Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Ramsauer will auf einmal keine Bahnprivatisierung mehr

11.02.10 (Allgemein, Deutschland, Eisenbahn, Verkehrspolitik)

Der laufende Wechsel zwischen der Hauptstadt Berlin und den heimatlichen bayerischen Gefilden scheint sich auch auf die Denkweise unseres Bundesverkehrsministers Ramsauer auszuwirken. Ich weiß bloß nicht, wie.

„Klar schlägt dieses Wetter vielen auf das Gemüt“, sagte Ramsauer der Bild am Sonntag am vergangenen Wochenende. „Das könnte auch erklären, warum die Regierung nach Umfragen bei den Bürgern im Moment schlechter dasteht, als sie tatsächlich ist.“ Soso. Weil Journalisten alles wichtig finden, was Minister von sich geben, haben sie es brav aufgeschrieben. Augenzwinkernde Smilies wie dieses 😉 wurden nicht eingebaut.

In einem wahren Interviewmarathon – jedenfalls behaupten alle Zeitungen, er hätte mit ihnen gesprochen – muss Ramsauer Folgendes gesagt haben:

„Ich stehe dafür, dass Netz und Infrastruktur der Bahn dauerhaft in der Hand des Bundes bleiben“, sagte Ramsauer der „Welt am Sonntag“.

„Die Bahn hat im Bewusstsein der Deutschen eine herausragende Bedeutung. Es gibt hier eine patriotische Komponente“, soll Ramsauer gesagt haben. „In den nächsten Jahren“ sei der Börsengang nicht verantwortbar, sagte er der Berliner Zeitung.

Die Bahn müsse ihrem öffentlichen Auftrag gerecht werden. „Deswegen wehre ich mich auch gegen den Privatisierungswahn.“ Mit einem Börsengang drohe die Qualität zu leiden. Dann werde nur noch kaufmännisch gehandelt, also „so billig wie möglich eingekauft, um sich eine hohe Rendite zu sichern“, zitiert ihn die Chiemgau-Zeitung.

Glückwunsch, Herr Ramsauer! Ja, Mobilität durch öffentlichen Schienenverkehr ist eine öffentliche Aufgabe und das von unseren Eltern und uns erarbeitete Kapital der Deutschen Bahn darf nicht an den Kapitalmarkt verschleudert werden. Jetzt ist Ihnen endlich klar geworden, was vom Privatisierungs- und Sell-off-and-lease-back-Wahn unbeeindruckte Menschen mit minimalem ökonomischen Sachverstand seit langem wissen. Denn wenn Rendite das Hauptprodukt eines Unternehmens ist und Kunden und Qualität zweit- und drittrangig sind, sieht es so aus, wie es heute bei der DB aussieht. Eine anmaßende Welt-AG, mit der schon Schrempp gescheitert ist.

Aber vielleicht ist Ramsauers Bewusstseinswandel nur Populismus, weil sich der Wind gedreht hat.

 
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