Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

ICE verlor unterwegs eine Tür

18.04.10 (Deutschland, Eisenbahn, Hochgeschwindigkeitszüge, Personenverkehr, Strecken)

Die Aschewolken ziehen übers Land, die Fluggäste steigen auf Züge um und die Deutsche Bahn unterbietet sich beim ICE-Verkehr wieder einmal selbst. Gestern meldete der „Sprecher Infrastruktur“ der DB, dem man wohl die unangenehme Aufgabe überließ, um 14.40 Uhr, immerhin schon gut drei Stunden (!) nach dem Ereignis:

Auf der Fahrt von Amsterdam nach Basel hat der ICE 105 auf der Schnellfahrstrecke Köln/Rhein-Main in Höhe Montabaur aus bislang nicht geklärtem Grund eine Tür verloren. Der entgegenkommende ICE 612 auf der Fahrt von München nach Dortmund wurde dadurch leicht beschädigt. In diesem Zug wurden zwei Reisende leicht verletzt. Die Reisenden der betroffenen Züge setzen ihre Fahrt mit anderen Zügen fort.
Die Strecke ist seit 11.30 Uhr gesperrt. Züge in Richtung Norden und Süden werden über das Rheintal umgeleitet. Damit sind Fahrzeitverlängerungen von über einer Stunde verbunden. Einzelne Züge fallen aus.

Was die Bahn nicht berichtete (wozu auch), erfährt man bei HR-online, wo auch die Bistro-Scheiben zu sehen sind, in die die Tür einschlug. Warum sich die Tür plötzlich löste, sei noch unklar, sagte ein Sprecher der Bundespolizei Koblenz. Sie traf einen entgegenkommenden ICE, der von München auf dem Weg nach Dortmund war. Sechs Reisende bekamen umherfliegende Glassplitter ab und erlitten einen Schock. Vier von ihnen wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht, zwei wurden ambulant versorgt.

Die Züge fahren auf dieser Strecke ca. 280 km/h, die Tür ist also mit über 500 km/h in den entgegenkommenden Zug eingeschlagen. Die Bistro-Gäste dürften fast zu Tode erschrocken sein. Einige Medien meldeten auf Basis einer dpa-Meldung: „ICE zerlegte sich in voller Fahrt.“ Hallo, geht’s noch? Mit seriösem Journalismus hat das nichts mehr zu tun. BILD, zu der so eine Schlagzeile passen würde, blieb zurückhaltend und schrieb von einer „Panne„. Das ist vielleicht ein wenig untertrieben…

Um 21.38 teilte die DB-Pressestelle lapidar mit: Die Sperrung der Schnellfahrstrecke Köln/Rhein-Main wurde um 21.30 Uhr aufgehoben. Die Strecke musste um 11.30 Uhr gesperrt werden, nach dem der ICE 105 auf der Schnellfahrstrecke Köln/Rhein-Main in Höhe Montabaur aus bislang nicht geklärtem Grund eine Tür verloren hat. Der ICE war auf dem Weg von Amsterdam nach Basel. Der entgegenkommende ICE 612 auf der Fahrt von München nach Dortmund wurde dadurch leicht beschädigt. Die Reisenden der betroffenen Züge setzten ihre Fahrt mit anderen Zügen fort.
Züge in Richtung Norden und Süden wurden über das Rheintal umgeleitet. Damit waren Fahrzeitverlängerungen von über einer Stunde verbunden. Einzelne Züge fielen aus.
Die Deutsche Bahn unterstützt die zuständigen Behörden bei deren Ermittlungsarbeiten.
(Ach. Da bleibt ihr wohl nichts anderes übrig. Das Eisenbahn-Bundesamt hat den Zug beschlagnahmt und wird ihn untersuchen.)

Kein Wort über Verletzte, keine Entschuldigung.

Die Pressearbeit der DB erinnert immer mehr ans Politbüro der DDR.

 
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