Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Robin Wood schützt die Bäume im Schlossgarten durch Besetzung

03.09.10 (Bahnhöfe)

Die Eisenbahn ist per se umweltfreundlicher als andere Verkehrsmittel. Der debile und mit leichter Hand fehlkalkulierte Neubauversuch von Stuttgart 21 wird langsam, aber sicher als unsinnig, teuer und nicht machbar erkannt. Trotzdem wurde diese Woche in beschleunigtem Tempo abgerissen. Ab Oktober wird nach vielen Indizien auch der Südflügel zerstört. Dann sind auch die Jahrhunderte alten Bäume gefährdet – selbst wenn das Projekt noch abgebrochen wird.

Hierzu eine aktuelle Pressemitteilung von Robin Wood:

Während der heutigen Großdemonstration gegen Stuttgart 21 besetzen Aktivisten von ROBIN WOOD und den Parkschützern heute mehrere Bäume im Mittleren Schlossgarten. Um dort dauerhaft bleiben zu können, bauen sie zurzeit an einem Widerstands-Baumhaus im Wipfel einer der von Abholzung bedrohten alten Platanen. Sie starten die Baumbesetzung jetzt, weil am ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhof in Parknähe bereits Probebohrungen gestartet wurden. Dies sind vorbereitende Maßnahmen für die Absenkung des Grundwasserspiegels im Zuge des Prestigeprojekts Stuttgart 21, das an den Bürgern gescheitert ist.

„Nicht nur die Kettensägen sind für die Bäume des Schlossgartens eine große Gefahr – 282 Bäume sollen gefällt werden. Aber noch viele weitere Bäume sind durch die Absenkung des Grundwassers vom Austrocknen bedroht“, erklärt ROBIN WOOD-Aktivistin Kei Andrews. ROBIN WOOD und die Parkschützer fordern, auch die Probebohrungen umgehend einzustellen und das Projekt Stuttgart 21 zu beenden.

„Wir bleiben oben! Die Bäume des Schlossgartens sind, genauso wie der Nordflügel des Bahnhofs, zum Symbol geworden für alles, was durch Stuttgart 21 zerstört werden soll“, sagt Peter, einer der ROBIN WOOD AktivistInnen im Baum. „Mit unserer Baumbesetzung zeigen wir, dass wir auch um die Bäume im Schlossgarten kämpfen werden.“ Der Schlossgarten ist die „grüne Lunge“ Stuttgarts und als
Frischluftschneise für das Stadtklima unverzichtbar. Der Baumverlust durch Kahlschlag kann durch neugepflanzte Jungbäume nicht ersetzt werden.

„Die Bäume sollen für ein Projekt geopfert werden, das keine Chancen auf Realisierung hat. Stuttgart erlebt die stärksten Massenproteste seit Jahrzehnten. Nach einer Forsa-Umfrage sind 51 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg gegen Stuttgart 21 und nur 26 Prozent dafür. Der mangelnde Nutzen des Projekts bei zugleich immensen, ständig wachsenden Kosten sowie das intransparente Verfahren haben auch weit über die Landesgrenzen hinaus die breite Öffentlichkeit gegen den „Protzbahnhof“* aufgebracht. Damit ist das Projekt an den Bürgern gescheitert.

„Politiker und Bahnmanager können dies nicht mehr ignorieren. Mehrheitsentscheidungen von Parlamenten sind hinfällig, wenn sie auf der Grundlage falscher oder fehlender Informationen getroffen wurden“, sagt Parkschützer Fritz Mielert. „Wer jetzt weiter auf ‚Augen zu und durch’ setzt, stellt sich selbst ins politische Abseits und wird dafür bei den nächsten Wahlen abgestraft werden.“

* Dazu eine Anmerkung: Es ist längst kein Protzbahnhof mehr, sondern ein möglichst billig zu realisierender Untergrundbahnhof mit ein paar wenigen Lichtaugen auf dem Betongewölbe und an den alten Bahnhof angelehnten, bereits stark verkleinerten Glasbögen als Eingangsbereiche. Mit den Entwurfszeichnungen hat Stuttgart 21 nicht mehr viel zu tun. Es wird einfach ein Loch von U-Bahnhof am Rande einer häßlichen Bürostadt mit fantasielosen, aber um so größeren Investorenbauten.

 
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