Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Die Berliner S-Bahn-Züge streiken mal wieder

09.07.10 (Deutschland, Eisenbahn, Nahverkehr, Personenverkehr, Straßen-/Stadtbahnen, Triebwagen)

Bei Nahverkehrsbetreibern scheint sich ja immer noch nicht herumgesprochen zu haben, dass wir auch in Deutschland Sommertemperaturen weit oberhalb der 30° C haben können. Wer dann in ein unklimatisiertes Fahrzeug einsteigt, kommt schweißgebadet wieder heraus. So gewinnt man allerdings keine Fahrgäste, die von ihrem Auto inzwischen Klimaanlagen gewöhnt sind.

In Düsseldorf sparte man sich, angeblich wegen der Gewichtsbegrenzung der Oberkasseler Brücke, auch bei den neuesten Zügen eine Klimaanlage, baute aber extragroße Fenster ein, die schon bei 15° C und Sonne ziemlich unangenehme Innentemperaturen erzeugen. Denen begegnet die Rheinbahn, je nach dem Gefühl des Fahrers, mit einem Umluftgebläse, das eine Wirkung nah bei Null hat. Wahrscheinlich unterstützt die Rheinbahn deshalb das Innenklima durch die großflächige Verklebung der Fensterscheiben mit Werbung. Das hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr zwar ausdrücklich verboten, verfügt aber über keine Handhabe gegen diese Unverschämtheit der Rheinbahn gegenüber ihren Fahrgästen, die durch irgendwelche Rasterflächen mit Linseneffekt schauen müssen oder gleich ganz hinter Folien verschwinden.

Auch in Berlin macht die S-Bahn in Sachen Temperatur wieder Probleme, diesmal nicht bei Schnee, sondern bei Sonnenschein. Soeben verbreiteten die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung des Landes Berlin und der VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH folgende Pressemitteilung:

Die S-Bahn Berlin GmbH hat erneut Fahrzeugprobleme bei saisonüblichen Temperaturen. Aufgrund der momentanen Hitze fallen seit Anfang Juli wieder verstärkt Züge aus. Statt der versprochenen 416 Viertelzüge waren heute nur 393 Viertelzüge im Einsatz. Demnach fehlen heute 23 Viertelzüge. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der VBB sind sehr enttäuscht über die erneuten Einschränkungen für die Fahrgäste.

Gerade auf der Stadtbahn machen sich die fehlenden Züge bemerkbar. Die Fahrgäste, darunter auch die Besucher der WM-Fanmeile und viele Berlin Touristen, müssen verkürzte Züge in Kauf nehmen. Wegen der Zugausfälle werden auf der S3 und S5 nur 6-Wagen-Züge anstelle der geplanten 8-Wagen-Züge eingesetzt. Die Folge sind erneut überfüllte Züge bei Temperaturen über 30 Grad.

„Ich habe deutlich gemacht, dass die S-Bahn sofort auf den Missstand reagieren muss und die vereinbarte Verkehrsleistung umgehend wieder herstellt und dauerhaft hält,“ sagte Senatorin Junge-Reyer, nach einem Gespräch mit S-Bahn-Chef Peter Buchner.

VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz sagte, dass der Zustand für die Fahrgäste unzumutbar sei: „Auch bei hochsommerlichen Temperaturen muss die S-Bahn den vereinbarten Betrieb gewährleisten. Die Hitzeprobleme der S-Bahn-Fahrzeuge sind nicht neu, deshalb ist es völlig unverständlich, dass diese Schwachstellen nicht längst beseitigt sind. Die S-Bahn scheint eher auf niedrige Sommertemperaturen zu hoffen, anstatt die Züge entsprechend auszurüsten.  Wieder einmal haben die Fahrgäste unter den Versäumnissen der S-Bahn zu leiden.“ Der VBB verlangt von der S-Bahn Berlin GmbH verbindliche Aussagen darüber, wann die versprochene Anzahl der einsatzfähigen Züge wieder erreicht wird.

Die in den Nachverhandlungen zwischen dem Berliner  Senat und der S-Bahn Berlin GmbH vereinbarte Fahrzeugverfügbarkeit liegt bei 562 Viertelzügen (ohne Betriebsreserve). Mit 393 Viertelzügen befinden sich heute nur etwa 70 Prozent der erforderlichen Züge im Einsatz.

Der Tagesspiegel berichtet über die Probleme, die durch geöffnete Fahrstandtüren kommen, weil die S-Bahn die Abfertiger auf den Bahnhöfen abgeschafft hat. Kluge Kerlchen bei der S-Bahn…

Die Geschäftsführer von Nahverkehrsbetrieben, die bei Fahrzeug-Neuanschaffungen – aus welchen Gründen auch immer – keine Klimaanlage mitbestellen, haben ihren Job und die Komfortansprüche ihrer Fahrgäste nicht verstanden. Oder sind noch nie im Sommer mit ihren Fahrzeugen gefahren.

 
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