Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Stuttgart 21: Ein Bahnhof ohne Gleisanschluss?

31.08.10 (Bahnhöfe, Eisenbahn)

Meine Vermutung, dass der neue Stuttgarter U-Bahnhof 2020, vielleicht auch schon früher, als gleisloser Partyraum enden wird, weil das Geld beim Planen der eisenbahntechnisch unsinnigen Tunnel ausgegangen ist, verdichtet sich allmählich zur Wahrscheinlichkeit. Denn in der immer lauter werdenden Diskussion werden zwar alle möglichen Aspekte diskutiert, aber nicht die wesentlichen. Daher ein Weckruf aus einer Stadt, die 10.000 Einwohner weniger als Stuttgart hat, aber einen hoch ausgelasteten Durchgangsbahnhof mit 18 Gleisen und vier Streckenzweigen. Also das, was man in Stuttgart Hbf hat und braucht. Hallo, aufwachen!

„Ein Bahnhof ohne Gleisanschluss ist kein Bahnhof.“

Haben das die ………….. (bitte selbst ergänzen) Politiker und die bar jeder Fakten argumentierenden S21-Befürworter, professionellen Demagogen und PR-Strategen der Abteilung Desinformation und Agitprop, die sich auch bei Twitter mit üblen Verleumdungen und vor allem präpubertären Gefasel gegenseitig überbieten, immer noch nicht verstanden? Menschen, die bei dem Stichwort „Fortschritt“ sofort zu sabbern anfangen im Pawlowschen Reflex und sich für fortschrittlich halten, obwohl ihnen der Knochen verweigert wird. Dämliche Botschafter eines blinden Fortschrittsglaubens, denen die Fähigkeit zu reflektieren, Fakten zu überprüfen und einzuordnen, nicht gegeben ist. Auch Tamagotchi-Besitzer hielten sich mal für fortschrittlich und füttern heute (glücklich) Hamster und Babys, weil menschliche Grundbedürfnisse sich nicht einfach mit einer Knopfbatterie ändern lassen. Menschen fühlen sich übrigens immer noch nicht wohl als Maulwürfe.

Heute berichtet die Stuttgarter Zeitung, dass die Neubaustrecke Wendlingen – Ulm nicht nur viel teurer wird, sondern alles andere als gesichert ist. Auch das Planfeststellungsverfahren hat noch nicht einmal angefangen, wenn ich richtig informiert bin. Gebetsmühlen sind keine guten Informanten.

Habe ich recht verstanden: In Stuttgart wird ein Bahnhof gebaut, dessen Gleisanschlüsse noch nicht einmal ernsthaft geplant und gesichert sind? Haben die Bauherren, Planer und Politiker einen Vogel? Was treibt sie an: geheime Absprachen und Omertà, die Pflicht, nach sizilianischer Mafia-Art darüber zu schweigen? Ich weiß es nicht. Aber die polizeigesicherte Eile beim Abriss stinkt zum Himmel. Von den Schmerzen, die Einheimische und Menschen mit architektonischem und städtebaulichen Sachverstand haben, einmal abgesehen.

Soll der spätere U-Bahnhof eine Disko, eine Bauruine oder ein SACKBAHNHOF werden, der nur von einer Seite angefahren wird? Soll das Herz Stuttgarts ab 2020 mit dem Pendelverkehr einer Nebenbahn an Cannstatt angeschlossen werden? Und dafür muss man jetzt schon einen denkmalgeschützten Bahnhof zerstören? Das zeugt von Weitsicht und großer verkehrstechnischer Kompetenz. Die so hoch ist wie bei der jungen Dame, die herausfand, dass in einem Sackbahnhof die Züge verschwinden und nie wieder herausfahren. Ein freundlicher Mensch hat ihr dann erklärt, dass man sich den Bahnhof wie eine Garage vorstellen muss, aus der man rückwärts herausfahren kann. Mit Trieb- und Wendezügen übrigens sogar vorwärts. Aber das setzt natürlich Fachkenntnisse voraus, die man bei der Planung von Stuttgart 21 nicht hatte und die man bis heute spielend hätte erwerben können. Kein Wunder, dass es Märklin so schlecht geht. Wobei die LBBW ja überall mit großem Geschick Kompetenz beweist.

Die kann man von Bahnchef Grube, der seinen starken Baggerarm täglich erneut blindwütig in den Bonatzbau rammen lässt, nicht erwarten. Von Eisenbahn, da bin ich sicher, versteht der so viel wie ich vom Programmieren einer elektronischen Zündung: nichts. Wenn der Widerstand wehrloser Mauern bricht, ändert sich das Charisma eines Kieselsteins nicht. Dass Herr Mappus überfordert ist, die Gründe für die Proteste zu verstehen, überrascht da nicht weiter.

Die Pippi Langstrumpfs sind in Stuttgart leider zahlreich und fast alle männlich.

 
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