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Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Stuttgart 21 EXKLUSIV: Rüdiger Grube diffamiert Projektgegner

27.08.10 (Deutschland, Eisenbahn, Güterverkehr, Personenverkehr)

Dr. Rüdiger Grube ist ein Strippenzieher und einer, der in der Öffentlichkeit Verständnis und Kompromissbereitschaft heuchelt und knallhart macht, was er will oder glaubt, tun zu müssen.

In einem mir zugespielten Vorstandsbrief an die DB-Mitarbeiter, den ich der Wirtschaftswoche zur Verfügung gestellt habe, diffamiert Grube die Gegner von Stuttgart 21.

Zitat: „Am allerwenigsten akzeptiere ich, wenn der Protest von Projektgegnern demokratische Spielregeln unseres Rechtsstaats verletzt.“

Ob Grube das Grundgesetz, Artikel 8, kennt? Hat er noch nichts vom Demonstrationsrecht als demokratisches Grundrecht gehört?

In den weiteren Ausführungen wiederholt Grube zum Teil abenteuerliche Behauptungen über die Chancen und Auswirkungen des Projekts und verweist auf Reisende, die von Rotterdam über Stuttgart nach Sizilien reisen werden. Blanker Unsinn! Das ist eine wichtige Güterverkehrsstrecke, doch weder der künftige U-Bahnhof noch die Neubaustrecke nach Ulm wären dafür geeignet. Auch das untaugliche Beispiel der Reise von Paris nach Bratislava wird wieder zitiert. Die üblichen Plattitüden eben, die keine ernstzunehmenden Argumente sind, weil sie längst widerlegt sind oder ggf. auch mit einem „alten“ Hauptbahnhof realisierbar wären.

Die Projektgegner „versuchen, mit aller Macht die Öffentlichkeit zu verunsichern, indem sie sich auf Gutachten beziehen, die gar keine sind.“ Wie etwa das SMA-Gutachten. Ist Grube nicht nur Auto- und Luftfahrtmanager, sondern auch Sprachwissenschaftler? Ich bin beeindruckt.

Triumphierend schreibt Grube am Schluss: „Gestern haben wir mit dem Abriss der Fassade des Nordflügels am Stuttgarter Hauptbahnhof begonnen und damit bewiesen, dass wir das Projekt auch weiterhin wie geplant vorantreiben. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Stuttgart das Richtige tun. Mit den gestrigen Bauarbeiten haben wir ein für alle unübersehbares Signal des Projektfortschritts gesetzt.

Eine pure Machtdemonstration, das wollte Grube.

7 Kommentare

  • 1
    johnson:

    das Demonstrationsrecht kennt allerdings Grenzen, die die Gegner von S21 schon längst überschritten haben. DARUM geht es. nicht etwa darum, dass nicht Demonstriert werden dürfte. sondern darum, dass die Demonstrationen Formen angenommen haben, die den Demokratisch-Rechtsstaatlichen Rahmen überschritten haben. Wer würde das denn bezweifeln wollen – außer den Demonstranten selbst?

  • 2
    Nichtgrube:

    Ein Foto aus Berlin:
    http://cl.ly/21558fa82fe16e57a0aa

  • 3
    Friedhelm Weidelich:

    Ein Sitzstreik oder eine kurze Straßenblockade ist nicht außerhalb des rechtsstaatlichen Rahmens. Die Polizeipraxis und die allgemeine Rechtsprechung unserer Gerichte unterscheidet sich zum Glück von den Vorstellungen mancher U-Bahnhof-Freunde.

  • 4
    Lukas Iffländer:

    einen TGV blockieren schadet Unbeteiligten ==> nicht OK
    unbefugt das Dach des Bahnhofs besteigen = Hausfriedensbruch

    Gegen nen Sitzstreik hab ich nix.

  • 5
    von_bahn:

    Als Monopolist kann der Bahn doch ihr Image egal sein – einfach durchziehen – koste es was es wolle + das im Zeitalter von Kundenorientierung und Bürgerbeteiligung !

  • 6
    Bernhard Höpfner:

    @Lukas Iffländer, hat ein Haus, während es bereits abgerissen wird, noch einen Frieden, den jemand brechen könnte?

  • 7
    Lukas Iffländer:

    @bernhard: rechtlich gesehen ist das unbefugte Betreten von Gebaueden und Grundstuecken Anderer Hausfriedensbruch, philosophisch kann man hier aber diskutieren 😉

 
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