Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

DB verbessert Buchungsmöglichkeit und behebt nicht alle Fehler

15.06.10 (Deutschland, Eisenbahn, Marketing, Personenverkehr)

Die Deutsche Bahn, genauer: die DB Vertrieb GmbH, hat ein wenig was am Buchungssystem herumgebastelt und schreibt:

Die Deutsche Bahn bietet ab sofort allen Bahnreisenden mit einem Handy neue Möglichkeiten bei der Buchung. Jetzt ist es möglich, sich die Fahrkarte bei einer Buchung im Internet auf bahn.de als MMS direkt auf das Mobiltelefon schicken zu lassen. Das neue Angebot ist besonders kundenfreundlich und schont die Umwelt. Denn statt des ausgedruckten Online-Tickets zeigt der Reisende dem Zugbegleiter die MMS auf seinem Handydisplay. Für die Zustellung des Handy-Tickets müssen sich Nutzer mit ihren persönlichen Zugangsdaten auf www.bahn.de/meinebahn anmelden.
„Diese Lösung ist für Privat- und Geschäftsreisende gleichermaßen interessant“, so Mathias Hüske, Leiter Online- und Agenturvertrieb bei der DB Vertrieb GmbH. „Zukünftig kann man mit der Bahn ganz einfach ohne Papierticket verreisen. Das ist besonders praktisch, wenn gerade kein Drucker in der Nähe ist oder die Fahrkarte von einer anderen Person gebucht wurde.“

Was Herr Hüske leider verschweigt: Die City-Option ist bei so einem MMS-Ticket nicht drin. Aus dem einfachen Grund, weil die Verkehrsbetriebe kein Lesegerät für MMS haben.

Etwas verbessert wurde die Sitzplatzreservierung: Originalton DB:

Um Kundenwünsche bei der Sitzplatzreservierung bestmöglich zu erfüllen, sind jetzt auch diese Serviceleistungen auf bahn.de optimiert. So kann der Reisende nach seinen individuellen Bedürfnissen Teilstrecken abwählen und so Geld sparen. Da nur eine Anschlussreservierung im Preis für die Sitzplatzreservierung enthalten ist, war bis dato bei zwei Umstiegen eine weitere kostenpflichtige Reservierung notwendig. Jetzt kann der Reisende entscheiden, für welche Teilstrecke er die Reservierung in Anspruch nehmen möchte.

Auch bei der Reservierung des Sitzplatzes wurde der Service verbessert. Ab sofort wird dem Kunden bereits vor Kauf der Reservierung die entsprechende Verfügbarkeit angezeigt. Im Buchungsschritt „Ticket&Reservierung“ unter „Details“ erhält der Kunde die Information, ob die Buchung des gewünschten Sitzplatzes möglich ist. Falls nicht, bekommt er ein Alternativangebot im selben Zug.

Das ist wirklich eine erhebliche Verbesserung, denn die Buchungsanfragen mit dem Ergebnis, dass keine Plätze mehr verfügbar seien und mit bis zu drei Durchläufen, bis endlich ein Platz gefunden war, hätte ich als Organisationsprogrammierer vor 30 Jahren noch als „EDV zu Fuß“ bezeichnet.

Nun habe ich im Dezember lautstark bemängelt, dass das Buchungssystem bei Strecken bis 50 km eine falsche Auskunft gibt. Nämlich, dass die Buchungsfrist abgelaufen sei, selbst wenn die Fahrt erst in ein paar Tagen geplant war. Diese falsche Meldung kommt jetzt nicht mehr.

Aber nach wie vor ist es unmöglich, Fernzüge (IC, ICE) bis 50 km zu buchen, lediglich Platzreservierungen. Das ist nicht nur unlogisch, sondern kundenunfreundlich.

Dass in den Verkehrsverbünden oder zwischen zwei Verbünden keine Fahrkarten für Nahverkehrszüge gebucht werden können, ist zwar aus Kundensicht unsinnig, aber wegen der tariflichen Frickeleien im Nahverkehr noch irgendwie tolerabel. Aber dem Kunden im Buchungssystem nicht zu sagen, dass solche Buchungen generell nicht möglich sind und sich lapidar mit „Preisauskunft nicht möglich“ herauszureden, ist alles andere als kundenfreundlich.

Herr Hüske, da ist schon seit Jahren Nachbesserungsbedarf!

Wie der VCD übrigens in diesem Zusammenhang herausfand und von der DB prompt bestritten wurde, sind es vor allem drei Punkte, die von den Befragten im neuesten VCD-Bahntest am stärksten kritisiert wurden: die Wahl des passenden Fahrscheins aus der schier unüberschaubaren Vielfalt an Angeboten und Tarifen, der Kauf eines Fahrscheins und die mangelnden Informationsmöglichkeiten über Fahrplan, Fahrscheine, Ermäßigungen und Fahrscheinkauf. Diese Hürden seien es, die die Menschen von einer Bahnfahrt abhielten. „Im Rahmen unserer eigenen regelmäßigen Kundenbefragungen bekommen wir nicht nur von 84 Prozent der Fahrgäste ein gutes oder sogar sehr gutes Feedback zum DB-Ticketverkauf, sondern auch wertvolle Hinweise zur weiteren Verbesserung von Service und Reisequalität“, sagt Jürgen Kornmann, Sprecher Personenverkehr der Deutschen Bahn. 84 Prozent Kundenzufriedenheit ist eine Quote, für die die DB sich schämen müsste. Und diejenigen, die wegen der Buchungsunmöglichkeit in Klein- und Mittelstädten oder mangels Internet erst gar nicht mit der Bahn fahren, haben ganz sicher kein Feedback gegeben, weil man sie nicht fragen konnte.

Der VCD weiter: Die Tarifsysteme in Nah- und Fernverkehr wurden durchweg schlecht bewertet, im Nahverkehr schlechter als im Fernverkehr. Die breite Vielfalt von Fahrscheinen und Verbund-, Nah-, Fernverkehrs- und Sondertarifen, die sich gegenseitig häufig ausschließen, verwirre selbst passionierte Bahnnutzer. Das stimmt, wie meine Erfahrung zeigt! Der VCD fordert, diese Unterscheidungen zu durchbrechen. Gehrmann: „Bahnreisende wollen einfach und bequem von A nach B reisen, ohne sich im Vorfeld lange den Kopf über Sparpreise, Kindertarife oder Sonderregelungen zerbrechen zu müssen. Wir brauchen Vereinheitlichung bei den Bahntarifen, bei Vertrieb, Fahrscheinkauf und Informationsbeschaffungen.“ Mit einem einheitlichen »Deutschland-Tarif«, wie ihn der VCD vorschlägt, könnten mit einem Grundpreis alle Züge des Nah- und Fernverkehrs mit einem einheitlichen Fahrschein genutzt werden. Eventuelle Aufschläge – etwa für ICEs oder Nachtzüge – würden problemlos im Zug nachgelöst.

Leider mache ich mir bei Bahnmanagern, die sich mit ihrem Preissystem am Flugverkehr und sonstigen systemfremden Überlegungen orientieren, keine Hoffnung, dass der Tarifwildwuchs beschnitten wird. Weil sie wahrscheinlich, wenn überhaupt, mit einer Bahncard 100 Bahn fahren.

Ein Kommentar

 
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