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Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Verantwortet SBB-Chef Andreas Meyer das S-Bahn-Chaos in Berlin mit?

17.02.10 (Deutschland, Eisenbahn, Personalien, Personenverkehr, Schweiz)

Berliner S-Bahn-Ersatzverkehr im September 2009 (Foto: Weidelich)

Der Zug- und Eisenbahnblog verlinkte auf einen DDP-Korrespondentenbeitrag von Olaf Jahn, Berlin, für den Schweizer Tagesanzeiger, der Hochinteressantes zutage fördert. Und zwar, weil sich die Sicht von außen – aus der Schweiz – und die deutschen Erfahrungen wie Mosaiksteinchen zu ergänzen scheinen. Denn Andreas Meyer, heute Vorstandschef der SBB, managte auch lange bei der DB, unter anderem den DB Stadtverkehr in Berlin. Dass das S-Bahn-Chaos auch auf Spar- und Renditewut zurückzuführen ist, sagt sogar das Eisenbahnbundesamt.

Laut Tagesanzeiger sollen Dokumente zeigen, dass Meyer die Geschäftspolitik der S-Bahn mitbestimmt und eine führende Rolle bei der Planung und Umsetzung des heftig kritisierten Programms „Optimierung S-Bahnen“ gespielt hat. Es hätte dazu beitragen sollen, die S-Bahnen in Hamburg und Berlin für den Börsengang der DB zu trimmen. Die Nettogewinne der S-Bahn Berlin hätten von 9 Millionen Euro 2004 auf 125 Millionen 2010 hochgefahren werden sollen.

Wer diesen Link im Tagesanzeiger zu weiteren Beiträgen über Meyer anklickt, stolpert über Stichworte, die dem Deutsche-Bahn-Interessierten merkwürdig vertraut vorkommen: teure Berater, Boni und unzufriedene Bahnkunden. Eine SBB, die nicht wie ein Uhrwerk funktioniert, ist in der bahnverwöhnten Schweiz ein Skandal.

Der Tagesanzeiger zitiert den „Blick“, so etwas wie die schweizerische Bild-Zeitung und deshalb unter Umständen nur von begrenztem Wahrheitsgehalt und mit der boulevardtypischen Überspitzung: „Der Blick schreibt, die Kundenzufriedenheit sinke seit dem Moment, als SBB-Chef Andreas Meyer Anfang 2007 die SBB-Spitze übernahm und ein Sparprogramm ansetzte.“ Das gibt zu denken.

Wäre Meyer ein deutscher Manager, könnte man das als Ausfluss der neuen Deutschfeindlichkeit werten, die bei bestimmten Kreisen in der Schweiz gerade salonfähig ist. Doch Herr Meyer ist Schweizer.

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