Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Tunnel sind überhaupt kein Problem

22.08.10 (Deutschland, Eisenbahn, Personenverkehr)

Es ist nicht ungewöhnlich, dass beim ICE 1 einzelne Motoren ausfallen und die beiden Loks nur mit halber Kraft fahren. Das berichten Lokführer. Nun ist in einem Tunnel bei Vaihingen ein ICE steckengeblieben, weil der Antrieb versagte. Dann fiel offenbar die Stromversorgung aus und damit auch die Klimaanlage. Wenn ich die dürren Berichte richtig deute, hat man versucht, den Zug abzuschleppen. Dafür braucht man Dieselloks, die eine Scharfenbergkupplung oder eine andere Spezialkupplung haben. Ich weiß nicht, ob keine da war oder warum man den Zug offenbar drei Stunden mit 420 Fahrgästen im Tunnel stehen ließ, bis vier Fahrgäste zusammenklappten. Man könnte es für Sorglosigkeit halten.

Was schließen wir daraus: ICEs werden jetzt besonders gut gewartet und Tunnel sind überhaupt kein Problem für den Betrieb. Deshalb baut man den neuen Stuttgarter U-Bahnhof auch in ein Gewirr von Tunneln ein, wo man wunderbar evakuieren kann, wo jederzeit Hilfsloks bereitstehen und überhaupt nichts passieren kann. So ist die Bahn superflexibel und wer als Fahrgast Angst vor den unendlich langen Tunneln hat, die rund um „Stuttgart 21“ gebaut werden, soll halt einen Anti-Klaustrophobie-Kurs belegen oder ein Notfall-Set dabei haben. Ein Fläschchen Sauerstoff möcht schon sein, wenn man mit klapprigen Hochgeschwindigkeitszügen der Deutschen Bahn fährt.

Keine Angst, liebe Fahrgäste, Dr. Rüdiger Grube hat die Deutsche Bahn fest im Griff.

Darum ist er ja so vehement für S21. Ein blutiger Laie, der nicht überblickt, was er da gestartet hat. Aber es interessiert ihn sowieso nicht. Beteuerungen, die Proteste ließen ihn nicht kalt, sind auswenig gelernte Floskeln und nicht der Rede wert.

Nachtrag 23.8.10: Inzwischen wurde bekannt, dass die Hilfslok nur 100 Meter weit schleppen konnte und dann durch eine Zwangsbremsung gestoppt wurde. So oder so ein Skandal. Hier ist noch der Bericht eines Redakteurs der PC-Welt, die angesichts der Kommunikation des DB-Personals jeden Kommentar überflüssig macht.

4 Kommentare

  • 1
    Matthias Knezy-Bohm:

    …au weh, da ist an der ICE Strecke vor Stuttgart ein 1878 m langer Tunnel. Im Vergleich zu den geplanten Tunnels unter Stuttgart ist das ja gerade mal eine grössere Wildbrücke. Und ausgerechnet da bleibt der Zug drei Stunden stecken? Die Reaktion der Bahn dazu ist unglaublich (vgl. http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=6800798/jngm5b/index.html). Da zeigt sich einmal mehr, dass der Kunden bei der Bahn nicht Fahrgast sondern der natürliche Feind ist. Neben den Passagieren tun mir auch die Zugbegleiter Leid, die mit Sicherheit genau so unwissend waren wie alle in diesem Zug. Ich würde gerne öfter mit der Bahn fahren, früher waren es mal über 30’000km im Jahr. Aber im Moment fehlt mir dazu die Zeit und der Mut…
    MKB

  • 2
    Gauck als Vermittler, zum Schein ausgestreckte Hände und brutale Polizisten /// Railomotive:

    […] wieder ein ICE im Tunnel stecken. Es dauerte vier Stunden, bis die Passagiere evakuiert waren. Im August waren es immerhin nur etwa dreieinhalb Stunden. Auch wenn ich mich wiederhole: Wer einen […]

  • 3
    Lutz Aichele:

    Wie ist das denn dann beim K21 mit 7500-9500 m Länge? Funktioniert es da dann unproblematischen als bei S21-Fildertunnel?

    Oder ist es grundsätzlich so, dass ein K21-Tunnel gut ist und ein S21-Tunnel böse?

  • 4
    Martin Edelmann:

    Hallo Herr Aichele, da ham war aber das Thema des Beitrags nicht verstanden, gell?
    Macht nix. Wer 150 Mio verblasen kann um damit zu Enge und von S-Bahnen, ICEs uns Güterzügen gemeinsam benutzte Tunnels zu planen, der kommt bei den Tunnels schon mal durcheinander.

 
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