Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Ramsauers klammheimliche Bahnprivatisierung

19.05.10 (Bahnhöfe, Deutschland, Eisenbahn, Verkehrspolitik)

Dass Bundesverkehrsminister Ramsauer ebenso wie sein glückloser Vorgänger stillschweigend die auf Privatisierung der Deutschen Bahn angelegte Zukaufpolitik von Rüdiger Grube unterstützt, statt gegen die Verschwendung von Milliarden für den riskanten Kauf von Arriva vorzugehen (es sind ja peanuts in einer Bundesregierung, die mit Hunderten von Milliarden nur so um sich wirft), hatte ich schon geschrieben.

Auch andere hauen in diese Kerbe. Das Bündnis Bahn für Alle, das gegen die bestenfalls aufgeschobenen, aber nicht aufgegebenen Privatisierungspläne vorzugehen versucht, bezeichnete den gelernten Müllermeister Ramsauer sehr treffend als „Müllermeister Bauernschlau„. Das klingt ein wenig frech, hat aber auch mit dem allgemeinen Gefühl zu tun, dass in Berlin Regierung und Parlament über die Köpfe der Wähler hinweg einfach etwas beschlossen wird. Alternativlos, weil man zu faul und oft auch definitiv zu blöd ist, über Alternativen nachzudenken. Es ist eben einfacher, den Einflüsterungen von Banken und Beratern zu folgen, die mit einem Börsengang ein Bombengeschäft machen wollen – von den Vorständen, die sich dank willigen Aufsichtsräten gern für stinknormale Managementtätigkeiten die Taschen mit Prämien füllen lassen, einmal abgesehen.

Auch im Eisenbahn-Kurier (EK) vom Juni 2010 wird der Arriva-Kauf thematisiert. Zwar wird dort von einer einmaligen Chance gesprochen, die ich so nicht nachvollziehen kann, zumal die SNCF keine Kaufabsichten mehr hatte und buchstäblich kein Zugzwang besteht. Aber der Tenor ist dann doch anders. Dort wird von einer grob vernachlässigten Bahn in Deutschland gesprochen. Die hat jeder Bahnfahrer täglich vor Augen – besonders abseits der Einkaufszentren, die einmal die stolzen Hauptbahnhöfe der Deutschen Bundesbahn waren.

Aber auch Bahnhöfe der Top-Kategorie wie Würzburg Hbf machen gewaltig Eindruck auf ausländische Besucher. So zitierte die Presse laut EK eine Schweizer Stadtplanerdelegation, die zu einem Kongress nach Würzburg gekommen waren: „Hier sieht es aus wie in Rumänien!“ Wer die Dreckslöcher kennt, für die DB Station & Service täglich vier- bis fünfstellige Beträge bei den Bahnbetreibern kassiert, dass an einem Bahnhof oder Haltepunkt Züge halten dürfen, aber nichts oder bestenfalls das Nötigste investiert, weil die DB-Tochter ja auch Profit machen muss, wundert sich darüber nicht. Und Thomas Naumann schreibt im EK weiter: „Machen wir uns nichts vor: Was jetzt passiert, ist Mehdorn pur.“ Und wird noch deutlicher: Die DB vor dem Kauf von Arriva – man kann es schon so sehen: Sie ist wie ein Süchtiger, der zwar weg will von der Nadel, weil er weiß, dass er sich mit Drogen selbst ruiniert hat, aber dennoch sagt: Bevor es morgen mit dem Entzug losgeht, setzte ich mir noch einmal einen tollen Schuss. Da stehen die Chancen dann 50:50, dass dies der letzte, der goldene Schuss sein könnte…“

Treffend zitiert der EK auch den grandiosen Kabarettisten Urban Priol (siehe ZDF-Mediathek, Neues aus der Anstalt), der über die DB unter Rüdiger Grube gesagt hat: „Sie machen die gleichen Fehler wie vorher, aber sie lächeln jetzt immer dabei.“ Es ist das Lächeln der Arroganz. Die in Berlin interessieren sich nicht für Fahrgäste und eine leistungsfähige Deutsche Bahn.

Ein Kommentar

 
Get Adobe Flash player

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen