin, warum um Stuttgart 40 km Tunnel gebaut werden sollen mit ihren gigantischen Baukosten, Folgekosten und Sicherheitsproblemen. Allein der lange Tunnel Richtung Böblingen zur Gäubahn, nicht gerade eine wichtige Magistrale, spottet jeder Beschreibung. Und das, um wenige Minuten zu gewinnen?

Mittlerweile liegen die geschätzten Kosten bei 6 Mrd. €. Geld, das für den Ausbau anderer Strecken, etwa auch im Ruhrgebiet, fehlt.

Scheibchenweise, sagt v. Ortloff, kämen nun Kostenerhöhungen ans Licht, und weil am Ende nichts mehr zog, wurde ein „Konjunkturpaket“ daraus.

Aus meiner Sicht ist S 21 eine gigantische Fehlinvestition mit geringem Nutzen. Einen ganzen Bahnhof unter die Erde zu legen, nur um ein neues Baugebiet zu erschließen, ist blanker Schwachsinn, schon wegen der Folgekosten (Energiekosten für die Beleuchtung, Belüftung und Klimatisierung, zusätzlicher Brandschutz, Rettungswege usw.).

Aber vielleicht geht es ja – jetzt polemisiere ich ein wenig – um ein eisenbahntechnisches Großexperiment mit dem Gotthard-Effekt. Wenn eiskalte Züge in die warmen Tunnel fahren, bildet sich Schwitzwasser und kann Fahrzeuge, die nicht ausdrücklich dafür ausgelegt sind, in kürzester Zeit stilllegen. An solche netten Nebeneffekte hat bei den abschließenden Entscheidungen natürlich niemand gedacht. In einem fast 10 km langen Tunnel in einer schlecht klimatisierten, vollen S-Bahn auf Rettung zu warten, wird kein Spaß sein.

Sehen Sie hier, was Hagen von Ortloff zu sagen hatte:

http://www.youtube.com/watch?v=jGyabUkHBxU&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=nL26bjhuU60&feature=related

Mehr Material zu den Montagsdemos gibt es hier.

2 Kommentare

 
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