Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Schallende Ohrfeige vom Eisenbahnbundesamt

21.07.10 (Deutschland, Eisenbahn, Fernverkehr, Marketing, Personenverkehr, Triebwagen)

Es dürfte ein einmaliger Vorgang sein, dass eine Aufsichtsbehörde – das Eisenbahnbundesamt – das führende Eisenbahnunternehmen – Deutsche Bahn – mit Nachdruck an seine Pflichten erinnern muss, einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Die Bahn, meldet die Presseagentur ddp, habe „im Rahmen ihrer Betreiberverantwortung“ Schwachstellen rechtzeitig zu erkennen und zu beheben. Komme es zu Systemausfällen, habe die Deutsche Bahn alles zu tun, um Gefahren für die Gesundheit der Fahrgäste auszuschließen.

Das sollte in einem zivilisierten westlichen Industriestaat eigentlich selbstverständlich sein, kann beim ergebnisfixierten und in ihrer eigenen kleinen Welt lebenden Bahnmanagement aber wohl nicht mehr vorausgesetzt werden. Es ist eine schallende Ohrfeige für Bahnchef Grube, der sich nicht entblödet, weiter die Bahnindustrie und den Klimawandel für die katastrophalen Zustände in einigen ICE-Zügen verantwortlich zu machen. Dass Grube, wie der Tagesspiegel nachrechnete, die Öffentlichkeit belügt, indem er Hitzetage falsch angibt und die ICE-Probleme als „neu“ bezeichnet, obwohl es schon im heißen Sommer 2008 gehäuft Ausfälle gab und Bahnreisende entsprechende Erfahrungen machten, überrascht da schon nicht mehr. Bisher über 2200 ausgegebene Reisegutscheine wegen Hitze-Beschwerden bei der DB sprechen eine klare Sprache. Und das Eisenbahnbundesamt weiß von mindestens 30 Fällen, wo ausgefallene Klimaanlagen erhebliche gesundheitliche Folgen für die Fahrgäste hatten.

(Zu den ICE-Klimaanlagen ein Beitrag der Frankfurter Rundschau.)

Das Märchen von einst 10 Prozent Ersatzzügen glaubt erst recht niemand. Auf die Idee, Züge schnellstens umzurüsten und endlich neue Züge zu bestellen anstatt ausländische Bahngesellschaften zu kaufen, kommt Grube nicht. Schuld sind immer die anderen.

Dem Tagesspiegel liegen außerdem Dokumente vor, die belegen, dass auch die Wartungsintervalle gestreckt wurden. Was angesichts der gehäuften Ausfälle aller Art nicht überrascht. Die Deutsche Bahn ist seit Jahren ein Opfer von Abenteurern und ökonomischen Phantasten. Auch in der Politik.

Heute kündigte die Bahn ein Schmerzensgeld von 500 Euro für die fast krepierten Fahrgästen an. Allerdings nur gegen ärztliches Attest. Seit 22.7. auch ohne Attest.

Robuste Naturen scherzten heute im Internet: „Komm, wir fahren ICE, dann gibt’s 500 Euro!“ Rettungsdienste und Krankenhäuser an den Bahnstrecken sollten vorbereitet sein und entsprechende Atteste vorhalten…

Wenn Reparaturen und Neubestellungen weiter auf die lange Bank geschoben werden, hilft ja vielleicht ein staatlicher Aufkleber auf den ICE-Türen gegen Überfüllung und gesundheitlich nicht so stark belastbare Bahnkunden:

Das Eisenbahnbundesamt warnt:

Die Reise mit diesem Zug

kann lebensgefährlich sein.


Ausfallwahrscheinlichkeit von Klimaanlagen 32 %
Verspätungswahrscheinlichkeit 81 %
Ausfallwahrscheinlichkeit des Bordrestaurants 28 %
Betriebswichtige Aggregate können jederzeit ausfallen.

Ein Kommentar

  • 1
    Peter:

    Die EBA Herren haben gesprochen und somit ihre Schuldigkeit getan. Ansonsten wird alles beim alten bleiben. In diesen grossen Unternehmen fehlt heute die Ethik der Mitarbeiter jeder Zeit ihr Bestes zu geben. Unter den Arbeitsbedingungen ist das vielleicht auch kein Wunder.

 
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