Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Köln Hauptbahnhof, die Informationshölle für Bahnreisende

06.05.10 (Bahnhöfe, Deutschland, Eisenbahn, Unterwegs – Erfahrungen)

Gestern Abend, 18.42 Uhr. Der Regionalexpress 7 nach Krefeld sollte jetzt abfahren, ist aber nicht in Sicht. Am Ende des Gleises 9 in Richtung Rheinbrücke blockiert einer dieser 628er-Triebwagen, die für ihre Untermotorisierung bekannt sind und die Beschleunigung einer Schnecke haben, die Zufahrt zum Gleis. Der Zug kommt nicht, der Zuganzeiger springt nach einer kurzen unpassenden Anzeige auf „Zugdurchfahrt“ um.

Die ersten iPhone-Besitzer zücken ihr Smartphone, suchen einen anderen Zug und eilen von dannen. 10 Minuten später eine genuschelte Durchsage, die beim besten Willen nicht zu verstehen ist. Die Kölner Lautsprecheranlage scheint seit 30 Jahren nicht mehr auf neuere Erkenntnisse der Akustik abgestimmt worden zu sein. Ich gehe in den Gang hinunter, schaue auf die elektronische Abfahrtstafel: 15 Minuten Verspätung. Aha, gleich müsste der Zug kommen.

Er kommt nicht. Ich eile auf den Bahnsteig 10, weil die Masse dorthin geht und vielleicht etwas von der nächsten Ansage verstanden hat. Doch Richtung Neuss fährt der Zug nicht. Zurück in den Durchgang, wo immer noch 15 Minuten Plus verkündet wird. Es sind aber schon 20 Minuten Verspätung.

Eine Kollegin sucht, wie sie später erzählt, nach dem Fahrdienstleiter auf dem Bahnsteig. Die Bude ist zu. Sie läuft auf den nächsten Bahnsteig, wo ihr zwei Bedienstete heiter erklären, dass auf unserem Bahnsteig eine Kollegin sein müsste. Mit anderen Worten: Es ist ihnen egal, dass an Gleis 9 200 Menschen ohne Informationen warten, denn die Anzeige kündigt nun einen anderen Zug an und der Triebwagen, der einen Motorschaden haben soll, noch immer am Gleis.

Mittlerweile ist eine halbe Stunde vergangen und ich finde endlich ein Rotkäppchen in der Bude an Bahnsteig 9. Da hinten an Gleis 8 sei der Zug, am anderen Ende des Bahnsteigs, sagt die dicke Dame in aller Seelenruhe, während ich mich über die fehlenden Durchsagen und die falsche Anzeige beschwere, was sie ungerührt an sich abprallen lässt. Ich hetze hin und erreiche den Zug gerade noch. Andere, die immer noch nicht wissen, was denn nun los ist, bleiben auf dem Bahnsteig zurück.

Organisation scheint nicht die Stärke des Personals im Kölner Hauptbahnhofs zu sein. „Et hät no emmer jutjejange“, sagt man in Köln. Ein Anspruch auf Dummheit im Dienst erwächst daraus nicht!

Dass Fahrgastinformation in Köln Hbf Nebensache ist und hier alles unkoordiniert und mit kölscher Laxheit läuft, ist auch hier im FAZ-Blog nachzulesen. Seit dem 1. Februar hat sich daran nichts geändert.

Ein Kommentar

 
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