Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

BITKOM will mehr Verkehrssteuerung

03.05.10 (Mobilität, Personenverkehr, Straßenverkehr, Verkehrspolitik)

Viele Deutsche befürworten drastische staatliche Eingriffe, um den Energieverbrauch im Straßenverkehr zu verringern. So ist jeder Fünfte (21 Prozent) grundsätzlich für autofreie Sonntage. Der Anteil der Befürworter liegt bei Männern und Frauen gleich hoch. Knapp jeder vierte Bundesbürger (23 Prozent) spricht sich für die Einführung einer allgemeinen Straßenmaut aus. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) will sogar Autos mit besonders hohem Benzinverbrauch ganz verbieten.

Vor allem aber wünschen sich die Deutschen eine intelligentere Steuerung der Verkehrs: Den Aufbau von Parkplatzleitsystemen und anderen Verfahren zur Verkehrslenkung befürworten sechs von zehn Bundesbürgern. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Aris im Auftrag des BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) vor dem Gipfel für Elektromobilität heute in Berlin.

„Mit moderner Informationstechnologie können gleichzeitig der Energieverbrauch gesenkt und der Komfort beim Fahren erhöht werden“, sagte Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, Präsident des BITKOM. „Wir brauchen mehr Bits und Bytes im Straßenverkehr. Speziell für den Erfolg von Elektromobilität ist der Aufbau einer intelligenten Verkehrssteuerung und IT-Infrastruktur unerlässlich.“

Rund 18 Prozent der Primär-Energie wurden nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen 2008 durch den Verkehr verbraucht. Zwei Drittel davon entfallen auf den privaten Verkehr. Durch intelligente Verkehrslenkungssysteme und Navigation können dabei pro Jahr 2 Milliarden Euro Kosten eingespart werden, wie eine Studie von McKinsey zeigt. Aber auch Fahrer von Autos mit herkömmlichen Antrieben profitieren von modernen Verkehrsleitsystemen. Nach Studien (von ADAC sowie BMW) Ende der 90er Jahre macht der Parkplatz-Such-Verkehr in deutschen Großstädten rund 40 Prozent des PKW-Verkehrs aus. „Durch intelligente Verkehrsleitsysteme lassen sich Staus besser vermeiden und Parkplätze leichter finden – das spart Benzin, Zeit und Nerven“, sagte Scheer.

Leider arbeiten interessierte Industrielobbyisten darauf hin, eine Pkw-Maut durchzusetzen, weil bei der Abwicklung wie schon bei der Lkw-Maut kräftig verdient werden kann. Hightech statt nachdenken: Denn die Öko-, Kraftstoff- und Mehrwertsteuer reichen als Steuerungsmittel vollkommen aus. Wer viel fährt, bezahlt viel Steuern. Wer einen hohen Verbrauch hat, zahlt ebenfalls mehr. Eine technische Lösung, die jeden gefahrenen Meter registriert und missbraucht werden kann, ist schlichtweg überflüssiger Unsinn.

Wer die zum Teil immer noch gravierenden Fehler der Navikarten und die geradezu erbärmliche Qualität von Verkehrsstörungs-Nachrichten kennt (wie ich sie aus meinem TMC+ in einem Navigon-Navi kenne), sollte jedoch nicht allzu viel Hoffnung in „intelligente“ Verkehrsleitsysteme stecken. Sie können den Verkehr zwar beschleunigen und die Kapazitäten der Straßen ein paar Prozent besser nutzen und somit ein paar Staus vermeiden helfen. Doch was Verkehrslenkung mit Elektromobilität verbindet, weiß wohl nur BITKOM. Und gegen zu viele Autos in Ballungsgebieten gibt es nur ein Mittel: einen attraktiven ÖPNV und ein bezahlbares Wohnumfeld, das Pendelfahrten gar nicht erst nötig macht. Vom Ende des just-in-time-Irrwegs – rollende Lager auf der Autobahn – einmal abgesehen.

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