Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Bahnindustrie: Umsatzhoch und Einbruch beim Auftragseingang

13.04.10 (Bahnindustrie)

Umsätze und Auftragseingang der Bahnindustrie

Die Bahnindustrie in Deutschland hat mit einem Umsatz von 10,4 Milliarden Euro im Jahr 2009 erstmals die Zehn-Milliarden-Euro-Grenze überschritten und wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 5,1 Prozent. Allerdings spürt auch die Bahnindustrie die Folgen der Weltwirtschaftskrise. Der Auftragseingang 2009 ist im Vergleich zum Vorjahr um 19,5 Prozent auf 10,3 Mrd. Euro eingebrochen und lag damit in der Größenordnung des Umsatzes. Die Nachfrage nach Schienenfahrzeugen sank um 26,7 Prozent. Der Auftragseingang für die Infrastrukturausrüstungen konnte sich nur aufgrund vermehrter Bestellungen aus dem Ausland leicht positiv entwickeln. Die Beschäftigtenzahl wurde mit 44.800 auf Vorjahresniveau gehalten.

„Die Bahnindustrie in Deutschland profitierte im Jahr 2009 noch von gut gefüllten Auftragsbüchern“, sagte Verbandspräsident Klaus Baur auf der Jahrespressekonferenz heute in Berlin. Der Umsatz erreichte 4,5 Milliarden Euro im Inland und 5,9 Milliarden Euro im Ausland. In den über 130 Mitgliedsunternehmen des VDB lag die Zahl der Beschäftigten mit rund 44.800 etwa in der Größenordnung des Vorjahres. Die Bahnindustrie habe sich in der Wirtschafts- und Finanzkrise wiederum als Lokomotive der wirtschaftlichen Entwicklung erwiesen. Wenn dieser Bereich der Volkswirtschaft im weltweiten Wettbewerb auch für 2009 gute Umsatzergebnisse vorlege, belege das die Flexibilität und Leistungsfähigkeit der Branche. „Mit überzeugenden Innovationen und einem weltweit erfolgreichen Know-how haben wir die Spitzenstellung gehalten“, hob Baur hervor.

Der Umsatz mit Schienenfahrzeugen legte um 8,1 Prozent zu und stieg auf ein Volumen von 8,0 Milliarden Euro. Der Auftragseingang ging allerdings um 26,7 Prozent zurück. Negativ zu Buche schlug 2009 das Geschäft mit Lokomotiven, Güterwagen und deren Komponenten. Grund hierfür war der weltweite Einbruch des Schienengüterverkehrs. In Deutschland fiel die Güterverkehrsleistung auf der Schiene im vergangenen Jahr um über 17 Prozent – mehr als bei jedem anderen Verkehrsträger.

Im Bereich der Infrastruktur seien, so Baur, sowohl der Auftragseingang als auch der Umsatz im Inland unter den Erwartungen geblieben. Der Umsatz mit Infrastrukturausrüstungen sei um 4,0 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zurückgegangen. Als Sorgenkind erwies sich bei der Umsatzentwicklung vor allem das Inlandsgeschäft mit Infrastrukturausrüstungen. Der Umsatz brach hier um fast 12 Prozent ein. Die heimischen Bestellungen stagnierten 2009 auf dem niedrigen Niveau der beiden Vorjahre in Höhe von jeweils 1,7 Milliarden Euro. Nur aufgrund vermehrter Bestellungen aus dem Ausland konnte sich dieser Bereich insgesamt leicht positiv entwickeln.

Nach Meinung des VDB-Präsidenten würden jetzt, erwartungsgemäß und zeitversetzt, die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auch in der Bahnbranche spürbar. Es gäbe Kurzarbeit und auch betriebsbedingte Kündigungen. Daher seien Investitionen in den Verkehrsträger Schiene dringend notwendig. „Für unsere Branche ist von grundlegender Bedeutung, dass der Ausbau der Bahnen und die Finanzierung der Investitionen gesichert sind“, hob der Präsident hervor.

In einer im März vorgenommene Befragung der Mitgliedsunternehmen bewerteten diese die weiteren Aussichten skeptisch. Impulse für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung werden vor allem durch eine Belebung des Auslandsgeschäfts erwartet. Auf beachtliche Investitionen der Industrie verweist der VDB im Bereich Forschung und Entwicklung. „Mehr als 660 Millionen Euro, also 6,4 Prozent des Umsatzes, wurden von den Mitgliedsunternehmen für Forschung und Entwicklung ausgegeben“, resümierte Baur.

VDB-Hauptgeschäftsführer Ronald Pörner beklagte, dass im Jahr 2009 noch keine Investitionen aus den Konjunkturpaketen der Bundesregierung bei den Unternehmen der Bahnindustrie angekommen seien. Das würden auch die Zahlen des vergangenen Jahres deutlich belegen. Generell sei die Schieneninfrastruktur in Deutschland chronisch unterfinanziert und erbringe damit seit Jahren unfreiwillige Sparbeiträge. „Es klafft jetzt bereits eine Finanzierungslücke von knapp 600 Millionen Euro. Würde man alle Vorhaben des vordringlichen Bedarfs finanzieren wollen, so würde sich die Lücke sogar auf 900 Millionen Euro jährlich vergrößern“, sagte Pörner. Weitere 150 Millionen Euro würden für die Finanzierung der Infrastruktur der nicht-bundeseigenen Eisenbahnen fehlen. Hierfür gebe es bisher nichts. „Auch für den eminent wichtigen Ausbau der europäischen Schienenkorridore mit dem grenzüberschreitenden Leit- und Sicherungssystem ETCS (European Train Control System) fehlen jährlich zwischen 150 bis 300 Millionen Euro“, erläutert Pörner.

Der Verband fordert daher die Bundesregierung auf, bestehende Finanzierungslücken mittelfristig zu schließen. Noch wichtiger sei es jedoch, im Zuge der anstehenden Haushaltskonsolidierung keinesfalls noch größere Löcher in das fragile Gebäude der Infrastrukturfinanzierung zu reißen. „Eine Infrastrukturpolitik nach Kassenlage ist volkswirtschaftlicher Unsinn und schadet am Ende den Menschen und der Wirtschaft in unserem Land“, erklärte Pörner.

VDB-Präsident Baur ging auch auf die gegenwärtig diskutierte Änderung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (AEG) ein. Mit dem Bundesministerium für Verkehr wurde ein Dialog begonnen, um die Erfordernisse der Bahnindustrie in dem anstehenden Verfahren zu berücksichtigen. Dies sei sehr erfreulich. „Garantierte Normvorschriften, mehr Transparenz bei den Zulassungen und Bestandsschutz für bereits zugelassene Züge sind für uns wichtige Punkte bei einer Neuregelung“, sagte Baur. Das ist deutliche Kritik am Eisenbahn-Bundesamt, das die Zulassung fabrikneuer Züge monatelang verschleppt hatte (ob nun berechtigt oder nicht) und damit die Betriebsaufnahme auf etlichen Strecken nur mit Ersatzmaterial erzwang.

 
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