Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Amerikaner wollen Vorzeichenwechsel beim öffentlichen Verkehr

31.03.10 (Eisenbahn, Nordamerika, Personenverkehr, Verkehrspolitik)

Wenn ich sehe, wie schwach trotz aller Bemühungen die deutschen Befürworter des Schienenverkehrs gegen die in Berlin herrschende Mischung aus Inkompetenz, politischer Unberechenbarkeit und Arroganz sind, empfehle ich einen Blick über den Großen Teich. Die Renaissance des Schienen(personen)verkehrs, die in den USA mit über 20 Jahren Verspätung gegenüber Europa eingesetzt hat, basiert auch auf der Initiative eines Volkes, das sich immer wieder neu erfindet und an die Kraft von Ideen glaubt.

Sogar auf dem Land sind bessere öffentliche Verkehrsmittel erwünscht

Kampagnen können sie, die Amerikaner. Und so laufen überall in den Bundesstaaten Kampagnen für neue Strecken und Züge. Lokale Befürworter twittern, laden zu Veranstaltungen ein und werben für den neuen umweltfreundlichen Verkehr auf der Schiene, nachdem auch die Amerikaner erkannt haben, dass die Ölreserven endlich sind und es Alternativen zu Auto und Flugverkehr geben muss. Der Enthusiasmus ist so viel größer als hierzulande, die Begeisterung scheint anzustecken. Denn die Amerikaner entdecken Gehwege, Fahrrad, Busse, Straßenbahnen und Züge neu.

Transportation for America, T4America, ist so eine Kampagne, die eine schier unendliche Liste von Befürwortern in allen Bundesstaaten hat, von Bürgermeistern bis zu lokalen Initiativen. Es geht nicht allein um Schienenverkehr, sondern um Mobilität, wie wir sie in ihrer Gesamtheit kennen: also ÖPNV, Fahrrad und Fußgängerverkehr. 59 % von 800 kürzlich Befragten sprachen sich für eine bessere Vernetzung und ÖPNV aus, 38 % waren für einen Ausbau der Straßen, um Staus zu vermeiden. So viel Einsicht in einem Autofahrerland überrascht und zeigt, dass Europa mehr tun könnte – selbst wenn hier Politiker und Lobbyisten, vom ADAC bis zu Bauindustrie und Mautbetreibern, viel lieber noch mehr Straßenbau hätten und ÖPNV und den Schienenfernverkehr sträflich vernachlässigen.

Die USA haben die Weichen richtig gestellt, wie die Ergebnisse der Befragung zeigen. Selbst auf dem Land wurde erkannt, dass ÖPNV notwendig ist. Wer hätte den Amerikanern so viel Einsicht und Lernbereitschaft zugetraut?

 
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