Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Rüdiger Grube: Sprüche statt Taten

24.07.10 (Deutschland, Eisenbahn, Fernverkehr, Personenverkehr, Triebwagen)

Grubes Auftritt vor dem Verkehrsausschuss des Bundestags war wohl das, was man von ihm gewohnt ist: Unverbindliches, unglaubwürdige, ständig wiederholte „Brot-und-Butter“-Sprüche, Unschuldsbeteuerungen und eine Demonstration fachlicher Inkompetenz und mangelnder Führungskraft. Mit Recht sind nicht nur die Parlamentarier sondern auch die Kommentatoren vieler Zeitungen genervt. Grube hat viel Vertrauen verspielt und einen Millionenschaden verursacht: durch zögerliche Schadensbegrenzung, durch (mit Sicherheit!) Fahrgastverluste im Fernverkehr, durch einen Imageschaden, der die Deutsche Bahn weltweit der Lächerlichkeit ausgesetzt hat. Denn wer soll noch einer Aktiengesellschaft vertrauen, die ihr Kerngeschäft so wenig im Griff hat? Dabei sind die Vorstände mit Migrationshintergrund (-> aus dem Auto- und Flugzeuggeschäft) doch so heiß auf Geschäfte im Ausland.

Ich glaube nicht, dass Grube gute Berater hat. Solche Menschen legen eine Selbstherrlichkeit und Arroganz an den Tag, die keine Beratung duldet. Das sagen auch Menschen, die mit Grube zusammenarbeiten mussten. Die nach fundierten Erklärungen ihr Urteil mit einem anatomischen Schimpfwort zusammenfassen.

Grube hat sich deshalb den Medien viel zu spät gestellt. Er hat nicht einmal aus taktischen Gründen, die man in der Position eines Vorstandsvorsitzenden eigentlich kennen müsste, das Büßergewand angezogen und wenigstens Besserung geheuchelt. Nun wird erst einmal geprüft, auf die lange Bank geschoben anstatt Tatkraft gezeigt, uns sei es im Detail zur Beruhigung der Öffentlichkeit und des windelweichen Shareholders, Bundesverkehrsminister Ramsauer. Grubes Botschaft ist im Klartext: Wir können nichts dafür und werden einfach so weiter machen.

Ein Kollege vermutet, dass Grube exzellent beraten wurde. Ich bezweifle das nicht nur aus den oben genannten Gründen, denn auch in anderen Fällen, etwa wenn es um die SNCF ging, hat sich Grube ständig widersprochen und keine klare Linie gezeigt. Dass er nicht einmal die Zahl seiner ICE-Züge kennt und in jedem Interview etwas anderes sagt, hat der Journalist Nils Glück übersichtlich zusammengetragen: Nebelkerzen statt Transparenz. Ich würde eher sagen: Arroganz statt Kompetenz.

Grubes Botschaften sind jedenfalls verheerend, wie auch folgende Kommentare zeigen:

FTD: Zug für Vernunft ist abgefahren.

Tageszeitung: Und nun zum Wetter.

Süddeutsche: Es nervt!

Stern: Mauern, hinhalten, abwehren.

Pressestimmen in der FTD

ZEIT: Ramsauers Fehler

Wenn jetzt die FDP nach einem Vorstand für Verbraucher ruft, zäumt sie den lahmen Gaul von hinten auf. Denn den gibt es schon: DB-Fernverkehrsvorstand Ulrich Homburg. Die Forderung klingt wie: Grube sorgt für den maximalen Gewinn des weltweit operierenden Bahnkonzerns, der Verbrauchervorstand ist sowas wie ein Betriebsrat oder Verbraucherschützer für die Fahrgäste – er soll die schlimmsten Auswüchse des Privatisierungswahns verhindern. Was für eine kuriose Idee. Wie wär’s denn mit der endgültigen Absage des Börsengangs?

Wo steckt eigentlich DB-Technikvorstand Volker Kefer?

 
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