Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Aktuelle Fahrgastinformation auf kleinen Bahnhöfen fehlt oft

11.03.10 (Bahnhöfe, Deutschland, Eisenbahn, Personenverkehr, Unterwegs – Erfahrungen)

Ein poetischer Bahnsteig-Moment in all dem Geschmiere: Wenn ich dich sehe, verändern sich die Farben der Luft. (Foto: F. Weidelich)

Bahnhöfe waren einmal die Visitenkarten der Städte für den Bahnreisenden. Heute sind sie entweder zu unübersichtlichen Ladenstraßen mit wenig Platz für die Passagiere verkommen oder eben nur noch verkommen: mit Graffiti besudelt, die keinen anderen Anspruch haben, als wie ein Hund das Revier des „writers“ zu markieren, der weder eine Botschaft noch einen Funken Verstand hat. Weil Toiletten fehlen, werden die dunklen Ecken zum Pinkeln missbraucht. Weil Personal fehlt, sind Bahnsteige und Unterführungen eine Müllstation, durch die sich sensiblere Bahnreisende so schnell wie möglich bewegen und irgendwie versuchen, das Gesehene auszublenden, um nicht kotzen zu müssen. Dreck, Kippen, Erbrochenes, angebissene Burger, Kaugummis seit dem 2. Weltkrieg, weggeworfene Verpackungen, überquellende Abfallbehälter, Streumaterial von vor vier Wochen, gelegentlich ein dahindämmernder Alkoholkranker oder ein bettelder Junkie, dazu unter dem Bahnsteigdach trotz Abwehrmaßnahmen fröhlich gurrende und kotende Tauben, ein nur zeitweise betriebsbereiter Aufzug (gern auch mit Uringeruch und anderen menschlichen Abfällen) und als ewiger Quell der Freude ein Automat, der meist nicht funktioniert, flankiert von einem Entwertungsapparat, der ebenfalls nur zeitweise seine Arbeit verrichtet und den Fahrgast mit nicht entwertetem Ticket hoffen lässt, in keine Kontrolle zu geraten, weil er die Automatennummer und den Vornamen des Entwerters nicht weiß und im Zweifelsfall die Beweislast trägt, kein Schwarzfahrer zu sein.

Nun könnte man zwar erwarten, dass die Deutsche Bahn, genauer Bahn & Service, ein wenig in Personal investiert, zumal jeder Halt jeden Bahnbetreiber Geld kostet. Aber da Bahn & Service ebenso ein Profitcenter ist wie der Rest der DB, ist nicht Service der Geschäftszweck, sondern eben der Profit. Aus diesem Grund ist es natürlich ausgeschlossen, an den Automaten einen kostenlose Telefonnummer zu schreiben, mit dem man auf das Nichtfunktionieren hinweisen kann. Aber es ist nur eine teure „Service“-Rufnummer. So zahlt der hilfsbereite Bahnkunde auch noch dafür, dass nur selten jemand die Automaten kontrolliert und sie, obwohl das kein Problem wäre, ihren Ausfall selbstständig an eine Servicezentrale funkten. Wer wegen eines versagenden Automaten das Geld zurück will, darf sich auf mehrwöchiges Warten einstellen und hat keine Chance herauszufinden, wer eigentlich die Eingabe bearbeitet. Es sei denn, man ruft die teure Nummer an, die im Zweifelsfall mit einem Callcenter verbunden ist, in dem arme Teufel für Billigstlöhne auch noch Kundenfreundlichkeit heucheln müssen oder nur für die Fälle bezahlt werden, die sie in der Stunde abfertigen. Das könnte gut sein.

Hin und wieder machen die Verkehrsverbünde eine Bestandsaufnahme auf den Bahnhöfen. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bewertete in der Landeshauptstadt nur den Düsseldorfer Hauptbahnhof und Düsseldorf Flughafen mit über 90 % zufriedenstellend. Insgesamt steht die Landeshauptstadt mit ihren vielen versifften S-Bahnhöfen am drittletzten Platz. Durchaus verdient, denn schlecht beleuchtete Tunnelgänge, manchmal ganz fehlende Zugänge für Rollstuhlfahrer und Familien mit Kinderwagen, Graffiti und Schmutz neben verwinkelten Gängen sind nach meiner Erfahrung die Regel. Sehr häufig fehlen Zuganzeiger mit verlässlichen Angaben. In meinem benachbarten S-Bahnhof Bilk war ein neuer Zuganzeiger in Hässlich-Blau etwa drei Monate beleuchtet, aber ohne Anzeige. Seit ein, zwei Monaten zeigt er die Züge zwar korrekt an, verweist aber per Laufband auf einen ominösen Versuchsbetrieb. Lautsprecherdurchsagen sind extrem selten.

Dass die Fahrgastinformation wichtig ist und zur Zufriedenheit beiträgt, weiß der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Dort hat sich die Situation laut „Qualitätsanalyse Bahnhöfe – Fahrgastinformation und Service 2009“ verbessert. 39 % der untersuchten Bahnhöfe bescheinigt die Analyse sehr gute und gute Fahrgastinformationen. Besonders bei den Lautsprecherdurchsagen im Regel- und Störungsfall gibt es Verbesserungen. 43 % schneiden mit einzelnen Mängeln ab, bei 18 % der Bahnhöfe sieht der VBB allerdings weiterhin dringenden Verbesserungsbedarf.

VBB Geschäftsführer Hans-Werner Franz: „Die Kunden werden von der Deutschen Bahn auf den Bahnhöfen zunehmend besser informiert. Dieser Aufwärtstrend ist erfreulich und auch ein Ergebnis der regelmäßigen Qualitätsüberprüfungen durch den VBB, in denen immer wieder Mängel bei der Fahrgastinformation beanstandet werden. Die Information für die Fahrgäste ist eines der wichtigsten Qualitätskriterien. Wenn die Menschen auf dem Bahnsteig stehen, müssen sie umfassend und aktuell über ihre Verbindungen informiert werden. Nur so fühlt man sich als Kunde ernst genommen und hat dann auch Verständnis, wenn sich der Zug mal verspätet. Bedauerlicherweise ist die Situation vor allem auf den kleineren und mittleren Bahnhöfen in Brandenburg noch immer nicht zufriedenstellend.“ Mangelhaft sei oft leider auch die Kommunikation bei Großstörungen, wie zum Beispiel am Berliner Hauptbahnhof. „Je mehr Verspätungen es gibt, desto schlechter werden die Kunden darüber informiert. Da muss die Bahn noch nachbessern“, sagt Franz.

Die VBB-Analyse zeigt, dass in knapp 50 % der Bahnhöfe keine dynamischen Zugzielanzeigen vorhanden sind und in etwa 40 % auch keine Ansagen im Regelfall durchgeführt werden. Hierbei und auch bei der Information im Störungsfall besteht Handlungsbedarf, um die Situation für die Fahrgäste zu verbessern. Grundsätzlich müssen die vorhandenen Informationssysteme fehler- und mängelfrei sein. Nach Einschätzung des VBB muss es an allen Stationen für die Fahrgäste möglich sein, sich über die aktuelle Verkehrslage zu informieren bzw. automatisch informiert zu werden. Das gilt auch für die kleineren Bahnhöfe in Brandenburg, die mit der entsprechenden Technik ausgestattet werden müssen.

 
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