Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

DB Vertrieb will das Personal der Reisezentren weiter reduzieren

22.05.10 (Bahnhöfe, Deutschland, Eisenbahn, Personenverkehr)

Das Westfalen-Blatt berichtet, dass die DB bis 2014 im Vertrieb 20 % Personal, fast 500 Stellen, einsparen will: „Aus einer internen Berechnung zur Personalplanung der DB Vertrieb GmbH von 2010 bis 2014, die dieser Zeitung vorliegt, geht hervor, dass die Zahl der Reiseberater und der Empfangschefs in den Reisezentren von derzeit 2465 auf 1948 verringert werden soll. Zudem sollen die Reiseberater schneller arbeiten. Bislang sollen innerhalb von zehn Minuten 80 Prozent der wartenden Kunden bedient werden. Dieser sogenannte Servicelevel soll bereits 2011 auf 85 Prozent heraufgeschraubt werden.“

Die DB-Pressestelle dazu sehr knapp: Die Deutsche Bahn weist aktuelle Meldungen des „Westfalen-Blatts“ zu einem angeblichen Personalabbau in den DB-Reisezentren entschieden zurück. Konzernsprecher Oliver Schumacher: „Solche Pläne sind weder an maßgeblichen Stellen des Konzerns bekannt (Anmerkung: Wundert einen das bei diesem Konzern?), noch vom Konzernvorstand gebilligt. Es bleibt bei der klaren Zusage gegenüber unseren Kunden, Service und Reisequalität kontinuierlich zu verbessern.“

Das sei hiermit festgehalten für den wahrscheinlichen Fall, dass der Personalabbau durchgezogen wird und die Pressestelle lügt.

Die Verkehrsgewerkschaft GDBA und die Eisenbahnergewerkschaft Transnet machte gestern mit Aktionen in verschiedenen Bahnhöfen auf die angespannte Situation in den Reisezentren aufmerksam. Unter dem Motto „Wir versüßen Ihnen die Wartezeit“ verteilten Mitglieder beider Gewerkschaften Süßigkeiten an wartende Kunden. Hintergrund der Aktion ist der fortschreitende Personalabbau in diesem Bereich. „Die Belastungsgrenze für die Beschäftigten im Vertrieb ist erreicht“, sagten GDBA-Vize Peter Tröge und Transnet-Vorstandsmitglied Reiner Bieck. „Der Sparzwang hat zu Personalabbau und zu völlig überhöhten Vorgaben an die Beschäftigten geführt.“ „Das Reisezentrum und die Berater dort sind eine wesentliche Schnittstelle zum Kunden“, machten GDBA-Vize Peter Tröge und TRANSNET-Vorstand Reiner Bieck deutlich. Der Beratungsaufwand sei nach wie vor hoch. „Die Klientel der Bahn besteht nicht nur aus surfenden virtuellen Kunden, sondern aus Menschen mit Fleisch und Blut, die dann am Schalter stehen“, erklärten die Gewerkschafter. Deshalb sei es nötig, einen vernünftigen Personalbestand in den Reisezentren zu erhalten.

Viele Mitarbeiter reagieren nach den Beobachtungen der Gewerkschaften mit Krankheiten auf den zunehmenden Druck. Der Krankenstand ist viel höher als in anderen Bereichen des Konzerns. „Die Beschäftigten wollen arbeiten und den Kunden einen guten Service bieten“, so Tröge und Bieck. „Aber sie werden durch die falschen Entscheidungen des Managements daran gehindert. GDBA und Transnet fordern einen Stopp dieser falschen Unternehmenspolitik. Wir fordern mehr Personal und eine deutliche Reduzierung der Belastungen. Denn nur zufriedene Mitarbeiter sind erfolgreiche Mitarbeiter.“ – Und nur zufriedene Kunden kommen wieder.

Erst Ende 2009 hatte die DB zum Beispiel in Baden-Württemberg selbst in Kreisstädten die Öffnungszeiten stark eingeschränkt oder ihre Schalter ganz geschlossen. „Kundennähe“ wird jetzt durch Automaten (die häufig defekt sind) und das Internet demonstriert. Mit der Einstellung des Vertriebs und der Schließung ihrer Tochter DB Vertrieb GmbH könnte DB Mobility Logistics AG freilich noch mehr sparen…

 
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