Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Stern veröffentlicht geheime Studie zu Stuttgart 21

07.07.10 (Bahnhöfe, Deutschland, Eisenbahn, Strecken, Verkehrspolitik)

Das größenwahnsinnigste und zweifellos dümmste Bauprojekt der Deutschen Bahn, Stuttgart 21, wurde bereits vor zwei Jahren in einer Studie, die das baden-württembergische Innenministerium angeblich unter Verschluss hält, höchst kritisch beurteilt. Schon länger geistern die dort berechneten Kosten von über 11 Milliarden durch die Foren. Aber auch betriebliche Probleme wurden vorhergesagt.

Morgen wird der „Stern“ einen ausführlichen Beitrag dazu veröffentlichen.

Dass ein auf acht Gleise reduzierter Durchgangsbahnhof betriebliche Engpässe geradezu produziert, kann man täglich in Düsseldorf, Köln, Essen und vielen anderen Bahnhöfen beobachten. „Verspätungen wegen Zugfolge“ heißt das dann. Und diese Bahnhöfe haben alle mehr als acht Gleise. Davon abgesehen: Unfälle und liegengebliebene Züge in den zahlreichen geplanten Tunneln rund um Stuttgart würden verheerende Folgen haben. Dies nur als knappe Hinweise auf der Basis gesunden Menschenverstands und mit etwas betrieblichem Wissen über den Eisenbahnbetrieb.

Welche abenteuerlichen Prognosen zu Kosten (insgesamt nur 2,8 Mrd €!) und Fahrzeitverkürzungen die Stadt Stuttgart 2007 verbreitet hat, ist hier nachzulesen.

Dass die DB und die Stuttgarter Straßenbahnen bezahlte Werbung der S21-Gegner an ihren Bahnhöfen verboten hat, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie und wird die brisante Stimmung weiter anheizen. Ganz offensichtlich sind DB und lokale Größen nicht sensibel genug, die politischen Folgen solcher kleinlichen Handlungen einzuschätzen.

Am kommenden Samstag ist eine Großdemonstration der S21-Gegner in Stuttgart geplant. Näheres auch bei Kopfbahnhof-21.

PS 8.7.2010: Eine Leserin der taz wies auf eine Simulation der erbärmlichen und sicher sehr lauten Beton-Katakomben hin, die sich die baden-württembergische Landeshauptstadt als U-Hauptbahnhof leisten will. Dagegen sieht Berlin Hbf geradezu originell aus. Hier der Link zur Simulation des Fraunhofer-Instituts IAO.

Bemerkenswert erscheint mir auch die Häufung von Leserkommentaren in der Stuttgarter Zeitung, die sich stilistisch stark von üblichen Kommentaren unterscheiden und S 21 als großartiges und durchdachtes Projekt hinstellen. Das scheint mir Guerilla-PR und Agitation zu sein, der jedes Mittel recht ist. Dass jemand als „fakten“ schreibt und auf die S21-Website www.das-neue-herz-europas.de (dia Gosch scho a bissle arg weit aufgrissa, gell?) verweist, kann natürlich nur Zufall sein. Für ein fantasievolleres Pseudonym hat es wohl nicht gereicht. PR für ein hochkommerzielles Milliardenprojekt als steuersparender, gemeinnütziger (?) eingetragener Verein zu machen, ist aus meiner Sicht einfach nur unanständig. Aber es passt zum Vorgehen.

Stuttgart 21 ist bereits eine Rubrik in der Berichterstattung der Stuttgarter Nachrichten, mit einigen Beiträgen zum bereits erheblichen Ärger mit den S-Bahnen.

 
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