Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

DB schreibt Streckendieselloks aus

26.03.10 (Deutschland, Diesellok, Eisenbahn, Lokomotiven, Personenverkehr)

Während die Deutsche Bahn gestern ziemlich deutlich gemacht hat, dass sie auch unter Dr. Grube und Dr. Ramsauer am Börsenkurs und internationalen Zukäufen festhalten will und Gewinne das eigentliche Unternehmensziel bleiben, muss sie doch investieren. Nun wurde ein Rahmenvertrag über 200 Streckendieselloks europaweit ausgeschrieben. Die neuen Loks sollen in Deutschland zugelassen werden und müssen zugleich eine Zulassungsfähigkeit in alle Nachbarländer Deutschlands und für Italien aufweisen.

Auch bei dieser Ausschreibung verfolgt die DB ihre „Plattform-Strategie“ bei der Neubeschaffung von rollendem Material. Die „Dieselstreckenlokomotiven“ sollen aufgrund ihrer technischen Spezifikation so ausgelegt sein, dass sie sowohl bei DB Regio im Regional- als auch bei DB Schenker Rail im Schienengüterverkehr einsetzbar sind. Ob das sinnvoll ist? Stellungnahmen von Eisenbahningenieuren sind hier im Blog immer willkommen.

215 vor einem Güterzug, hinten der Dreifaltigkeitsberg (Foto: Weidelich)

Die neuen Lokomotiven müssen mindestens eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreichen. Zudem sollen sie fünf Doppelstockwagen von je 55 Tonnen und einen Steuerwagen von je 60 Tonnen in der Ebene ziehen können. Außerdem müssen die Loks wendezugfähig sein und eine Mehrfachtraktionssteuerung haben. Die Dieselmotoren müssen den dann geltenden gesetzlichen Schadstoffnormen entsprechen.

„Die neuen Lokomotiven sollen die über 20 Jahre alten Baureihen 215 bis 225 ersetzen“, behauptet die DB in ihrer Pressemitteilung und beweist wieder einmal, dass sie sich bei ihren Fahrzeugen nicht auskennt oder bewusst lügt, weil die Loks längst am Ende ihres Lebenszyklus sind – aber diese Erfahrung ist für Journalisten nicht neu. Tatsächlich sind die 215er schon 41 bis 42 Jahre alt. „Einige“, sagte Pressesprecher Sommer auf meinen Hinweis hin. Nein, alle!

Etliche 215er wurden ab 2000 ausgemustert, 68 Stück wurden von 20o1 bis 2003 umgebaut und in die Baureihe 225 umbenannt.

Immerhin scheint nach Berlin langsam die Erkenntnis vorzudringen, dass endlich wieder in neue Loks investiert werden muss. Die Rangierloks der DB, für die es im letzten Herbst eine Ausschreibung gab, haben durchweg sogar 45 Jahre und mehr auf dem Buckel.

Eines meiner ersten Farbbilder einer 215 (oben) zeigt die 215 107-4 vom Bw Haltingen am 25. März 1972 in Aldingen, unterwegs mit einem leichten Güterzug Richtung Tuttlingen. Wenige Jahre zuvor bespannten hier noch 50er und 44er die Güterzüge. Die Personenzuglok 215, die anfangs einen Dampfkessel für die Zugheizung hatte, kam nur ausnahmsweise zum Einsatz. Auf der Gäubahn waren sonst 220 und 221 für D-, Eil- und Güterzüge zuständig.

4 Kommentare

  • 1
    Joachim Bochberg:

    Hallo Herr Weidelich,

    den Dampfkessel hatte die 216 …

    Schöne Grüße

    Joachim Bochberg

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Ja, die 216 hatte einen, die 215 als primäre Personenzuglok aber auch, gegenüber der 216 sogar verbessert. Siehe Obermayer, TB Deutsche Diesellokomotiven von 1977. Vapor-Heating, von Hagenuk in Lizenz gebaut. 🙂

  • 3
    Peter:

    Ich bin mir nicht so sicher, wie viel Aufwand die Industrie in eine Ausschreibung von Streckendiesellokomotiven der Deutschen Bahn steckt. Solche Ausschreibungen haben sich in den letzten Jahren in regelmässigen Abständen wiederholt ohne dass je ein Auftrag vergeben wurde. Für die Industrie lohnt sich nicht an Ausschreibungen zu arbeiten, wenn darauf keine Auftragsvergabe folgt.

    Ich kenne die Details der Ausschreibung nicht. Grundsätzlich ist es aber möglich, den gleichen Lokkasten mit Dieselmotor und Antriebsausrüstung für den Regionalverkehr und den Güterverkehr zu verwenden, einzig die Drehgestelle müssten dem Einsatz angepasst werden.

  • 4
    Marc 'Zugschlus' Haber:

    Die Baureihe 215 hat ihre Personenzüge bis zum letzten Tag mit Dampf beheizt. Nur eine Handvoll Maschinen hatte eine elektrische Zugheizeinrichtung. Der Umbau zur 225 bestand teilweise unter anderem aus dem Ausbau des Dampfkessels.

 
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