Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Grube spricht

16.07.10 (Bahnindustrie, Deutschland, Eisenbahn, Fernverkehr, Hochgeschwindigkeitszüge, Personenverkehr, Triebwagen)

Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der DB Mobility Logistics AG, der sich in den letzten Tagen immer sehr zurückhielt, gab dem Deutschlandfunk ein Interview. Bitte lesen Sie es. Es ist ein Dokument der Arroganz, mangelnden Empathie und Überheblichkeit.

Gestiegene Wartungsaufwendungen bei den alten Zügen, die durch den Verschleiß selbstverständlich steigen, werden als Großtat verkauft und folgende Fragen wischiwaschi beantwortet. Rechtfertigungen, wo Demut angesagt wäre. Auszug aus dem Interview:

Meurer: Stimmt es, dass ab sofort Zugbegleiter und Lokführer jetzt selbst entscheiden dürfen, wann ein Zug gestoppt wird?

Grube: Da gibt es ganz klare Richtlinien, nach denen müssen sich die Lokführer und unser Zugpersonal verhalten. Wenn bestimmte Werte überschritten würden, ja, dann müssen sie selbst entscheiden, dass dieser Zug auch dann im nächsten Bahnhof zum Stillstand kommt.

Meurer: Diese Richtlinie gab es doch am letzten Wochenende schon?

Grube: Ja, aber nun muss ich auch ganz offen sagen – aber das ist keine Entschuldigung, nur vielleicht mit Fakten hinterlegen -, bei den 255 ICEs, die wir tagtäglich betreiben, machen wir 1400 Fahrten und davon haben sehr, sehr viele geklappt. Sie haben gerade von 40 Ausfällen gesprochen. Die Zahl ist richtig. Aber da sehen Sie auch, dass wir sehr, sehr viele Züge betrieben haben, wo keine Störungen eingetreten sind. Also man muss das immer ein bisschen ins rechte Licht rücken.

Meurer: Aber vielleicht wäre weniger passiert, wenn die Zugbegleiter sich gesagt hätten, ich darf das, ich mach das jetzt, ich sage jetzt, der Zug hält am Bahnhof. Er hat sich aber nicht getraut, weil er es doch nicht darf.

Grube: Das kann ich Ihnen jetzt im Einzelnen nicht sagen, warum der Mitarbeiter sich nicht dafür entschieden hat. Aber es gab ja durchaus auch Fälle, es sind ja nicht alle so ausgegangen wie der Fall, den Sie eingangs erläutert haben am Beispiel Bielefeld, wo ich übrigens mich am Samstag sofort entschuldigt habe.

Im Klartext: Der Bahnkunde soll sich also freuen, wenn er mal nicht einen Kreislaufkollaps hatte oder fast erstickt ist, denn sehr, sehr viele Züge „klappen“ ja. Und Fahrgäste in „nicht klappenden“ Zügen haben einfach Pech. Können Sie sich vorstellen, dass der Lufthansa- oder Air-Berlin-Vorstandsvorsitzende so über seine Flugzeuge und Mitarbeiter reden würde?

Diesem Mann ist nicht mehr zu helfen.

 
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